2. Sonntag nach Ostern – Misericordias Domini

Wochenspruch
„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ ( Joh 10,11a.27–28a)

Wochenlied
EG 274 – Der Herr ist mein getreuer Hirt

AT-Lesung – Hes 34,1–16.31
1 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3 Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. 4 Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. 5 Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. 6 Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut, und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder sie sucht.
7 Darum hört, ihr Hirten, des HERRN Wort! 8 So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind und meine Herde zum Fraß für alle wilden Tiere, weil sie keinen Hirten hatten und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragten, sondern die Hirten sich selbst weideten, aber meine Schafe nicht weideten, 9 darum, ihr Hirten, hört des HERRN Wort! 10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.
11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Epistel – Predikttext

Evangelium – Joh 10,11–16
11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Predigt –  1. Petr 2,21b–25
(21b) Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Psalm 33 Vers 5, dieses Wort gibt dem Sonntag heute seinen Namen: „Er liebt Gerechtigkeit und Recht, die Erde ist voll der Güte des Herrn”.

Die Erde ist voll der Güte des Herrn!

Vielleicht eine Frage gleich am Anfang der Predigt: Wie verwirklicht sich die Güte
des Herrn auf Erden? Eine gute Frage für die jetzige Lage in der wir alle leben. Skeptiker haben genug Stoff zu sagen: wir sehen nichts davon. Es genügt in einer Zeitung zu blättern und die Überschriften zu lesen.

Kurz gesagt, es gibt vor allem ein paar Themen, die ständig gedreht sind: Koronavirus, Ölpreise, Wirtschaftskrise nach der Pandemie und die Präsidentenwahlen in Polen.

In dieser Welt, wo um fast alles hart gekämpft oder gearbeitet werden muss, wo es oft gnadenlos her und zu geht, in dieser Welt, in der wir auch mal sterben werden, in dieser Welt ereignet sich eigentlich unser Leben.
Was werden wir der Nachwelt hinterlassen?

In diese Welt ist Jesus gekommen mit dem Wort des Vaters. Wie ein Exote. Er hatte Anhänger seiner Mission gefunden und die predigen sein Evangelium bis heute.

Je länger wir leben und die Welt um uns beobachten, desto mehr merken wir: Er ist nicht aus dieser Welt, seine Worte sind nicht aus dieser Welt, sein Frieden ist nicht aus dieser Welt. Diese Welt kann uns nicht das schenken, was Gott in diesem Jesus uns geben möchte!

Was aber sehr wichtig ist, was wir manchmal übersehen: Er ist nur für diese Welt, seine Worte sind nur für diese Welt, sein Frieden ist nur für diese Welt. Alles, was Jesus bringt und uns schenken möchte, ist nur für diese Welt und nur für Menschen dieser Erde. Das hat, das muss auch Konsequenzen haben!

In dieser Welt interessiert Gott nur eine Sache: der Mensch, also Du, und ich. Die Rasse, Abstammung, Ausbildung, Gehalt, Farbe der Augen, die Muttersprache,
haben für diesen Gott keine, absolut keine Bedeutung.

Du und ich sind für Gott teuer. Wir sind teuer, nicht weil wir viel Geld gespart oder viel Vermögen geerbt haben. Wir sind reich, weil er uns reich gemacht hat. Wir dürfen uns Gotteskinder nennen und sind die Geschwister von diesem Jesus.

Er, dieser Jesus, möchte von uns nur eine Sache:
dass wir in seinen Fußstapfen nachfolgen.

Als Kind, das haben wir alle erlebt, habe ich gerne Westernfilme geguckt. Was mich dort immer faszinierte und eigentlich bis heute fasziniert, war die Tatsache, dass ein Sheriff, der einen Verbrecher festnehmen sollte, mit ganz einfachen Methoden, mit Augen, Ohren, Händen und natürlich mit seiner Nase, diesen Verbrecher, auch wenn er manchmal 2 Wochen vorher in die Wüste entflohen war, doch noch erwischen konnte .

Manchmal dauerte die Suche monatelang, manchmal auch Jahre, aber der Verbrecher konnte niemals sicher sein ob ihm der Sheriff nicht am nächsten Morgen sagen wird: einen schönen Guten Morgen, Jessie James!

Warum war das möglich? Er, der Sheriff, ging in
seinen Fußstapfen, oder denen seines Pferds, nach.

Und dass ist das Evangelium für heute, liebe Gemeinde. Ganz einfach und klar. In den Fußstapfen nachgehen. Welche Rolle möchten wir in dieser Szene spielen.

Ich möchte die Rolle des Verbrechers nicht spielen, obwohl ich, wie jeder von uns, im Leben Dinge gemacht habe, die mir keine Ehre bringen und unseren Kindern werden wir es nie als Erbe mitteilen wollen.

Aber ein Sheriff möchte ich auch nicht sein. Aber so, wie jener Sheriff möchte ich in den Fußstapfen Jesu nachgehen. Das versuche ich immer wieder und verliere oft die Pfade, aber bevor ich es merke, setzt er mich wieder auf die richtige Bahn.

Dankend erinnere ich mich sehr oft an die Worte von Hanna, die wir an Ostern immer lesen: „Es ist niemand heilig wie der Herr. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche(…) und den Thron der Ehre erben lasse”.

Nur so, durch uns, kann die Erde voll der Güte des Herrn sein! Das ist die Antwort auf die Frage am Anfang der Predigt: Wie verwirklicht sich die Güte
des Herrn auf Erden? Auch unser Haus, unsere Familie, Gemeinde, Kirche, die ganze, arme Christenheit sind damit gemeint: Durch uns. Uns hatte Jesus beauftragt in die Welt zu gehen.

Ich kann Ihnen heute leider nicht sagen wann werden wir wieder die Gottesdienste in unseren Kirchen feiern können. Wenn das wieder möglich wird, manche Sicherheitsmaßnahmen werden einhalten müssen, aber wir werden uns sehen und hören können. Das brauchen wir sehr. Wir müssen aber noch warten!

Aber auch wenn wir fern voneinander bleiben müssen, haben wir immer die Möglichkeit aufeinander zu zu achten, aufeinander zuzugehen, sich gegenseitig zu unterstützen.

Wir möchten nicht jeder auf eigene Weise den Fußstapfen Jesu nachgehen. Nur für sich selbst die Gnade Gottes suchen, sondern gemeinsam. Die Kirche, als Gebäude, egal wo sie steht, wurde niemals durch einen Mann gebaut.

Es war immer eine Schar von Menschen, die das sehr wollten. Wie schön sind alle solche Geschichten, mehrere hundert Jahre alt, wie diese oder jene Kirche gebaut wurde.

Die Gnadenkirche von Teschen konnte auf eine Kanonenschussentfernung vom Rathaus gebaut werden, deswegen ist sie auf einer Höhe der Stadt gebaut und dominiert die Skyline seit 1710! Die Kirche und ihre Geschichte hat uns geprägt.

Zu der Predigt sende ich Ihnen ein Foto, das ich im Netz gefunden habe. Es zeigt diese Kirche und unsere Familie, die nach dem Gottesdienst nachhause geht. Wir, Kinder, gehen in den Fußstapfen der Eltern. Das ist das Erbe, das uns bis heute reich macht.

Ich grüße Sie alle, liebe Schwestern und Brüder und segne Sie von Herzen.

Amen!

Pfr. Andrzej Fober

Gebet
Du guter Hirte, Jesus Christus.

Sind wir wie irrende Schafe?
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen.
Du weißt ihn.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen,
die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Du guter Hirte,
suchst du uns?
Bringe uns auf den richtigen Weg.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen,
die keinen Ausweg sehen –
auf der Flucht,
in Lagern,
im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Du guter Hirte,
suchst du sie?
Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Nachbarn im Ramadan.
Unsere Geschwister in der Ferne.
Unsere Gemeinde, deine Kirche.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns.
Erbarme dich,
heute und alle Tage.
Amen.

Ankündigungen
Liebe Freunde und Mitglieder der St. Christophori-Gemeinde!

Wie in der Wochen zuvor muss ich Ihnen die Ankündigungen und die Predigt nur per Email oder Homepage zukommen lassen. Es bedeutet, dass unsere Kirchen weiter geschlossen bleiben müssen.

Am Montag, dem 27.4.2020, wird es eine digitale Pastorenkonferenz mit dem Bischof Waldemar Pytel geben. Sollten irgendwelche neuen Anordnungen oder Empfehlungen der Regierung für die Kirchen angesagt werden, werde ich es Ihnen bekannt machen. Im Moment empfiehlt das Konsistorium den Gottesdienst am Sonntag Misericordias Domini zu Hause zu feiern.

Ich denke wir sollten tapfer und geduldig bleiben. Eine der wichtigsten Attribute Gottes ist gerade die Geduld. „Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte“(Psalm 103,8) – hören wir oft in der Kirche.

Es gibt in den Medien einen Tsunami von Informationen, Analysen, Berichten und Theorien. Manche schließen sich gegenseitig aus. Man kann auch alles, auch die Anordnungen der Regierung oder der lokalen Behörden, ignorieren. Aber was erreichen wir damit? Wenn eine Unsicherheit herrscht und wir nicht genau wissen, welche Auswirkungen das Virus hat und damit verbunden ist, gerade dann ist es vernünftig und klug einfach zu Hause bleiben.

Alle unsere selbst gebastelten Meinungen werden uns nicht helfen, wenn durch unsere leichtsinnige Handlung jemand Infiziert wird.

Niemand von uns wünscht sich eine Infektion durch eine Teilnahme am Gottesdienst.
Der Zustand, in dem wir jetzt leben müssen, zieht sich dahin. Keiner weiß, wie lange das dauern wird. Jeder Mensch erlebt diese Zeit anders. Brauchen Sie ein Gespräch mit mir, mit Schwester Lidia oder mit meiner Frau, rufen Sie bitte einfach an. Eine gute Möglichkeit die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken ist einen Brief zu schreiben. Damit werden Sie sicher jemandem eine Freude machen. Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief an einen Freund oder ein Mitglied Ihrer Familie geschrieben?

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Lektüre der Predigt. Ergreifen Sie auch die verschiedenen Möglichkeiten einen Gottesdienst im Radio oder im TV zu erleben.

Bleiben Sie geduldig, tapfer, munter und benehmen Sie sich klug und vorsichtig. Es wird eines Tages ein Ende haben, aber nicht am kommenden Wochenende.

In der vergangenen Woche ist im Alter von 81 Jahren unsere Schwester im Glauben, Frau Vera Grochulska, gestorben. Sie war die Tochter der Stadt Breslau, ein treuer Mitglied unserer Gemeinde. Die Beerdigung findet am 27.04.2020, Friedhof Osobowice, um 13.00 Uhr nur am Grabe statt.
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“(Psalm 103,2).

Ich grüße Sie alle sehr herzlich
und segne Sie von Herzen,

Ihr
Pfr. Andrzej Fober
Propst