Erntedankfest

6.10.2019

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 505 Die Ernt ist nun zu Ende
Predigtlied EG 512 Herr, die Erde ist gesegnet
Nach Predigt Orgelmusik
Lied EG 218 Schmücke dich, o liebe Seele
Schlusslied EG 316 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren 

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor und Organist


Jesaja 58, 7-12

Liebe Gemeinde!

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja haben ursprünglich mit dem Erntedankfest nichts zu tun. Anders gesagt: sie wurden nicht für das Erntedankfest geschrieben. Ein anderer Anlass liegt diesen Worten zugrunde. Der Anlass heißt fasten oder auch beichten. Wir hören genau diese Worte auch oft am Beginn der Fastenzeit. Der Abschnitt in dem Buch des Propheten, aus dem diese Worte entnommen wurden heißt: Falsches und rechtes Fasten. Wie immer, um diese Worte richtig zu verstehen, müssen wir die Vorgeschichte des Textes uns kurz erzählen lassen. Also das Hauptthema des Alten Testaments ist die Treue und die Beständigkeit Gottes für sein Volk auf  der einen Seite und die Untreue und Unbeständigkeit des Volkes gegenüber Gott auf der anderen Seite. Aus diesen Beziehungen zwischen Gott und den Menschen entstehen Ereignisse, die die Bibel beschreibt. Diese Ereignisse sind für uns Menschen wie ein Lehrbuch. Von denen sollen wir lernen wer Gott ist und wer wir sind. Gott gibt, der Mensch nimmt, freut sich, vergisst! Gott segnet, der Mensch freut sich, möchte noch mehr Segen, bekommt ihn  nicht, wendet sich von Gott ab. Gott vergibt, der Mensch freut sich, verspricht  Besserung, vergisst die Worte des Versprechens, vergisst die Worte des Vergebens. Der Mensch beginnt ganz kleine Sachen, Gott segnet, die kleine Sache wächst, der Mensch sagt: ich habe es gemacht. Es sind, liebe Gemeinde, natürlich nur ein paar ganz banale Beispiele, natürlich ganz einfach dargestellt. Damit will ich uns zeigen und erinnern diese alte biblische Wahrheit, die im Laufe der Zeit sich nie geändert hat: Gott ist der Geber, wir sind die Nehmer, die nur kurz dankbar sind. Weil wir schnell vergessen, was wir von Gott bekommen haben, vergessen wir auch schnell dankbar zu sein. Wenn wir vergessen dankbar zu sein, dann vergessen wir auch den, dem wir alles verdanken. Wenn wir den Geber der Gaben vergessen, dann bleiben nur noch wir, es bleibt nur unser ICH. ICH HABE ES GEMACHT. Nicht nur das ESich habe alles gemacht. Nicht nur in der Entwicklung der genetischen Forschung oder Biomedizin, sondern auch im normalen, täglichen Leben, möchten wir die Stelle Gottes übernehmen. Wir brauchen Gott nicht mehr in vielen Bereichen des Lebens und merken nicht, dass uns an Gott fehlt. Der Mensch ist heute auch oft dankbar, dass Gott aus dem öffentlichem Leben entfernt ist, weil der moderne Mensch möchte sich selbst verwirklichen und alles in seinem Leben entscheiden. Nur so kann er sich auch alles erlauben und alles irgendwie entschuldigen. Die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja zeigen uns eine andere Möglichkeit. Diese Worte, fast 3000 Jahre alt, sind frisch. Jede Formulierung in dem heutigem Predigttext kann man auch heute verwirklichen. Warum, wie ist das möglich? Es ist möglich, weil Gott treu ist. Weil Gott den Menschen liebt und weiß, es ist nicht gut wenn der Mensch allein ist. Deswegen schenkt er dem Menschen einen anderen Menschen. Der beste Mensch auf Erden heißt Jesus. Er ist nur für uns Mensch geworden, dass wir Gott näher sind, aber er wollte auch uns näher sein. Jesus hatte die Worte aus dem Buch Jesaja mit seinem Leben, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt bestätigt.  Diese Worte und das Leben Jesu sagen uns klar, dass wir immer das Leben ändern dürfen und können. Es ist niemals zu spät irgendetwas im Leben zu ändern, was wir nicht brauchen, was uns nicht freut, keine Ehre bringt  und noch schlimmer: was anderen schadet! Wir sind in der Lage immer etwas Neues in unserem Leben zu lernen um mit dem Wissen anderen zu helfen. Vor ein paar Tagen habe ich eine kurze Geschichte gelesen als ein emeritierter Lehrer italienisch gelernt hatte und jetzt Touristen  aus Italien durch sein Stadt führt und kann bis heute nicht fassen wie viel Freude diese Arbeit schenken kann. Für andere Menschen da sein! Das ist die Christenheit im wahrsten Sinne des Wortes. Natürlich gibt es Unterschiede und darüber redet man auch von Anfang der Christenheit an. Auch Jesu Worte und Taten wurden so oder so schon damals interpretiert. Das Neue Testament spricht darüber klar und offen.  Jesus wusste es und wie war seine Reaktion, was sagte er seinen Jüngern wenn sie mit der Kritik oft gelähmt waren: Geht, folget mir nach! Die Väter der Kirche haben lange im vierten Jahrhundert diskutiert bis das Glaubensbekenntnis aus Nicea formuliert wurde. Es ist alles wichtig. Aber wichtiger ist die Werke Jesu in unsrem kurzen Leben zu verwirklichen, weil andere Menschen auf diese Werke warten und sie nötig haben. In manchen Fällen sogar sehr nötig. Und Jesus sagte eines Tages: ein Glass mit frischem Wasser wird im Himmel nicht vergessen!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober