Osternacht und Ostersonntag

Liebe Freunde und Mitglieder der St. Christophori-Gemeinde!

Ich sende Ihnen die Predigt für den Ostersonntag mit einem herzlichen Gruß aus Franken. Die Autorin der Predigt ist Martina Metzele, Lektorin und Mitglied des Gemeinderates der Gemeinde in Aschaffenburg und Haibach. Sie, ihre Mutter Christa mit vielen anderen Mitgliedern der Gemeinde halten eine herzlichen Verbundenheit mit unserer Gemeinde – vor allem aber mit der Predigtstelle in Lauben – seit mehr als 30 Jahren.

Wir alles sehnen uns sehr nach einem „normalen“ Gottesdienst, in dem wir uns sehen und miteinander sprechen können. Wenn wir aber im Gottesdienst füreinander beten, dann ist das Gebet immer virtuell, weil wir im Gebet auch die Menschen Gott befehlen, die wir nicht sehen. So besteht eine virtuelle, aber reale Verbundenheit mit unseren Freunden in Aschaffenburg und in der ganzen Welt.

Wir hoffen sehr, dass die Pandemie diese Verbundenheit nicht zerstören kann. Vielmehr hoffen wir, dass diese Zeit, die wir jetzt erleben müssen, uns zeigen wird, wie wichtig diese virtuelle Gemeinschaft der Christen ist.

Jedes Mal, wenn wir ein Glaubensbekenntnis im Gottesdienst sprechen, dann bekennen wir eindeutig unseren Glauben, dass diese Gemeinschaft besteht, lebt und hofft: Ich glaube an die eine, heilige, christliche, apostolische Kirche. Diese Kirche besteht auch in unseren Häusern und Wohnungen wenn wir singen, beten oder eine Predigt lesen oder einen Radio- oder Fernsehgottesdienst erleben.

Es gibt zahlreiche Übertragungen vieler Gottesdienste auf Deutsch und Polnisch in allen bekannten Medien. Nutzen Sie auch diese Möglichkeit in der Gemeinschaft der Gläubigen zu bleiben.

Hier finden Sie den Link zu dem Gottesdienst der Osternacht aus der St. Christophori-Kirche. Es reicht wenn Sie diesen Link um 20.55 Uhr heute, Karsamstag, anklicken. Die ganze Liturgie ist in polnischer Sprache. Viele von Ihnen können auch sehr gut Polnisch und werden diesen auch gut erleben. Wir haben diesen besonderen Gottesdienst mit Absicht in polnischer Sprache vorbereitet, damit viele unserer Freunde, die nur Polnisch sprechen und verstehen, aber seit Jahren mit uns verbunden sind, auch mit unserer Gemeinde feiern dürfen.

Die Predigt von Frau Martina Metzele und den Gottesdienst (den Link) dürfen Sie bitte weiterleiten.

Frau Martina Metzele, Herrn Tomasz Kmita-Skarsgård und vielen anderen, die bei den Vorbereitungen geholfen haben, danke ich sehr herzlich im Namen von uns allen. Es zeigt ganz klar, dass der Virus uns in der Verkündigung nicht bremsen kann und unsere Gemeinschaft, die Kirche Jesu Christi nicht zerstören kann.

Nicht die Krankheit und der Tod werden das letzte Wort haben, sondern der auferstandene Jesus der sagt:
„Ich lebe, ihr werdet auch leben“.

In diesem Glauben grüße ich Sie alle sehr herzlich
und wünsche ein gesegnetes Osterfest

Ihr
Pfr. Andrzej Fober
Propst

Wochenspruch
„Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ | Offb 1,18

Wochenlied
EG 101 – Christ lag in Todesbanden

AT-Lesung – 1. Sam 2,1–8a
1 Und Hanna betete und sprach:
Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN,
mein Horn ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils.
2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner,
und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
3 Lasst euer großes Rühmen und Trotzen,
freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen.
4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen,
und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.
5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen,
und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin.
6 Der HERR tötet und macht lebendig,
führt ins Totenreich und wieder herauf.
7 Der HERR macht arm und macht reich;
er erniedrigt und erhöht.
8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub
und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse.

Epistel – 1. Kor 15,1–11
1 Ich erinnere euch aber, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s so festhaltet, wie ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr’s umsonst geglaubt hättet.
3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9 Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 10 Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. 11 Ob nun ich oder jene: So predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

Evangelium – Mk 16,1–8
1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Predigt
Liebe St. Christophori-Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder in der ganzen Welt!

