Wir wissen schon, welche Personen im „Musik-Glasfenster“ abgebildet werden!

Vor einem Monat haben wir ein Wettbewerb auf der Facebook-Seite unserer Gemeinde ausgeschrieben. Wir haben danach gefragt, wessen Porträts sich im “Musik-Glasfenster”, das im kommenden Jahr ausgeführt wird, befinden sollen. Dieses Glasfenster soll auf der Südseite der Orgelempore installiert werden. Die Facebook-Kommentare enthielten viele durchaus interessante Vorschläge. Von Anfang an wussten wir, dass ein von sechs Fensterfeldern für Gerhard Zeggert bestimmt wird. Während der Besprechung der Kommission wurde zusätzlich entschieden, dass im benachbarten Fensterfeld Johann Julius Seidel abgebildet wird, was übrigens eine interessante künstlerische Aufgabe sein wird, weil kein Bildnis von ihm aufbewahrt wurde. Es gab noch vier freie Fensterfelder, in denen “die verstorbenen, verdienten Musiker aus Breslau und/oder aus Schlesien” abgebildet werden sollen.

Von allen Vorschlägen, die in den Facebook-Kommentaren erschienen, wählte die Kommission zur ersten Etappe folgende Namen (in der Reihenfolge, in der sie gemeldet wurden):

Die erste Etappe

Józef Elsner
Karol Hławiczka
Edmund Kajdasz
Moritz Brosig
Klemens Johannes Kaminski
Max Drischner
Romuald Sroczyński
Leon Pęcherek
Hieronim Feicht
Moritz Deutsch
Rafał Maszkowski
Magdalena Czajka
Adolf Friedrich Hesse
Jochen Klepper
Benjamin Schmolck
Martin Opitz
Jerzy Rudolf Legnicki
Stanisław Hadyna
Valentin Triller

Während dieser Etappe wählte die Kommission zwei Namen: Klemens Johannes Kaminski und Magdalena Czajka.

Zur zweiten Etappe wurden acht weitere Vorschläge qualifiziert:

Die zweite Etappe

Edmund Kajdasz
Moritz Brosig
Max Drischner
Romuald Sroczyński
Adolf Friedrich Hesse
Jochen Klepper
Jerzy Rudolf Legnicki
Valentin Triller

Von diesen Personen wurden Max Drischner und Adolf Friedrich Hesse gewählt.

Die gewonnenen Namen lauten wie folgt (Die Reihenfolge der Fensterfelder – von oben links bis unten rechts):

1 – Max Drischner (1891–1971), der von Paweł Chmielewski vorgeschlagen wurde
2 – Adolf Friedrich Hesse (1809–1863), der von Annemarie von Kap-herr vorgeschlagen wurde
3 – Gerhard Zeggert (1896–1977)
4 – Johann Julius Seidel (1810–1856)
5 – Klemens Johannes Kaminski (1940–2012), der von Kuba Tarka vorgeschlagen wurde
6 – Magdalena Czajka (1957–2013), der von Tomasz Głuchowski vorgeschlagen wurde.

Wir danken allen Wettbewerbsteilnehmern für ihre Vorschläge und wir gratulieren den Gewonnenen. Jeder Gewonnene bekommt das Buch “Kamienice” (Bd. II) von Joanna Mielewczyk. Bald melden wir uns bei Ihnen wegen der Lieferung des Preises.

Wer waren sie?

Gerhard Zeggert – unser Patron

Johann Julius Seidel ist für die Organologie weltweit eine außergewöhnlich wichtige Persönlichkeit. Geboren 1810 in Breslau und 1856 gestorben ebenda, war Seidel von 1837 bis zu seinem Tod Organist und Kantor an St. Christophori. Er praktizierte bei dem Orgelbaumeister Robert Müller, was ihn später für den Posten eines Orgelsachverständigen qualifizierte. Das bedeutendste theoretische Werk Seidels, welches ihm in Fachkreisen große Bekanntheit und Anerkennung einbrachte, war das Buch Die Orgel und ihr Bau. Ein systematisches Handbuch für Cantoren, Organisten, Schullehrer, Musikstudirende etc. so wie für Geistliche, Kirchenvorsteher und alle Freunde der Orgel und des Orgelspiels, erstmals herausgegeben im Jahre 1843.

Max Drischner wurde am 31. Januar 1891 in Prieborn, Landkreis Strehlen geboren; er starb am 25. April 1971. Er studierte Theologie in Leipzig und Breslau, brach aber das Studium nach sieben Semestern ab, um an der Berliner Hochschule für Musik Orgel, Klavier und Cembalo zu studieren (Wanda Landowska unterrichtete ihn dort). Im Jahre 1922 ließ er sich in Brieg nieder, wo er seine Fertigkeiten beim Kantor der St.Nikolai-Kirche Paul Hielscher weiter entwickelte. Im Jahre 1924 wurde er der Nachfolger von Hielscher. Er war Vorläufer der Ausführung der Alten Musik, die er mit großem Engagement erforschte. Er war auch Initiator der Renovierung der barocken Engler-Orgel, bei vollem Beibehalten der bestehenden Substanz, was in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts nicht selbstverständlich war. Man darf auch das Wirken Drischners im Bereich des Komponierens nicht vergessen. Er war Autor von vielen Orgelwerken, Vorspiel- und Liedersammlungen. An dieser Stelle muss man vermerken, dass das Werk von Drischner den Ruhm in der Welt erlangte, vor allem in den USA; in Schlesien dagegen ist er heute ganz vergessen.

