Erinnerung und Wahrheit

Text von Pfr. Andrzej Fober

Am Volkstrauertag erinnern wir uns an die Soldaten, die in egal welchem Krieg gefallen sind. In Europa heute denken wir an alle Opfer der beiden Weltkriege. Mann kann gedenken, aber man kann auch lebende Menschen besuchen, die den Krieg erlebt haben. 

Am Freitag  vor dem Volkstrauertag waren Schwester Lidia und ich in Zerbst, um Pastor Heinz Lischke zu besuchen. Es war eine schöne Zeit ihn wieder zu sehen. Mit 91 ist er noch sehr lebendig, klar im Kopf, natürlich nicht so schnell wie früher, aber immer noch sehr freudig. Er lässt alle herzlich grüssen.. Seine Geschichte des Krieges hatte er niedergeschrieben und tausenden Menschen erzählt. 

Nichts wurde verschwiegen. Durch seien Erzählungen hat er viele Menschen zur Wahrheit ermutigt. Die befreiende Kraft der Wahrheit! Wer nicht in der Wahrheit lebt, der lebt in Angst, dass die Wahrheit eines Tages entdeckt wird. Heinz Lischka lebt ruhig und wartet auch getrost auf den letzten Tag seines Lebens wenn er vor seinem Herrn Jesus stehen wird

Wir gedenken heute auch des ersten Pfarrers der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in Breslau-Zimpel, Feldprediger Joachim Bunzel, gefallen am 16.09.1939 an der Bzura als Hauptmann u. Batteriechef. Sein Bruder, Ulrich, der in der Kirche Maria-Magdalena amtierte, hatte schon fast die Predigt für das bald kommende Erntedankfest fertig. 

Die Nachrichten von der Front in Polen wanderten in der Kriegszeit recht lange. Als die Gustav-Adolf Kirche schön für das Fest der Dankbarkeit schon geschmückt worden war, kam die Nachricht. Aus einem freudigen Gottesdienst wurde eine Trauerfeier. 

Ich, ein ehemaliger Feldprediger und Oberst der Reserve, wohne mit meiner Familie in dem Pfarrhaus in dem Joachim Bunzel auch gewohnt hat. So schnell kann sich alles ändern. Jeden Tag, den wir in Freiheit mit Andern und mit uns selbst erlebt haben ist unbezahlbar.