Sonntag Laetare

Wochenspruch
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12,24)

Wochenlied
EG 396 – Jesu, meine Freude

AT-Lesung – Jes 66,10–14
10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Epistel – 2. Kor 1,3–7
3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, 4 der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. 5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. 6 Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. 7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.

Evangelium – Joh 12,20–24
20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Predigt
(Jesaja 66,10-14) 

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Wir begehen heute den Sonntag Lätare. Aus der lateinischen Übersetzung des heutigen Predigttextes kommt das Wort. Laetare Jerusalem… Freuet euch mit Jerusalem, jubelt in der Stadt! Wir feiern diesen Sonntag in der Mitte der Fasten – und Passionszeit. Es ist näher zu Ostern, der Frühling ist fast da. Also mitten in der Zeit, in der wir Jesus zum Kreuz begleiten, soll
es kurz etwas freudiger sein. Der schmerzhafte Weg Jesu wird bald zu Ende sein, die Sonne Osterns wird uns bald wieder erwärmen.

Freueteuch mit Jerusalem, jubelt in der Stadt.

Damals gab es aber keinen Grund zum Jubeln. Dem Staat Judäa, der Stadt und dem Volk ging es damals nicht besonders. Die Könige Judas mussten ständig schlechte Kompromisse oder Bündnisse mit anderen Mächten schließen, um den Krieg zu vermeiden. Es kostete oft sehr, sehr viel Geld. Sie, die Könige, mussten geistig pendeln zwischen dem, was logisch, nutzbar oder praktisch schien und dem, was Jesaja predigte. Jesaja predigte nicht immer das, was der König oder das Volk hören wollten. Er predigte einfach die alte Wahrheit: es ist besser auf Gott zu hören als auf die Menschen. Es geht um die Reihenfolge: Zuerst gilt das Wort Gottes, dann das Wort des Menschen.

Das Schlimmste aber war die Tatsache, dass König Achas, der sehr von Assyrien abhängig war, den assyrischen Göttern einen Altar im Tempel von Jerusalem errichtete und diese Götter wurden dort angebetet. Bevor Jesaja die Worte „freuet euch mit Jerusalem” schrieb, hörte man aus seinem Mund oft das Wort „weinet”. In dieser Zeit, unter diesen damaligen Bedingungen schreibt Jesaja seine Worte: Freuet euch mit Jerusalem, jubelt in der Stadt!

Ich bin heute in dieser Kirche nur mit unserem Organisten, Herrn Tomasz Kmita-Skarsgård. Vorläufig werden in dieser Kirche, und vielen anderen Kirchen von Breslau, keine Gottesdienste gehalten. Die Stadt erinnert nicht an das, was wir normalerweise hier sehen und erleben. Die Stadt ist leer, wüst, traurig, eine Spannung und Unsicherheit spüren wir sehr deutlich.
In vielen Aspekten des Lebens erinnert heute Breslau und ihre Tempel an die damalige Stadt Jerusalem.

Die nötigen und sicher verständlichen Anordnungen der Regierung oder der Kirchen stehen ganz im Gegensatz zu dem Missionsbefehl Christi, den wir am Ende des Matthäus-Evangeliums finden: „gehet hin, lehret sie, haltet, was ich euch befohlen habe und taufet alle”. Durch Gehen und Lehren, also Erzählen, Predigen soll sich das Evangelium in der Welt verbreiten und die Kirche wachsen.

Heute ist uns aber angesagt zu Hause zu bleiben, keine Gemeinschaft zu pflegen, am besten nicht reden, weil durch Gehen und Reden verbreitet sich die Krankheit in der Welt. Der Virus hat keine Hände und Beine und kann sich nicht von alleine t bewegen. Wenn wir uns nicht bewegen, bewegt sich auch der Virus nicht. Also wir sehen, nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die Prinzipien der Christenheit wurden angegriffen.

Unser Heiland und Meister hat die Gemeinschaft des Tisches gestiftet. Er aß mit Armen, Kranken, Geschiedenen, Zöllnern und ermöglichte ihnen einen neuen Weg durchs Leben oder den aktuellen Stand ihres Lebens zu verstehen. Das Allerwichtigste, was Jesus uns neben seinem Wort und der Gemeinschaft geschenkt hat ist sein Leib und Blut, das Abendmahl. Das dürfen wir heute auch nicht mehr feiern und wissen heute auch noch nicht, wie lange das alles so bleiben muss.

