Also doch die Porritt-Orgel…

Die Informationen über die kommenden Änderungen in dem Projekt Orgelbau

von Tomasz Kmita-Skarsgård

Den Text habe ich geschrieben, als die Pandemie des Coronaviruses uns – die Europäer noch nicht betraf. Seit dieser Zeit hat sich vieles geändert. Jetzt richten wir alle unseren Kräfte, auch die finanziellen, auf die Bekämpfung der Pandemie. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die wirtschaftliche Krise kommt, auch wenn wir ihre Kraft noch nicht kennen. Das alles verursacht, dass die Spenden sinken können und die Arbeiten an der Orgel nicht so schnell vorwärts gehen, wie ich erwartet habe. So ist die Welt, so ist unser Leben. Das Morgen, das sich nicht voraussehen lässt, kann immer unsere Pläne verändern. Man muss aber ausdrücklich sagen: wir wären ungeduldige, unbeharrliche Menschen vom geringen Glauben, wenn wir in gewissem Punkt auf das Orgelprojekt verzichten würden. Ich vertraue dem Herrn Gott ganz, dass das alles, was uns bei diesem Projekt trifft, so und nicht anders sein soll. Jeder Mißerfolg verwandelt sich im Laufe der Zeit in einen Erfolg. So urteile ich auch die Vergangenheit. Vertrauen, Ausdauer, Zielstrebigkeit und der Glaube an das gute Ende – danach richten wir uns, danach richte ich mich.

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde unserer Gemeinde, liebe Spenderinnen und Spender für unser Projekt Orgelbau, ich möchte Sie über die Änderungen in unserem  Vorhaben informieren, mit der Hoffnung, dass Sie es genauso wie wir positiv aufnehmen. Die Lösung, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte, ist für unsere kleine Gemeinde greifbar und ermöglicht uns eine realistische Inbetriebnahme der neuen Orgel. In der Sitzung des Gemeinderates vom 9. März wurde endgültig beschlossen, das Projekt Orgelbau in bisheriger Form – also den Bau eines neues Instrumentes durch die Firma Klais – einzustellen. Stattdessen wollen wir die gebrauchte Orgel der Firma J.Porrit & Son aus dem Jahre 1901, die ihr bisheriges Zuhause in Leicester  verloren hat, bei uns aufstellen.

Warum  ein solcher Entschluss? 
Die Entscheidung, das Projekt in der bisherigen Form nicht mehr fortzusetzen, hat zwei Hauptgründe: Erstens war es unser Mißerfolg beim Sammeln von finanziellen Mitteln, der den Höhepunkt mit unserer letzten Niederlage bei den sog. “norwegischen Fonds” des Europäischen Wirtschaftsraumes erreichte. Das zeigte uns deutlich, dass wir “ein kleiner Spieler” im Vergleich zu den großen Institutionen oder den Gemeinden der römisch-katholischen Kirche sind, die heute vielmehr bevorzugt wird als noch vor einigen Jahren. Darüber hinaus wurde uns bewusst, dass die Zeit, in der wir nur ein Projekt führen – das Orgelprojekt, nie kommt. Wir werden immer etwas zu tun haben – es wird immer etwas zu renovieren geben und wir werden die gesammelten Gelder und unsere Zeit diesen verschiedenen Herausforderungen widmen.
Zweitens bahnte sich eine Gelegenheit an,  dass wir ein schönes und großes Instrument von der Gemeinde Cunerakerk aus Rhenen in Holland bekommen, bei dem Ausgleichen der bereits getragenen Kosten des Demontierens und der bisherigen Aufbewahrung. Von großer Bedeutung für unsere Entscheidung war zweifelsohne der Preis. Die ganz neue Orgel sollte 1 200 000 Euro kosten. Jetzt, nach dem ersten Kostenanschlag aller Arbeiten (von denen ich unten schreibe), wird sie 180 000 Euro kosten. Der Unterschied ist riesengroß. Man muss auch dessen bewusst sein, dass die Summe von 180 000 Euro das ganze Projekt deckt. Und im Falle der ganz neuen Orgel würde die erste Etappe der Arbeiten sich auf 130 000 Euro bereits belaufen – die erste von acht Etappen!
Jetzt sind die Orgelpfeifen in acht Preisklassen (und nicht in 28 wie früher) eingeteilt worden und ich kann mich an die potentiellen Spender mehr mutig wenden. Die teuerste Klasse beläuft sich auf 300 Euro, und nicht auf 7 600 Euro wie früher.

Wie ist die Geschichte der Porritt-Orgel und wie ist ihr Weg zu uns?
Das Instrument wurde im Jahre 1901 in der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in Liecester in Großbritanien gebaut und dort diente es über hundert Jahre. Seit den 80er-Jahren (etwa von dieser Zeit fand ich die Filme auf YouTube) begann die dortige Gemeinde auf die traditionellen liturgischen Formen und auf die traditionelle Frömmigkeit zu verzichten. Aus heutiger Perspektive wissen wir, dass das ein Weg nach dem Untergang war. Nach dem Jahre 2000 wurden viele Kirchen in Leicester geschlossen, und die bisherige anglikanische Gemeinde der Heiligen Dreifaltigkeit wurde in eine evangelische Gemeinde verwandelt. Diese führt jetzt – meines Erachtens – eine mehr therapeutische als religiöse Aktivität, wie etwa den „Alpha-Kurs“. Das alles führte zur Entscheidung der dortigen Gemeinschaft, dass die Orgel nicht mehr nötig sind. Das Instrument ging an die erwähnte Gemeinde in Rhenen in Holland, die in ihrer Kirche bereits zwei Instrumente besitzt: die große 35-Stimmen-Orgel und die kleine 6-Stimmen-Orgel, beide von dem neubarocken Klang, der die Ausführung der romantischen und späteren Literatur unmöglich macht. Noch etwas: die Gemeinde besitzt einen herrlichen Chor und veranstaltet die anglikanischen Evensongs. Deshalb wäre das englische Instrument dort durchaus passend. Die Demokratie aber – wie wir leider manchmal erfahren – ist keine beste Verfassung (auch wenn keine bessere erfunden wurde) und nach dem Wechsel des Gemeinderates wurde die Entscheidung getroffen (trotz der unterschiedlichen Meinung der Musiker), die Porritt-Orgel in der dortigen Kirche nicht aufzustellen. An dieser Stelle muss betont werden, dass Herr Gott uns segnet. Ich trat in Kontakt mit dem Vertreter von Cunerakerk ganz zufällig! Ohne Gottes Hilfe hätten wir vom Angebot der holländischen Gemeinde niemals erfahren, und das Porritt-Instrument hätte niemals die Chance für sein neues Zuhause in unserer Kirche bekommen!

Was mit den bereits gegebenen Spenden?
Alles wird beibehalten. Das Porritt-Instrument ist größer als die früher von uns geplante Orgel, deshalb findet jede Stimme der Klais-Orgel ihre Entsprechung in der Porritt-Orgel. Sie hat aber drei Tasten weniger in den Manualen und zwei Tasten weniger in dem Pedal, deshalb wurden alle bisher gespendeten Orgelpfeifen, die in dem neuen Tonleiter des Instrumentes keinen Platz finden, um eine Oktave tiefer (die größeren Orgelpfeifen) oder auf den nächsten freien Platz verschoben. Ich machte nur eine Ausnahme: für die Familie, die fünf Orgelpfeifen nebeneinander für ihre fünf Mitglieder spendete – ich habe die ganze Gruppe gemeinsam verschoben, damit sie nach wie vor zusammen sein können. Alle anderen Spenden blieben genau an den Stellen, die ihrem Register entsprechen. Darüber hinaus, infolge von geringeren Gesamtkosten des Orgelbaus, reichten die schon gegebenen Spenden aus, die größere Zahl der Orgelpfeifen zu „finanzieren“. Das fand die Widerspiegelung in der neuen Grafik, die die Gliederung der Orgel mit der Benennung der Orgelpfeifen darstellt. Diese Tabelle wird ab jetzt auf der Homepage gezeigt und wird ab und zu aktualisiert. Sie wird auch in jeder Nummer des Christophoriboten gedruckt.  

Wie kann die Porritt-Orgel in unserer Kirche aussehen?
Das Instrument der Firma J. Porritt &Son ist eine Orgel mit drei Manualen und einem Pedal, die 39 Stimmen besitzt. Acht Stimmen benötigen eine Ergänzung um die Orgelpfeifen. Ich möchte auch noch vier ganz neue Stimmen hinzufügen, von denen eine notwendig ist, weil der Principal 16’ (Double Open Diapason) in dem Hauptmanual die führende Stimme in dem Prospekt wird. Er wird also die ganze innere Struktur der Orgel “verhüllen”. Manchmal stoße ich auf die Frage danach, was mit unserer jetzigen Schlag-Orgel geschehen wird, nachdem die neue Orgel gebaut wird. Einige Spender machten sogar einen Vermerk bei ihren Überweisungen, dass sie für den Erhalt der bestehenden Orgel spenden, die ihrer Meinung nach einige schöne Klänge besitzt. An dieser Stelle möchte ich eine gute Nachricht mitteilen: die besten, interessantesten und historischen Stimmen der Schlag-Orgel werden in die Gliederung der Porritt-Orgel eingebaut, insgesamt mittels der 6-8 Stimmen. Die Orgel bekommen einen neuen Spieltisch, drei Manualen und einen Pedal, wie auch eine ganz neue elektrische Traktur, die sogenannte hallsensorische, die die mechanische Traktur widerspiegelt. Beibehalten werden die Schleifladen der Porritt-Orgel und die neuen zur Ergänzung ausgeführt.

Welche Arbeiten in der nächsten Zeit?
Das Instrument wurde bezahlt und wartet, bis er aus Großbritanien transportiert werden darf (was aufgrund der Pandemie eingehalten wurde). Dann wird es an die Orgelmeisterwerkstatt übergeben, wo die Renovierungs- und Inventarisationsarbeiten der Orgelpfeifen und der Schleifladen begonnen werden. Für alle drei Etappen besitzen wir bereits die Gelder, deshalb schreibe ich davon. Die weitere Etappe wird darin bestehen, die ganze Konstruktion der Orgel in der Kirche aufzustellen, den Spieltisch zu installieren und die fehlenden Orgelpfeifen zu ergänzen. Bis alles das glückliche Ende findet.

Schlußwort
Ich glaube fest daran, dass diese riesige Einschränkung der Kosten des Orgelprojektes in unserer Kirche uns an den Erfolg und die Vollendung wesentlich nähert. Es ist wichtig, dass diejenigen, die uns finanziell unterstützen, die Orgel endlich sehen und „ihre“ Orgelpfeife hören können. Das wünsche ich uns allen. Ich werde Sie bez. der Fortschritte des Projektes auf dem Laufenden halten – sowohl in dem Christophoriboten als auch auf Homepage.