7. Sonntag nach Trinitatis

4.08.2019

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 279 Jauchzt alle Lande, Gott zu Ehren
Predigtlied EG 418 Brich dem Hungrigen dein Brot
Nach Predigt Orgelmusik
Lied EG 217 Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte
Schlusslied EG 320:7,8 Wir bitten deine Güte

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


Johannes 6, 30-35

Liebe Gemeinde, 

das Evangelium nach Johannes beinhaltet vier große Bilder, mit denen Jesus uns klar sagt wer er ist: Das Wasser, Weinstock und Wein, das Brot und der Hirte.

Alle vier Bilder sind wichtig, schön, sprechen eine klare Sprache. Jede und jeder von uns würde ohne große Vorbereitung in der Lage sein über der Bedeutung diese vier Sachen zu reden oder zu erzählen. Ich denke auch, dass ein normaler Kirchgänger  in der Lage wäre diese vier Bilder mit manchen Geschichten oder Erzählungen der Bibel zu verbinden und daraus selbst manche Gedanken zu formulieren.

Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele, die wir sicher aus unserer Kindheit kennen, als wir die Sonntagsschule besuchten. Diese haben uns damals sehr beeindruckt und begleiten uns bis heute: Mose kriegt das Wasser aus dem Fels und gibt es dem Volk in der Wüste; die Hochzeit zu Kana; die Speisung von 5000 Männern; die vierte Bitte im Vaterunser – das tägliche Brot gib uns heute; ein Bild in vielen Häusern – Jesus der Hirte, mit einem Stab in der Hand und einem Lamm in dem anderen Arm. Diese letztes Bild, oder der betende Jesus in dem Garten Gethsemane sind heute kaum in den Wohnungen zu sehen. Irgendwo ganz weit draußen auf dem Land vielleicht, aber in einer Stadt, kaum.

Diese vier Bilder sind natürlich auch Symbole die einen tiefen und vielseitigen Inhalt in sich tragen: Wasser ist ein Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit, der Reinheit. Der Weinstock und der Wein symbolisieren dazu noch Verbundenheit, Verwandlung(die Reben wurden gepresst und der Saft wird vergoren und zu Wein verwandelt. Der Wein symbolisiert Freude, Früchte der Arbeit, Nachhaltigkeit. Für mich die Arbeit in einem Weinberg – sicher nicht leicht – war immer eine edle Arbeit

Das große Thema Brot werden wird heute versuchen zu bewegen und da haben wir noch das Bild mit dem Hirten, das symbolisiert die Treue Gottes, Fürsorge, Liebe, Hingabe bis zum Tod. Der gute Hirte geht und sucht was verloren ist.

Sicher, wie schon gesagt, jeder würde hier in der Lage sein nicht nur eine tiefe Geschichte oder Erinnerung zu erzählen, die mit dem Wasser, dem Weinstock und dem Wein, dem Brot und dem Hirten verbunden sind. Wenn wir das tun würden, so werden wir genau das tun, was Johannes in seinem Evangelium tut: er erzählt was er erlebt und gehört hat.

Meine Generation ist nach dem Krieg geboren. Also haben wie nicht den Krieg erlebet, aber haben über den Krieg von unseren Eltern gehört. Unseren Kindern kann ich über den Krieg nichts aus meiner Erfahrung erzählen, nur das wiederholen, was die Eltern mir gesagt haben, deswegen ist mein Zeugnis viel schwächer und macht keinen großen Eindruck.

In der Kirche geht es in erster Linie um das Erzählen, das Predigen. Dass die Erzählung nicht an der Kraft oder Bedeutung verliert, dafür haben wir die Bibel, das immer gleiche, heilige Wort Gottes das wir in die Welt tragen sollen. Die Welt, wir auch, die Zeiten ändern sich, das Wort bleibt beständig.

Deswegen ist dieses Erzählen immer wieder wichtig und gesegnet, dass wir die Sachen klar sehen, weil auch in der Zeit von Jesus die Menschen manches falsch gesehen und verstanden haben.

