4. Sonntag der Fastenzeit – Laetare

14.03.2021

Breslau, St. Christophori-Kirche
10:00 – Abendmahlsgottesdienst (auf Deutsch)
18:00 – Wortgottesdienst (auf Polnisch)

1–535 – Evangelisches Gesangbuch
550–627 – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium Zyklus B

Eingangslied   396 Jesu, meine Freude
Predigtlied   98 Korn, das in die Erde
Nach Predigt   Orgelmeditation
Lied   584 Herr, du hast für alle Sünder
Schlusslied   601 Heilger Herre Gott

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Artur Piwkowski, Sub-Organist


2. Korinther 1,3-7

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Gemeinde!

Die Redewendung, oder der Beginn eines Briefes sagen uns schon sehr viel. „Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und Timotheus, unser Bruder, an die Gemeinde Gottes in Korinth samt allen Heiligen in ganz Achaja”.

Paulus wollte die Christen besuchen, die man ohne weiteres Heilige nannte, die wohnten in einem Gebiet, das Mazedonien hiess, heute ist es Griechenland. Damals war schon dieses Land im Zentrum von wichtigen Ereignissen. Im Jahre 57 nach der Geburt Jesu Christi die Christenheit wächst und gedeiht, natürlich nicht ohne Probleme.

Paulus wollte die Gemeinden dort besuchen, aber irgendein schweres Erlebnis verhinderte diese Reise. Einen Hinweis dazu gibt uns der Satz: „wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden”

Was hätte es sein können? Ich denke es ist nicht schwer zu entdecken. Es waren Verfolgungen des neuen Glaubens. Für die Griechen war 

der Christliche Glaube genauso inakzeptable wie für die Juden. 

Für sie war der Glaube neu, absolut neu und bricht alles, 

was man vorher geglaubt hat. 

Eine Idee z.B. war für die Griechen unsterblich, aber nicht 

der Mensch. Mit dem Tode, wie viele auch heute glauben, 

ist alles zu Ende, glaubten auch sie. Für Juden, dieser Christus, 

Sohn von Josef und Maria aus Nazareth, war er sicher kein Messias.

Von Anfang an war der Glaube an Christus in Frage gestellt 

und in vielen Orten brutal verfolgt. Griechen, Juden und Römer trugen stark dazu bei. Paulus aber, andere Apostel  mit ihm gingen, reisten, marschierten mit dem Evangelium weiter und predigten Christus  Es war damals lebensgefährlich. 

Heute ist das Predigen des Evangeliums immer noch lebensgefährlich, nicht nur in der weiten, fremden Welt.

Der verfolgte Paulus, der einmal sagte: „wir tragen die Wunden Jesu auf unsrem Leibe”, getrennt von Menschen die er liebte, die durch seine Arbeit zum Glauben gekommen waren – schreibt jetzt einen Brief an Christen, die er sehr sehr gerne besuchen wollte. 

Wären wir in seiner Situation, wie würden wir den Brief anfangen wollen? 

Wie beginnt es Paulus? Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes!

Nur einmal erwähnt er, dass er auch leidet, aber er leidet dieselben Leiden wie seine Gemeinde, die Gemeinde der Heiligen.

Ich finde in diesen Worten von Paulus ein sehr aktuelles Beispiel, 

wie man mit Leiden umgehen soll. Natürlich Psychotherapeuten, Soziologen, Psychologen werden uns auch viele gute Ratschläge geben können. Aber wie macht es Paulus?

Er erwähnt es nur mit einem kurzen Satz, der in seiner Rede nicht dominiert. Es ist eine Randinformation. Er leidet irgendwas, 

aber macht es nicht zum Thema des Briefes. Nein, er verwendet seine damalige Lage als Anlass den Brüdern und Schwestern zu sagen: 

ich leide, aber preise und lobe Gott weiter, weil Gott dann trösten wird. In keinem Leiden verlässt uns Gott.

Die Reaktion Paulus auf das Leiden erinnert an  eine alte Sage, 

die vielleicht aus meiner Heimat stammt. Letztendlich wurden dort viele weise Menschen geboren. Also es gab einen alten Mann, der weinte als die Sonne schien, und freuet sich wenn es regnete. „Warum machst du das so?”, fragte einer. „Wenn die Sonne scheint, dann weine ich, weil ich weiss, eines Tages wird es regnen. Wenn es aber regnet, dann freue ich mich schon, weil ich weiss, die Sonne kommt bald”.

Das Leiden ist für Paulus als Vorfreude auf die Tröstung, die sicher kommen wird. Wir sind kein Spielzeug in Gottes Hand. Manchmal betrachten wir andere Menschen als Spielzeug. Gott nie. Für Paulus war es auch wichtig leiden zu dürfen für die Sache Jesu Christi. 

Je mehr er leiden musste, desto tapferer war er, weil die Verfolgungen waren für ihn ein klarer Beweis, dass der Teufel mit seiner Mission absolut nicht zufrieden war…..und nicht zufrieden ist. 

Paulus wurde sicher, nach seiner Bekehrung, mal erzählt, wie Jesus gelitten hatte. Als er mehr und mehr in seine neue Rolle als Missionar hineinwuchs, sicher fragte er die, die Jesus noch kannten, 

wie es in der Karwoche war  Wie musste ihn das prägen als er hörte: Er trug sein Kreuz schweigend! Er lobte seinen Vater. Hatte einer doch den Himmel eröffnet.

Wenn wir leiden müssen, möchten wir sehr oft dafür alle und alles beschuldigen. Manchmal auch uns selbst. Paulus zeigt uns, 

dass das Leiden ein anderes Ziel hat: Gott loben und preisen 

für seinen Bewahrung, dass wir gar nicht verloren sind.

Geduld im Leiden bringt Hoffnung und die Hoffnung macht den Glauben stärker. Und der starke Glaube erbaut die Gemeinde. Wem haben wir den Himmel eröffnet? Es ist immer eine gute Zeit dazu!

Amen!