Adolf Friedrich Hesse wurde am 30. August 1809 in Breslau geboren und starb dort am 5. August 1863. Er war ein deutscher Organist und Komponist. Die Ausbildung erhielt er bei Józef Elsner und – im Orgelspiel – bei den Breslauer Organisten Wilhelm Berner und Ernst Köhler. Im Jahre 1831 wurde er Organist in der evangelischen Bernhardinkirche in Breslau (heute: das Architekturmuseum). Er war auch der Dirigent des Breslauer Orchesters im Operntheater und leitete die Symphoniekonzerte. Im musikalischen Milieu war er als Orgelmeister hoch geschätzt. Er reiste zu den Konzerten u.a. nach Paris und London und stand im Kontakt mit dem hervorragendsten Schüler Elsners – Friedrich Chopin. Durch seine Technik des Pedalspiels setzte er in Bewunderung. Er beschäftigte sich auch mit der Musikpädagogik – sein hervorragendster Schüler war der belgische Organist und Komponist Jacques-Nicolas Lemmens.


Klemens Johannes Kaminski wurde am 16. Januar 1940 in Zabrze geboren und starb am 5. August 2012 in Breslau. Er war ein polnischer Organist, Improvisator, Dirigent, Komponist und Pädagoge. Er stammte aus einer schlesischen Familie mit musikalischen Traditionen. Er absolvierte die Salesianer-Oberschule für Organisten in Przemyśl (damals die einzige kirchliche Organistenschule in Polen) und die Musikoberschule in Stettin. Er absolvierte auch die Karol-Lipiński-Musikakademie in Breslau: die Orgelklasse bei Prof. Julian Bidziński (im Jahre 1966) und die Kompositionsklasse bei Stefan Poradowski und Tadeusz Natanson (im Jahre 1969). Während der Studien lernte er auch bei Ryszard Bukowski. Im Jahre 1969 reiste er nach Salzburg zum Stipendium an der Universität Mozarteum. Dort verweilte er bis zum Jahr 1972. In den Jahren 1966-2012 war er Organist im Breslauer Dom, wo er eine Gesang- und Instrumentalgruppe Collegium Musicum Cathedrale Wratislavienses gründete. Er war ein langjähriger Hochschullehrer für Orgel und Kontrapunkt in seiner Mutterschule, ein Lehrer in der Allgemeinbildenden Karol-Szymanowski-Musikschule des 2. Grades und ein Gründer der Orgelklasse in der Staatlichen Ryszard-Bukowski-Musikschule des 2. Grades in Breslau. Im Jahre 2000 wurde er mit dem Ordenskreuz Polonia Restituta ausgezeichnet: für hervorragende Verdienste in der künstlerischen Ausbildung der Jugend und für hohe Leistungen in der pädagogischen Aktivität. Er starb am 5. August 2012 in Breslau, nach einer langjährigen Krankheit. Begraben wurde er am 9. August 2012 auf dem St.Laurentius-Kathedralfriedhof. Klemens Kaminski war ein Lehrer von unserem Kantor Tomasz Kmita-Skarsgård.

Magdalena Czajka wurde am 11. April 1957 in Breslau geboren und starb am 4. September 2013. Sie absolvierte das Staatliche Musiklyzeum in Breslau (heute: die Allgemeinbildende Karol-Szymanowski-Musikschule), in der Klavierklasse bei Mag. Ewa Piotrowska. Sie studierte Musik im Inland und im Ausland: in der Musikakademie in Warschau – in der Fakultät für die Tonregie (die Klasse bei Prof. Antoni Kraużas) und in der Fakultät für Klavier, Orgel und Cembalo (die Orgelklasse bei Prof. Andrzej Chorosiński). Beide Fakultäten absolvierte sie mit Auszeichnung. Dank dem Stipendium von der Regierung Frankreichs und von Rotary International setzte sie die Instrumentalstudien in Strassburg in Frankreich, in der Meisterklasse bei Prof. Daniel Roth, fort. Sie absolvierte sie mit dem ersten Preis (Premier Prix). Sie war auch Preisträgerin im “Dritten schweizerischen J.S.Bach-Orgelwettbewerb”, wie auch in den individuellen Meisterkursen. Sie gab Konzerte in vielen Ländern in Europa und in der Welt. Sie übersetzte auch aus dem Französischen ins Polnische zwei bekannte Bücher von Nikolaus Harnoncourt über Musik: “Die Musik als Tonsprache” und “Der musikalische Dialog: Betrachtungen über Monteverdi, Bach und Mozart”. Sie war pädagogisch aktiv: als Professorin in der Orgelklasse an der Friedrich Chopin-Musikuniversität, wo sie auch Leiterin des Lehrstuhls für Orgel und Clavecin in den Jahren 2005-2012 war; als Professorin in der Karol-Lipiński Musikakademie in Breslau in den Jahren 2006-2008. Aufgrund ihres Wohnortes und ihres wissenschaftlichen Interesses war sie mit Schlesien sehr verbunden und wirkte sehr aktiv für die Kultur dieses Regions. Magdalena Czajka war Lehrerin von unserem Kantor Tomasz Kmita-Skarsgård.