14. Sonntag nach Trinitatis

22.09.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Lutherische Heilige Messe

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Introitus EG 333 Danket dem Herrn!
Graduale EG 330:1,6 O dass ich tausend Zungen hätte 
Predigt EG 365 Von Gott will ich nicht lassen

Nach Predigt Orgelmusik
Preparatio EG 224 Du hast zu deinem Abenmahl
Schlusslied EG 181.6 Laudate omnes gentes

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


1. Mose 10-19a

Liebe Gemeinde!
Liebe Brüder und Schwestern!

So haben wir eine Geschichte aus dem Alten Testament gehört die uns etwas nerven kann. Noch mehr wenn wir uns an die Vorgeschichte erinnern. Isaak und Rebekka wurden zwei Söhne geboren: Esau und Jakob. Diese Reihenfolge ist wichtig. Es waren Zwillingsbrüder, aber Esau war ein paar Minuten älter. Er sollte nach dem Tod von Isaak das Oberhaupt der Familie sein und ihre Geschichte weiterschreiben.

Die Tatsache erstgeboren zu werden spielte damals eine sehr wichtige Rolle, weil nur der älteste Sohn den Segen für das weitere Leben bekam, der jüngere nicht. Mit dem Segen erbte ein Sohn alles, das ganze materielle und das geistlich-geistige Erbe des Vaters. Der andere Sohn oder Söhne mussten grundsätzlich das Haus verlassen und ohne den Segen, ohne Verbindung mit der Familie, fast wie Fremdlinge leben. Ihre Schafe durften nicht mehr auf den Auen des Vaters weiden.

Deswegen ist das Wort aus dem Psalm 23 so schön, wichtig und vielbedeutend :
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird es nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser!

Diesem Esau wurde der Erstgeburtssegen mit einer List gestohlen. Egal wie, aber mit der Hilfe der Mutter Rebekka ist es Jakob gelungen. Die ganze Wahrheit kam eines Tages ans Licht als Esau seinen Vater besucht und er möchte den Segen bekommen, aber Isaac sagt nein, es ist schon geschehen. Dann kommt die bittere Frage von Esau: „Hast du mir denn keinen Segen vorbehalten?”

In diesem Moment beginnt unsere heutige Geschichte. Jakob muss fliehen vor seinem Bruder. Er möchte ihn töten weil er sich nur so den Segen zurückholen kann. Und was passiert während der Flucht? Genau das, was wir in der Geschichte von Kain und Abel lesen.

Gott legt seine Hand auf Jakob, wie auf Kain. Er erhebt seine Hand nicht um sie zu bestrafen, sondern zu schützen.
Der Verräter, ein Dieb, ein Frevler wie Jakob träumt in der Wüste einen wunderbaren Traum, der ihn wirklich stärkt und ausrüstet für den weiteren Weg und dazu hört er Worte, die jeder direkt von Gott hören will:
„Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe!.

Gott verpflichtet sich Jakob zur Seite zu stehen und ihn zu segnen. Jakob hat den Segen des Vaters und den Segen Gottes.

Wie soll ich es Ihnen jetzt auslegen. Ich kann es nicht! ich bin nicht in der Lage die Gedanken Gottes auszulegen, das was er vor dem Beginn der Zeit bestimmt hat.

Wenn ich am Anfang der Predigt gesagt habe, dass wir mit der Geschichte ein Problem haben ist es wahr, weil wir uns normalerweise nicht auf die Größe und Liebe Gottes konzentrieren und nicht ihn dafür loben und preisen, sondern wir vergleichen uns mit Kain oder Jakob.

Wir sind keine Mörder wie Kain und sicher auch keine Diebe im Sinne von Jakob. Wenn also Gott diese beiden so segnete – die Nachkommen von Jakob bis heute – wie viel mehr sollte Gott uns segnen. Aber langsam: Segnen soll Gott uns, aber Jakob und Kain soll er bestrafen. Warum hatte Gott sie nicht bestraft?

Das Problem ist, dass wir uns für gut und andere für schlecht halten. Die weniger radikale Version unseres Denkens geht davon aus, dass wir nicht so schlecht sind wie andere. Ja, wir haben etwas zu beanstanden, aber normalerweise sehr wenig. Solch eine Überzeugung kommt von einer falschen Denkweise, dass unsere Herausforderung oder Religion besser ist als die von anderen Menschen, zum Beispiel: Die protestantischen Länder sind reicher als die katholischen.

Wir haben verschiedene Arten des Glaubens. Unser Glaube, unser Bekenntnis verkünden auch den Erfolg, dass wir unsere Arbeit in dieser Welt ständig verbessern und buchstäblich erfüllen, das bedeutet, dass wir es noch besser machen werden. In der Tat stellt sich heraus, dass die meisten Maßnahmen in unseren Kirchen im Grunde genommen das Gefühl abdecken sollen, das uns die ganze Zeit begleitet, dass wir nicht die Fülle des Glaubens erreichen können, dass wir nicht in der Lage sind, die von unseren Vätern begonnene Arbeit zu vollenden.

Indem wir moralisieren, verschiedene Aktivitäten unternehmen, fromme Verdienste oder unwiderlegbare Wahrheiten sammeln, schließen wir die Tür, die der lebendige Christus geöffnet hat.

Gott im Alten Testament eröffnet die neue Tür für Kain und Jakob und das freut uns nicht. Gott soll die neue Tür für uns öffnen und für Menschen wie die beiden fest verriegeln! Es ist so, weil wir uns selber hochschätzen.

Wir erliegen dieser ständigen Versuchung zu wissen, wer wichtig ist und wer nicht, wer in Ordnung ist und wer nicht und welche Position wir zueinander einnehmen – in der Kirche eine sehr wichtige Sache.

Wir vergessen den Verweis, den Jesus dem neugierigen Petrus gab, der fragte: „Herr, was wird mit ihm geschehen?“ „Was hast du damit zu tun? Du folgst mir!”

Amen!

Pfr. Andrzej Fober