Darüber erzählt uns heute Johannes. Da kommen die Juden zu Jesus und fordern ein Zeichen seiner Kraft, ein Wunder. Sie versuchen ihn. Mose gab uns Brot aus dem Himmel in der Wüste.

Was kannst du, Jesus, uns geben?

Das Problem damals und heute ist, dass sie die Gabe aus dem Himmel nur als Nahrung zum Erhalt des Lebens gesehen und verstanden haben, als nichts mehr. Bekommen, gegessen, Teller weg.

Kurz nach der Auswanderung aus Ägypten jammerten die Israeliten: dort konnten wir Fleisch essen, und hier hungern wir.

Essen, das aus dem Himmel fiel, prägte  Generationen nicht nur von Juden, sondern aller, die diese Geschichte  gelesen haben, weil sie die menschliche Sehnsucht nach dem Paradies auf Erden, eine Erfüllung der Träume und eine Sicherheit für das Leben darstellt. Wie schön wäre das Leben, wenn wir uns um das Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung nicht sorgen müssten. Nicht sorgen müssen um das alles was Martin Luther als tägliches Brot uns erklärt hatte!

Auch wir heute, nicht nur die Israeliten damals, sind so mit der Sorge um das tägliche Brot beschäftigt, dass wir genau wie sie nicht mehr sehen, wer hinter diesen Gaben steht.

Die Nahrung in der Wüste ist wirklich aus dem Himmel gefallen, aber in dem Himmel ist Gott, der Geber, der Spender.

Interessant in der Begegnung Jesus mit den Fragenden ist die Tatsache, dass sie als das größte Werk Mose diese Speisung in der Wüsste genannt haben. Mose aber hatte damals dem Volk etwas viel Wichtigeres geschenkt. Es war die Tora, das Wort Gottes, das Gebot. 

Nicht die Nahrung hat das Volk Israel gemacht, sondern die Tora. Ohne Tora sind die Juden kein Volk mehr. Und sie stehen in dieser Geschichte Auge in Auge mit dem lebendigem Wort Gottes, mit Jesus, und erkennen das nicht. Sie möchten von Jesus etwas bekommen, was sie längst schon haben – das Brot des Lebens. Sie hatten Jesus in ihrer Reichweite, sind aber damit nicht zufrieden. Sie haben Jesus mitten unter sich und sind hungrig und durstig. Sie reden mit dem König der Könige, mit dem Sohn Gottes und sagen: wir möchten noch diesen Stern da oben.

Ich denke, Jesus war damals sicher enttäuscht. Deswegen hatte er ihnen eigentlich  so geantwortet wie Mose dem Volk in der Wüste es sagte: hier ist das Wort Gottes. Das ist die wahre Nahrung. Die Tora. Nach der Wüstenwanderung werden die Wachteln nicht mehr kommen. Nach der Zerstörung des Tempels werden keine Tiere  mehr geopfert.

Was bleibt. Jesus gibt die Antwort: Ich bin es. Ich bleibe bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Ich bin das Wort des Lebens. Zuerst müsst ihr mich haben, erst dann bekommen alle Dinge in Eurem Leben einen richtigen Platz. Ohne Jesus, den wir im Abendmahl schmecken und trinken, werden wir immer hungrig sein und werden immer denken, dass uns noch das und jenes fehlt. 

Wenn wir mit Jesus und in Jesus nicht reich sind, dann werden wir immer arm bleiben.

In Bethanien sagte Jesus zu Marta: es ist nicht falsch was du machst, aber Maria hatte die richtige Ordnung erkannt: zuerst mich hören, dann dienen. 

Liebe Gemeinde, wir sind nur in der Lage anderen zu helfen und sie mit verschiedenen Gaben zu beschenken nur dann, wenn wir selber voll und reich sind. Wir können nicht reich von uns selbst sein. Es kann uns nur der reich machen, der das Brot des Lebens ist. An ihn glauben ist der Anfang von allen guten Sachen und Entwicklungen. 

Es geht wieder um die Freude. Für St. Paulus eine Freude war Gottes Willen zu kennen und so diesen Willen leben zu können. 

Das wünsche ich uns allen,

Amen!