Wir erleben keine leichte Zeit, vor allem ältere Menschen und die, die einsam leben müssen. Die Enkel dürfen ihre Großeltern nicht mehr besuchen, sie dürfen auch nicht in die Schule. Wenn es keinen Unterricht mehr gibt, sollen die Kinder auch die Spielplätze nicht mehr benutzen. Es gibt eine Reihe von familiären und gesellschaftlichen Bindungen, die durch diese Krankheit schon kaputt oder zeitig gebremst worden sind.

Keiner ist heute so schlau zu sagen was das alles bringen wird. Einer von vielen Effekten der Pandemie kann sein, dass wir alle noch mehr vom Internet abhängig sein werden und nur dort das Wichtige und Gute für unser Leben suchen werden. Das wäre natürlich katastrophal.

In dem Predigttext vergleicht Jesaja die beliebte Stadt Jerusalem mit einer Mutter, die dem Kind immer das Beste gibt, das Kind schützt, pflegt und wachsen lässt. Sie macht das, weil sie das Kind liebt. Wenn das Kind traurig ist, auch wenn es schon erwachsen ist und vielleicht ein eigenes Leben mit einer eigenen Familie führt, wird die Mutter ihr Kind immer herzlich willkommen heißen, die Tür des Hauses aufmachen und das Kind empfangen, wie der Vater aus der Geschichte vom verlorenen Sohn.

Natürlich nicht die Stadt selbst, die Straßen, die Häuser, die Infrastruktur der Stadt Jerusalem waren für das Volk damals so gut wie die Mutter. Es geht um den lebendigen Gott, der in dieser Stadt seinen Tempel hatte. Er wohnte in dem Tempel dieser Stadt. Sein Haus war für das Volk ein klares Zeichen: ich bin immer mit und bei euch , auch wenn zeitig andere Götter in meinem Haus angebetet werden.

Genau so, trotz allem, möchte Gott heute für uns alle da sein, wie damals für sein Volk in Jerusalem. Den Tempel brauchen wir heute nicht mehr. Das Kommen Jesu bedeutet das Ende des Tempels. Es werden keine Tiere mehr für Gott geschlachtet und geopfert. Dieser Jesus sagt: „Sei getrost! In der Welt habt ihr Angst. aber ich habe die Welt überwunden”. Alles was uns Angst macht, nicht nur das Koronavirus, hat er überwunden.

Freuet euch! Jubelt in der Stadt. Mitten in der Fasten- und Passionszeit. Wir sind vielleicht noch nicht in der Mitte des Geschehens, die Juden damals waren es auch nicht, aber jede schwere Zeit wird eines Tages ein Ende finden.

Weil wir die Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu gut kennen, dürfen wir schon heute unsere Häupter erheben und Richtung Osten schauen, wo uns die Sonne der Auferstehung begrüßen wird. Die Zeit der Krankheit wird nicht für immer dauern, es geht zu Ende, auch wenn heute die Zahlen der Aktivkranken und Sterbenden noch rasant steigen wird. Es kommt eines Tages zu einem Ende.

Freuet euch schon heute darauf. Freuet euch mit Jerusalem, jubelt in der Stadt!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober

Gebet
Jesu, meine Freude.

Wir singen es.
Allein und mit schwacher Stimme –
und sind nicht allein.
Wir singen es.
Getrennt von unseren Freundinnen und Freunden –
und sind nicht allein.
Erbarme dich.

Jesu, meine Freude.
Wir singen es bangen Herzens,
in Sorge um die Kranken –
und sie sind nicht allein.
Wir singen es bangen Herzens,
in Trauer um geliebte Menschen –
und sind nicht allein.
Erbarme dich.

Jesus, meine Freude.
Wir singen es unter deinen Schirmen.
Wir singen es
und bitten um Schutz und Schirm für alle
die pflegen,
die forschen,
die retten.
Wir singen es
und bitten um Frieden
in unserem Land,
bei unseren Nachbarn
in Syrien.
Erbarme dich.

Jesus, meine Freude.
Allein und in dir verbunden singen wir.
Wir singen und loben dich.
Wir singen und beten mit unseren Freundinnen und Freunden.
Wir singen und hoffen für alle, um die wir Angst haben,
Dir vertrauen wir uns an,
heute, morgen und jeden neuen Tag.

Amen.