2. Sonntag nach Ostern – Misericordias Domini

5.05.2019

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 115 Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Predigtlied EG 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt
Nach Predigt EG 358 Es kennt der Herr die Seinen
Lied (Beichte) EG 236  Ohren gabst du mir
Schlusslied EG 107 Wir danken dir, Herr Jesu Christ

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


Johannes 10, 11-16

Liebe Gemeinde!

Liebe Schwestern und Brüder!

Manchmal kann man sie noch sehen: Hirten mit ihren Schafen. Was romantisch aussieht, ist harte Arbeit. In der Bibel ist der Hirte eines der bekanntesten Bilder für Gott. Ein zweites Bild für Gott ist ein Weingärtner. Diese zwei: ein Hirte und ein Winzer! Was unterscheidet sie. Der Hirte hat mit Tieren zu tun, also mit lebendigen Wesen, wobei es der Winzer nur mit Pflanzen zu tun hat. Die Pflanzen sind auch lebendig und man kann auch mit ihnen oder zu ihnen sprechen, aber doch gelingt es nicht so eine Beziehung zu haben wie mit den Tieren. Mit den Tieren kann man wandern, spazieren gehen, sie trainieren oder etwas Gutes, Brauchbares lehren. Mit einem Baum spazieren gehen wäre komisch.

Ich möchte nicht sagen, dass die Pflanzen ohne Bedeutung sind. Sie sind auch ein Teil der Schöpfung und bilden mit Tieren und uns eine ganz wichtige Kombination.

Bei uns im Garten haben wir dieses Jahr ein Pärchen von Wacholderdrosseln. Ein sehr schöner Vogel. Die beiden sammeln bei uns auf dem englischen Rasen kleine Würmer für die Kleinen die schon da sind oder noch kommen. Ich wollte den Rasen mit Chemie spritzen, um das Unkraut zu bekämpfen aber dann habe ich die Vögel gesehen und „nein”gesagt. Ich werde es diesmal nicht tun. Die singen auch schön mit anderen Vögeln, die im Garten der Gemeinde oder rundum ihre Gäste haben.

Wir kennen ihre Stimmen. Sie machen uns immer wach, genau pünktlich wie die Sonne sich am Himmel bewegt – also im Frühjahr immer früher. Manchmal, muss man ehrlich sagen – weil die Tiere auch ihre Laune haben – ist das Singen von den Vögeln in dem Garten zu viel und wir machen das Fenster um 5.00 Uhr einfach zu.

Um die Stimme geht es in dem Text.

Der Hirte sorgt dafür, dass die Herde frisches Wasser und Gras findet und sicher weiden kann –und die Schafe wissen, wo sie hingehören und wo sie sicher sind, weil sie die Stimme des Hirten kennen.

Gewiss hat das Bild auch seine Grenzen. Ich –ein Schaf? Ich bin im April geboren und ich bin ein Stier. Es gab eine Werbung im deutschen Fernsehen: Prefa Dach – stark wie ein Stier!  Aber ein Schaf. Aber wie gesagt: es geht um die Stimme, nicht um die Stärke.

Am Karfreitag war Jesus schwach, verlassen, gefoltert. Der Mensch Jesus war am Ende aber auch dieser verrachtete Jesus hatte die Stimme des Vaters nicht vergessen. Er ist mit seinem Vater im Dialog geblieben. Augenkontakt ist wichtig aber noch wichtiger ist das Gespräch.

Auch deswegen war Jesus  am Karfreitag  sicher, dass er einen guten, den einzigen Weg des Vaters geht. Nie spüren wir in der Leidensgeschichte,  dass Jesus in Panik geraten war. Er geht den Weg des Heils für uns weil er mit dem Vater spricht.

Abraham geht den Weg Gottes und deswegen muss er seinen lieben Sohn Isaac doch nicht opfern.

Liebe Gemeinde! Liebe Schwestern und Brüder.

Um den Dialog geht es in der Christenheit, in der Kirche, in dem Volk, in den Familien und unserer Gemeinde.

Wo wir eine bekannte Stimme hören, auch in der Dunkelheit, fühlen wir uns sofort besser.

Wenn Sie in diesen Tagen zu einem Frühlingsspaziergang aufbrechen, kommt Ihnen vielleicht der Hirtensonntag in den Sinn, vielleicht paar Sätze aus der Predigt heute oder aus einer Predigt die Sie vor Jahren gehört haben.

So kommt jetzt die Frage, wie immer in einer evangelischen Predigt: wo haben Sie sich gut versorgt gefühlt? Wo hat jemand auf Sie geachtet? Wo wären Sie vielleicht auch gerne aus der Herde ausgebrochen?

Ein Bild eines Hirten spricht für die ganze Bibel und die ganze Geschichte der Rettung der Welt. Gott war immer der, der für uns sorgte. Nicht so wie wir für die Vögel in dem Pfarrgarten sorgen, die heute da sind, aber im Herbst doch wegfliegen  wollen. Wir haben im Garten in dem Efeu, der rund um des Pfarrhaus wächst, auch ein Nest mit Rotkehlchen da. Diese kleinen Vögelchen verbringenden Winter in Spanien. So weit müssen sie fliegen, um zu überleben.

Die Tiere, wie der Prophet es einmal geschrieben hat, kennen die Zeiten in denen sie wegfliegen oder zurückkehren sollen. Sie hören die innere Stimme der Natur und können nicht anders.

Gott hatte auch uns eine innere Stimme geschenkt, die in uns wohnt. Sie sagt uns sehr oft was zu tun wäre. Sehr oft ignorieren wir diese Stimme und so beginnen unsere Probleme.

Eine gute Beziehung egal mit wem, kann nur durch einen Dialog entstehen und bestehen. Das Allerwichtigste aber ist diesen Dialog  mit dem lebendigen Gott in Christus zu haben, der uns nicht nur beobachtet, sonder mit uns geht, wie ein guter Hirte hinter seiner Herde geht.

Nehmen Sie bitte das Wort des Evangelium heute wirklich wahr: Gott ist ein gute Hirte!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober