Ewigkeitssonntag

24.11.2019

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Lutherische Heilige Messe

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Introitus EG 147 Wachet auf, ruft uns die Stimme
Graduale EG 149 v.1,2 Es ist gewisslich an der Zeit
Predigt EG 151 v.1-6 Ermuntert euch, ihr Frommen

Nach Predigt Orgelmusik
Preparatio EG 226 Seht, das Brot, das wir hier teilen
Schlusslied EG 151 v.7-8 Hier ist die Stadt der Freuden

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


Matt 25,1-13

Liebe Gemeinde!

Es ist sicher kein Zufall, dass Jesus das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen vor dem Gleichnis vom anvertrauten Zentner erzählt. In beiden Erzählungen geht es darum klug oder töricht zu sein. Wachet, dass euch niemand verführt!

Im Gleichnis von den 10 Jungfrauen waren es die 5 törichten, die von den 5 anderen Jungfrauen das Öl leihen wollten.  Diese klugen 5 hatten sich gut vorbereitet und wussten: Wir haben ein Ziel und alles ist dem Ziel untergeordnet: Bereit zu sein, wenn der Bräutigam kommt. Nichts soll uns dabei stören. Sie blieben fest und beharrlich und wurden zur Hochzeit schließlich hineingelassen.

Gebt uns etwas von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die Klugen und sprachen: Nein sonst würde es für uns und euch nicht genug sein.

Steht es nicht in der Bibel auch geschrieben: dem, der bittet wende dich nicht ab! Dem, der den Rock haben will gib auch den Mantel! Wer mit dir eine Meile gehen möchte geh auch zwei.

Natürlich, es gibt mehrere Stellen in der Bibel, die uns die christlich-menschliche Verpflichtungen klar vor Augen malen. Wir sollen bereit sein zu teilen wenn uns jemand darum bittet.

Ja, liebe Gemeinde, es ist alles klar und deutlich. Wir sollen immer bereit sein das zu teilen, was wir haben mit denen, die es nicht haben. Deswegen haben wir gestern mit einem Gebet in der Küche die Aktion warme Suppe für die Armen unserer Stadt angefangen. Es sind Menschen in Not. Wir fragen nicht warum hast du es nicht geschafft, wo sind deine Freunde oder Verwandte, warum hast du dich nicht bemüht dein Leben etwas besser zu steuern und und und..wir können weitere 20 solcher Fragen stellen. Was bringt es dann? Nichts! 

Die klügsten Fragen und unsere besten Urteile der Sache von diesen Menschen werden im Leben von ihnen nichts Neues ergeben, nichts ändern. 

Deswegen geben wir das, was wir geben können und was sie brauchen: eine warme Speise und hoffen, dass vielleicht passiert das, was wir in der Bibel oft sehen: eine körperliche Heilung eines Blinden – ein Licht für seine Augen kann auch ein Licht für sein Leben sein. Wir hoffen sehr, dass diese Speise, die wir verschenken, vielleicht etwas in dem Leben von diesen Menschen ändern wird, z.B. erweckt es eine Hoffnung, dass nicht alles beim Alten bleiben muss. Jedenfalls diese Menschen sind wirklich in Not.

Aber nicht die anderen Jungfrauen. Sie hatten Glück. Mit den andern 5 wurden sie durch einen reichen Mann ausgesucht bei seiner Hochzeit eine Lampenzeremonie zu feiern. Wir kennen diese Tradition nicht, aber es war sicher eine schöne Sitte und dabei zu sein träumte jedes junge Mädchen damals.

Sie wussten ganz genau was zu tun war. Ganz sicher wurde diese Sitte von Generation zu Generation getragen und tausendmal erzählt was das alles bedeutet und wie man sich dazu vorbereiten muss. Alles musste perfekt stimmen. Die Lampen mussten glänzen und klares Licht schenken weil es sich um eine Hochzeit handelte, ein neues Leben beginnt.

Nein sonst würde es für uns und euch nicht genug sein. Durch diesen Satz ist die ganze Geschichte geteilt!

Sie, alle 10, waren wie die Soldaten, im Dienst. Wenn ein Regiment den Befehl bekommt aufs Feld zu gehen und dort bereit auf weitere Befehle des Stabes zu warten, dann weiß jeder Soldat was zu tun ist.  Wenn da der Befehl doch plötzlich, um 3 Uhr in der Nacht kommt, und es heißt: Aufmarsch in 7 Minuten Richtung Nordwest, und einer mit einem Schreck entdeckt, dass er bei der Tante Constanza seine Schuhe und das Gewehr vergessen hat, wird kein anderer Soldat ihm seine eigenen leihen wollen. 

Die 5 Frauen, die vorsorglich mehr Öl mitgenommen haben, wurden klug genannt. Aber, so denke ich, nicht dafür. Meiner Meinung nach waren sie klug, weil sie sich von ihrer Aufgabe nicht abbringen ließen. 

Eine Stimme von außen wollte das verhindern. Sie sind der Stimme: Gebt uns etwas von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen – nicht gefolgt.

Schon am Anfang der Bibel finden wir eine Kerngeschichte die mit dem Gleichnis von den 10 Jungfrauen klar korrespondiert. Adam und Eva im Garten Eden. Gott sagt klar: aus diesem Baum, nein, nichts, kein Apfel, keine Orange, keine Banane, kein Kiwi, null!

Da kommt die Schlange und was sagt sie: Sollte Gott gesagt haben! Konjunktiv! Ihr werdet nicht sterben. Auch wenn ihr uns von eurem Öl gebt, reicht es uns beiden!

Nein! definitiv nein. Dieses Gleichnis warnt uns, dass wir nicht leichtsinnig das verlieren was uns kostbar ist. Halte was du hast. Nicht das Essen und Trinken weil Gott dir das genug gibt, so dass du es teilen kannst. 

Halte fest deine Berufung als Christ, du bist getauft und durch diese Taufe eingeschlossen in die Gemeinde Jesu Christi. Diese Gemeinde hat sicher eine Kirche, in der Kirche gibt es Bänke wo man im Gottesdienst einen Platz haben kann.

Was ist mit deinem Platz in der Kirche? Hast du ihn reserviert für eine spätere Zeit oder vermietet? Oder hast du diesen Platz ganz vergessen, um die Kirchensteuer zu sparen?

Welche Ausreden können wir hören als eine Antwort auf die Frage: warum gehst du nicht am Sonntag in die Kirche, warum hast du keine Gemeinschaft mit Menschen, die dort beten? Warum baust du nicht diese besondere Gemeinschaft dieser Kirche? 

Wachet, dass euch niemand verführt – beide Texte scheinen nicht nur die Jünger damals, sondern auch uns heute zu warnen.  Wachet, kauft die Zeit, weil die Zeit kurz und schlecht ist. Beide Gleichnisse vermitteln uns die gleiche Wahrheit: Lasst euch nicht erschrecken, entmutigen, verführen durch irgendwas oder irgendjemanden.  Leise die Seitenstimme von Außen: die Kirche am Sonntag, kannst du vergessen. Es gibt andere interessante Sachen am Sonntag-Vormittag zu tun!

Am Ende der Predigt das beste Beispiel, natürlich Jesus. Oft hatte er seinen Tod angekündigt. Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Herr! Ds widerfahre dir nur nicht!

Die Antwort Jesus kennen wir!

Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam… und die Tür wurde geschlossen!

 

Amen!