Am 7. April lud mich Propst Fober ein, die Osterpredigt zu schreiben. Ostern? Predigt? Das ist ja alles so weit weg.Seit nahezu vier Wochen hatten wir keinen Gottesdienst mehr. Geschweige denn, dass ich einen Gottesdienst hätte halten dürfen. Ja, es gibt Hausgottesdienste und Fernsehgottesdienste, Podcast und YouTube, da gibt es einiges. Für mich ist das aber kein richtiger Gottesdienst, da etwas Entscheidendes fehlt – die Gemeinde. Wir als Protestanten haben zwar das „Priestertum aller Gläubigen“, das den Gottesdienst und den Pfarrer scheinbar abschafft. Allerdings schreibt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief, dass jedes einzelne Glied, wie an einem Körper, zum vollkommenen Ganzen gehört.

Also, Gottesdienste sind in Zeiten von „social distancing“ eben distanziert. Hier fehlt die Lebendigkeit einer Gemeinde, der Widerspruch, die Diskussion und nicht zuletzt das Lachen mit und über eine Gemeinde. Wir haben nun in unseren Fernsehgottesdiensten und Hausandachten viel über Jesu Leidenszeit gehört und auch, dass unsere Fastenzeit nun eine ganz andere ist als sonst. Dass Ostern ganz anders werden würde, konnten wir erahnen, aber irgendwie war da ja immer noch ein Fünkchen Hoffnung, dass die Corona-Krise vielleicht doch rechtzeitig beendet sein würde.

Leider ist es nicht so und wir feiern ein trauriges Ostern. Eingesperrt, mit Lebensmitteln, die wir vor der Krise anschafften. Also kein Festbraten und 5-Gänge-Menü. Ohne die bunten Blumen und die bunten Eier. Besuche, insbesondere Verwandtenbesuche, erst recht mit Kindern, fallen aus. Kein Kinderlachen beim Ostereiersuchen. Wenn ein Osterspaziergang, dann alleine oder nur mit einer Person, die im Haushalt lebt. Das alles ist sehr bedrückend und hat mit dem großen Jubel eines Osterfestes nichts zu tun. Die Corona-Krise hält auch an Ostern die ganze Welt fest im Griff. Nun habe ich bei Psychologen und Angstforschern gelesen, dass die Witze über das Virus, das deutsche Klopapierhamstern, die Quarantäne sehr, sehr gut für uns Menschen sind. Es zeigt, dass man sich mit dem Thema, das Angst macht, auseinandersetzt. Wenn ich diesen Wissenschaftlern glaube, dann befreit das Lachen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Witz makaber oder vermeintlich unangemessen ist, es kommt nur darauf an, dass gelacht wird. Nun, dafür brauchen wir die Forscher gar nicht, schon in den sehr alten Psalmen wird so etwas beschrieben, z.B. im Psalm 126: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein.

Lachen gegen die Angst und Rühmen angesichts des Todes?
Versuchen wir es einmal:
Ein Pfarrer ruft beim Gesundheitsamt an: „Eines meiner Schäfchen hat mir soeben berichtet, dass auf der Autobahn ein toter Esel liege.“
Der Beamte, ein Scherzbold, antwortet: „Herr Pfarrer, ich dachte, die Toten wären ihre Klientel?“
Kontert der Pfarrer säuerlich: „Schon, schon, mein Sohn. Doch es ist meine Pflicht, mich zuerst mit den nächsten Verwandten in Verbindung zu setzen!“

Haben Sie gelacht?

