Fest der Taufe Jesu

13.01.2019

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 71 O König aller Ehren
Predigtlied EG 441 Du höchstes Licht, du ewger Schein
Nach Predigt EG 74 Du Morgenstern, du Licht vom Licht
Lied (Beichte) EG 221 Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen
Schlusslied EG 44 O du fröliche

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor und Organist


Josua  3,5-11.17

Am Neujahrstag haben wir aus dem Buch des Propheten Josua auch einen Predigttext gehabt. Nach jahrzehntelanger Wüstenwanderung stehen sie hoch in den Bergen über dem Jordantal im Anblick des ihnen verheißenen Landes. Wie soll es jetzt weiter gehen? Kann es jemanden geben, der wie Mose in einer solchen Nähe zu Gott steht? Der heutige Text ist aus dem 3. Kapitel des gleichen Buches. Die Israeliten stehen jetzt am Jordanufer. Die Geschichte ist vorangegangen. Wir gehen Schrift bei Schritt mit dem Volk Israel ins versprochene Land. Ist ein neues Jahr nicht so wie ein neues Land, unbekannt aber mit viel Hoffnung fangen wir an oder betreten wir dieses? Ist ein neues Lebensjahr, das wir mit dem Geburtstag beginnen, auch nicht so wie eine  Wanderung in ein neues Land. Ungewissheit entfaltet sich vor uns. Wir sind doch nicht allein. Wir haben Menschen die uns zum Geburtstag gratulieren und Alles Gute wünschen. Soll nicht mindestens etwas davon in Erfüllung gehen? Das Volk trägt die Bundeslade mit. Mit diesem Zeug wanderten sie 40 Jahre. Was war das? Es war ein mythischer Kultgegenstand des Volkes Israel. Sie enthielt nach biblischer Darstellung, unter anderem, die zwei Steintafeln mit den Zehn Geboten, die Mose von Gott erhielt. Die Bundeslade galt nach dem Auszug aus Ägypten und während Israels Wüstenwanderung und Landnahme in Kanaan als Garant für Gottes Gegenwart inmitten des Volkes. Sie ist bis heute das Symbol für den Bund Gottes mit dem Volk Israel – daher der Name BundesladeWar die Lade inmitten des Volkes, war Gott inmitten des Volkes. Sie stehen jetzt mit der Kiste am Jordan. Hinter diesem Fluss breitet sich die neue Heimat des Volkes aus. Ein neuer Abschnitt wird gemacht. Josua sagt dem Volk: Heiligt euch. Macht euch sauber, ebnet den Weg für den Herrn. Bereitet euch vor. Morgen wird ein neuer Tag sein, alles wird anders als je zuvor. Heiligt euch hatte und hat bis heute in vielen evangelischen Häusern eine konkrete Bedeutung: Vor dem Gang in die Kirche sprach der Vater der Familie ein Gebet und jedes Mitglied der Familie musste in kurzen Worten die begangenen Sünden bereuen, Buße versprechen und um die Vergebung bitten. Es war keine leichte Aufgabe. Aber wir haben immer gespürt, es ereignet sich etwas Wichtiges, Heilges, Gutes. Der Gang nach Hause nach dem Gottesdienst mit Abendmahl war wirklich wie der Weg der Jünger Jesu von Emmaus nach Jerusalem, als sie den auferstandenen Jesus getroffen haben. Das Volk geht in die neue Heimat mit der Bundeslade, mit Gott. Der muss mit uns gehen. Er soll nicht fehlen. Um dem Volke noch einmal klar zu machen, bevor sie den Fluss überqueren, wie mächtig und wie verbunden Gott mit seinem Volk ist, macht Gott wieder ein Wunder. Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Lade des HERRN, des Herrn der ganzen Erde, tragen, in dem Wasser des Jordans stillstehen, so wird das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, nicht weiterlaufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger WallSie standen im Wasser, aber waren nicht nass. Ihr werdet in der Welt, aber nicht außerhalb dieser Welt sein. Ihr werdet von allen Seiten bedrängt, aber ihr werdet frei sein. Von allen gehasst, aber doch geliebt von Gott. Ihr werdet Fehler begehen und ständig stolpern, aber werdet doch heilig und besiegelt das Reich Gottes. Wie ist das möglich? Weil Gott es will. Weil Gott hat sich mit uns durch seinen Sohn für ewig verbunden und kann  nicht anders. Er ist ein Gott, der mitwandert. Gottes Liebe ist eine eifrige Liebe. Er wird uns nicht wollen um mit anderen zu teilen. Durch die Taufe sind wir sein Eigentum. Nicht einmal werden wir in unserem Leben von bösen Mächten umgeben, aber werden doch gerettet und heilig blieben. Unsere Berufung ist heilig zu sein, nicht aus uns, Gottes Gabe ist es. Dieses Wunder am Jordanufer soll auch uns an etwas erinnern. Ganz sicher an den Gang durch das Rote Meer. Dieses wunderbare Ereignis. Der Farao und seine Truppen waren nicht weit. Das Wiehern der Rosse hörten die Israeliten mit wachsenden Erschrecken. Sie sind aber auch damals trockenen Fusses auf der anderen Seite angelangt. Es sind alles sehr plastische Bilder die uns sicher etwas Konkretes sagen möchten oder eine Frage stellen wollen. Es ist nie zu spät, das Jahr ist immer noch jung, wir haben immer noch eine gute Gelegenheit einen Plan für 2019 komplett zu machen. Wir sind heute immer noch am Rande der neuen Heimat, wie die Israeliten damals. Wie heißt deine Bundeslade, mit der du in die Heimat ziehst? Wo hasst du den ewigen Gott in deinen Plänen gespeichert? Hast du nur an dich selbst gedacht, oder sollen auch Andere von ihm erfahren? Was, welches Ereignis der Vergangenheit, soll uns an Gott erinnern? Ich habe für euch, für dich und mich, einen sehr kurzen Plan für das Jahr 2019. Plan Josua: Heiligt euch! Nur zusammen können wir bestehen und die skeptische Welt, die auf uns schaut überzeugen, dass dieser Plan gut, realistisch ist. Es ist möglich im Wasser zu stehen und doch trocken bleiben. Heiligt euch!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober