Erika Hoffmann (1919–2020)

Liebe Freunde der St. Christophori-Gemeinde! Mit Verspätung – Coronavirus bedingt – hat uns die Nachricht vom Tod von Schwester Erika Hoffmann erreicht.

Seit einigen Jahren war das Haus Salem im Kurhessischem Diakonissenhaus in Kassel ihr Zuhause. Bis zuletzt erfuhr sie dort Zuwendung und Pflege von ihren Mitschwestern und Seelsorgerinnen. Im Oktober 2019 feierte sie ihren 100. Geburtstag. Das letzte Kapitel im Buch ihres irdischen Lebens endete vor dem Sonntag Judika, der unter folgender Tageslosung stand:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis( 2. Kor 1,3-4).

In den letzten Jahren besuchte Schwester Erika dreimal Schlesien besucht. Im Jahre 2013 durfte sie in Breslau das Säuglings und Kleinkinderkrankenhaus besuchen, wo sie von 1938 bis 1941 arbeitete. Das Bild zeigt sie im Jahre 1938 auf dem Balkon des Krankenhauses in ihrer Dienstkleidung.

Schwester Erika wurde am 3. November 1919 in Schwiedt/Westpreußen geboren. Nach dem ersten Weltkrieg musste die Familie die Heimat verlassen, die nun polnisch geworden war. Eine neue Heimat wurde in Ullersdorf in Schlesien gefunden, dann Althammer bei Brieg. Nach dem Abitur in Oppeln schloss sich die junge Erika der Haushaltschule der Frankensteiner Diakonissen an.

Schon zu diesem Zeitpunkt wollte die junge Frau Diakonisse werden, aber die Eltern bestanden darauf, dass sie zuerst eine „richtige“ Ausbildung machte. So ging der Weg nach Breslau zu dem Kleinkinderkrankenhaus. Im 2. Weltkrieg arbeitete sie in diesem Krankenhaus mit Müttern und Kindern. Sie versah ihren Dienst in einer freien Schwesternschaft, fuhr mit dem Fahrrad übers Land und suchte die Menschen auch in den fern gelegenen Höfen auf.

Gegen Ende des Krieges ist sie gen Westen geflohen und traf ihre Familie in Tann/Rhön wieder. Mit der Zustimmung der Eltern und nach der Begegnung mit Schwester Elisabeth Delp wurde der Wunsch, Diakonisse zu werden, endlich möglich. Am 10. Dezember 1946 trat sie in das Kassler Diakonissenhaus ein.

Der Tag war der Beginn für einen neuen Auftakt in ihrem Leben, der unter der Losung aus Off. 21,5 stand: Siehe, ich mache alles neu. Sie sagte selbst: „Nach langem Warten hatte mir Gott den Weg frei gemacht”. Sie absolvierte 1949 das Krankenpflegeexamen und arbeitete dann auf der Privatstation im Diakonissenenkrankenhaus.

1954 wurde sie zusammen mit 22 weiteren Frauen eingesegnet. Ihr Einsegnungsspruch lautete: Der Herr ist deine Zuversicht; der Höchste ist die Zuflucht (Ps 91,9).

Nach dem Besuch 2013 in Breslau und in unserer Gemeinde standen wir mit ihr in einem Briefkontakt. Sie freute sich immer im Boten unserer Gemeinde etwas Neues von uns und Breslau zu hören. Anlässlich ihres Besuches in Breslau im Jahr 2013 besuchte sie viele Wirkstätten ihres Lebens. Dankbar berichtete sie im Christophoriboten darüber. Diakonissen besitzen keine Reichtümer, umso berührender war ein Satz in ihrem Bericht: So lobe und preise ich den Herrn Jesus Christus für seine große Gnade und Güte in meinem Reichen Leben.
Aus Ihrer Diakonissenrente spendete Schwester Erika jeden Monat beharrlich eine Summe an unsere Gemeinde, für die ich ihr immer, am Ende des Jahres im Namen der Gemeinde, mit einer Bestätigung dankte.

Seit einiger Zeit meldete sich Schwester Erika nicht mehr, aber der Bote und die Briefe aus Breslau wurden ihr sicher von anderen Mitschwestern oder Seelsorgerinnen vorgelesen, bis es nicht mehr ging.

Am 15.06.2020 haben wir erfahren, dass Schwester Erika im Februar 2013, in ihrem Testament unsere Gemeinde erwähnt hat. In diesem Dokument ist handschriftlich vermerkt: „Der Herr Jesus Christus segne die Arbeit, die in den Gemeinden getan wird”.

Wir sagen: Amen! Bis wir uns wiedersehen.

Andrzej Fober,
Pfarrer

Teilweise Auszüge aus dem Nachruf des Hauses in Kassel von Martina Tierre, Pfarrerin