Dann befinde ich mich in einer guten alten Tradition: Das Osterlachen. Wikipedia schreibt dazu: Osterlachen (lateinisch risus paschalis), auch Ostergelächter, bezeichnet den Brauch, in der Predigt an Ostern die Teilnehmer an einem Gottesdienst zum Lachen zu bringen. In einigen Regionen – vor allem in Bayern – war es vom 14. bis 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des christlichen Brauchtums. Wir Christen haben allen Grund zu lachen. Wir Christen dürfen ansteckend sein. Unsere Osterfreude lässt uns lachen und damit dürfen wir andere anstecken. Christus hat den Tod besiegt. Er lacht den Tod aus. An Christus hat sich der Tod sozusagen „verschluckt“ und der Tod wurde der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich staune manchmal, wenn in schwierigen Verhandlungen jemand einen Witz macht, mal besser, mal schlechter, und die Teilnehmer fangen plötzlich an zu lachen. Erst einer, dann zwei, bis die ganze Gesellschaft lacht. Dann ist das Lachen eine Befreiung und zugleich eine Erlösung. Denn das Lachen, der Humor ist eine Vorwegnahme der Erlösung. Lachen macht frei. Deshalb mögen Diktatoren keine Witze. Schon gar nicht über sich selbst. Auch das steht schon in der Bibel: Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer! (Psalm 2,4).
Es geht nicht um das Verspotten oder um das sich Lustigmachen. Es geht um die blanke Freude. Lachen ist ansteckend und deshalb ist es eine Macht. Plötzlich sind sich viele Menschen einig, sie können keine Widerworte mehr geben, da sie ja lachen müssen. Das nimmt Konfliktstoff, pumpt Sauerstoff in den Körper und der Kopf wird wieder frei für gute Gedanken. Ich möchte noch eine Bibelstelle anführen, die relativ unbekannt ist. Sie gehört zu den Seligpreisungen und steht bei St. Lukas im 6. Kapitel: Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
Wie nah das beieinander liegt! Weinen und Lachen! Das ist so typisch und zugleich auch das Wunderbare am Christentum – die Gleichzeitigkeit. Im Lachen, in einem kurzen Augenblick, begegnet uns das Heilige, diese Lebendigkeit. Und genau dafür steht Ostern.

Maria ist die erste, die mit Gottes Lachen konfrontiert wird. Sie begegnet Jesus und sie weiß, Gott hat ihr ein Lachen zugedacht. Es gibt viele Stellen in der Bibel, an denen gelacht wird. Das Lachen des Vaters, der den verlorenen Sohn in seine Arme schließt, das gute und herrliche Lachen der Nachbarinnen und Freundinnen, die sich über den wieder gefundenen Groschen freuen. Wo wir nur weinen konnten, wächst Gottes Lachen. Jesus, der Meister, der uns lachen lehrt am dritten Tage, mitten in unserem Elend und Tod. Frei und unbekümmert lachen in der Gewissheit seines Sieges, in der Kraft seiner Auferstehung.

Da sitzen wir nun zuhause in einer Bedrohungssituation, die nur wenige von uns je erlebt haben. Es ist nur noch zum Weinen. Aber Gott schenkt uns am dritten Tage ein Lachen, so reich, dass wir es immer hören müssen und wieder hören: Wie Gott lacht über uns und über den Tod.
Diese Osterfreude und dieses Lachen von Gott wird uns tragen und uns ermutigen auch unter Tränen zu lachen. Wenn wir mal nicht wissen, ob wir lachen oder weinen sollen, dann haben Sie den Mut zu lachen. Denn Jesus hat dem Leid und dem Tod die Macht genommen.

Nun möchte ich Ihnen aber auch noch meinen Corona-Lieblingswitz erzählen, es ist ein Bilderwitz und stammt aus der Kirchengemeinde Ehrang bei Trier.
Überschrieben ist das Bild mit „Ostern 2020“. Man sieht die Grabhöhle, oberhalb die drei Kreuze von Golgatha. Ein bewaffneter römischer Soldat steht vor der Höhle, aus der Jesus gerade herauskommt. Der Soldat spricht Jesus an: Das ist gegen die Quarantäne-Vorschriften! Gehen Sie sofort zurück ins Innere.

Wir lachen, denn der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Amen.

Martina Metzele

Gebet

Noch umgibt uns der Tod.
Aber du bist auferstanden, Christus.
Du bist das Leben und nimmst den Tod die Macht.
Du bist auferstanden und teilst dein Leben mit uns.
Komm mit deinem Leben in diese geplagte Welt.
Teile dein Leben
mit denen, die mit dem Tod ringen.
Teile dein Leben
mit denen, die von der Angst verschlugen werden.
Teile dein Leben
mit den Einsamen,
mit den Verzweifelten,
mit den Geschlagenen.

Du bist auferstanden und teilst dein Leben mit uns.
Komm mit deinem Leben in diese geplagte Welt.
Teile dein Leben
mit denen, die sich für andere hingeben.
Teile dein Leben
mit denen, die für dieses Leben kämpfen.
Teile dein Leben
mit denen, die uns lieb sind und nach denen wir uns sehnen.

Du bist auferstanden, Christus,
du besiegst den Tod, damit wir leben.
Teile dein Leben mit uns
und lass uns aufleben
heute und in diesen österlichen Tagen.
Noch umgibt uns der Tod,
aber wir beten dich an,
denn du bist das Leben.
Halleluja.

Amen.