Eine Reise mit Propst Fober

Text von Waltraud und Ernst-Achim Gräfin und Graf von Beust

Sonntag, den 25. August abends treffen wir im Pfarrhaus in Zimpel Breslau ein. Herr Fober begrüßte uns und wir gingen gleich in die Pizzeria in der Nähe, ein Italiener, uns Allen bekannt und gut.

Montag starteten wir zu unserer Reise, erstes Ziel – Thorn! Warum dahin? Mein Vater bzw. mein Schwiegervater war dort 1945 im Lager als Arzt tätig. Er war der Direktor des Kaiserin Friedrich Hauses in Berlin – Institut für ärztliches Fortbildungswesen für Deutschland.

In Thorn starb er im Lager 1945. Er bekam ein Einzelgrab, laut der Überlieferung überlebender Ärzten und Schwestern gab es 60-80 Tote pro Tag. Meine Frau und ich wollten die Stätte seines letzten Wirkens erkunden. Dank Herrn Fober, der mehrere Fragen stellte, fanden wir die Wüste des ehemaligen Lagers. Wir fanden an einer Ecke einen Gedenkstein. Vor wenigen Monaten von Bürgern von Thorn gestiftet. Die Aufschrift ist in mehreren Sprachen: Zum Gedenken an die im Lager Umgekommenen. Es lagen Blumen dort. Auch wir legten Blumen dort nieder. Ebenfalls fanden wir drei kleine Holzkreuze in der Erde von Briten.

Die Blumen hatten wir vorher in der Gärtnerei vom Arboretrum Woiclawicze bei Nimptsch – Niemcza erstanden. Nach einem gemeinsamen Vaterunser verließen wir die Gedenkstätte.

Jetzt besichtigten wir noch die wunderschöne Stadt Thorn -Torun – die Kopernikus Stadt.

Das Hotel Kopernikus nahm uns auf. Abendessen in der Stadt. Auf dem Wege nach Thorn hatten wir in Stary Lichen auch noch den polnischen Petersdom besichtigt, überwältigend, einmalig, und interessant. Ein Denkmal des polnischen Papstes vor dem Dom.

Am nächsten Tag Weiterfahrt nach Chełmo. Die alte Kirche wurde besichtigt und der Turm bestiegen – 40 Meter hoch. Als deutsche Stadt hieß sie Kulm, ein sehr beeindruckendes Rathaus und altes Stadttor. Viele Blumen in der Stadt. Bei der Fahrt über die Weichsel ein herrlicher Blick auf die Stadt. Am frühen Nachmittag erreichten wir Graudenz – Grudziadz, eine alte Stadt an der Weichsel. Pause und Rundgang, Kirchenbesichtigung. Um ca. 17.00 Uhr waren wir in Grunwald-Gierzwald, Tannenberg! 1410 die Schlacht Polen und Litauen gegen den deutschen Ritterorden. Wanderung zum Denkmal. Gegen Abend erreichten wir Nikolaiken. Dort kamen wir im evangelischen Diakonieheim unter. Parkplatz bewacht. Wichtig! Familie Beust hat 2 Autos in den letzten 25 Jahren in Polen verloren. Den Abend verbrachten wir am Wasser mit gutem Essen, einfach sehr schön.

Am Donnerstag früh erreichten wir Sorquitten – Sorkwity, eine sehr alte wunderschöne evangelische Kirche mit einem schwebenden Engel, der für die Taufhandlung herunter gelassen wird und die Taufschale eingesetzt bekommt. An der Decke über dem Altar entschwebt Christus bei seiner Himmelfahrt und in der Wolke sind gerade noch seine Füße zu sehen.

Neben der Kirche ein sehr schönes evangelisches Freizeitheim, Begegnungsstätte für junge evangelische Christen. Hier lernte auch Propst Fober vor vielen Jahren seine Frau Aldona kennen. Nachmittags erreichten wie Elbing – Elblag. In der Kirche neugotischer Altar, Bestellung von Kaiser Wilhelm dem zweiten für die Kirche in Cadinen – Kadynach. In Elbing altes Stadttor. Fahrt nach Marienburg, die Marienburg in der Abendsonne und später ein herrlicher Himmel vor einem Gewitter. Hotel Piast für die Nacht. Wanderung zum Abendessen mit Regenunterbrechung und stürmischem Gewitter. Donnerstag Morgen eine ausgiebige Besichtigung der Marienburg. Hinter den Außenmauern Begrüßung auf der Wiese von einem Storch – ob er wohl überwintern will? Nachmittag – Pelplin – alte Kirche, nicht zu besichtigen –eingerüstet. Weiterfahrt nach Danzig.

Danzig, O Wunder! Parkplatz in der Innenstadt. Gegenüber der Lachs! Sehr gepflegtes Lokal. Wunderschön. Dort wurde das originale Danziger Goldwasser erfunden. Nach herrlicher Bewirtung ging es in den nahen Dom. Eine Wanderung durch die Innenstadt, natürlich wie könnte es anders sein, durch das Krantor zum Hafen. Wer immer nach Danzig kommt, eine wunderschöne Stadt, man fühlt sich wohl! Weiter ging es nach Rügenwalde – Darlowo. Besichtigung der Kirche und der Grablege von Erich von Pommern, König von Skandinavien der Kalmarer Union, Herzog von Pommern, verheiratet mit Philippa von Lancaster, Tochter Heinrichs IV von England, einer der wichtigsten Königen von Dänemark, hat die Hauptstadt nach Kopenhagen versetzt, in Stolp geboren. Neben ihm Elisabeth zu Holstein, pommersche Fürstin und Hedwig von Braunschweig. Propst Fober legte Blumen nieder. Weltgeschichte in einer Stadt, die keine 15 Tsd. Einwohner zählt.

Am 30.8. letzter Tag. Kurz an die Ostseeküste, Blick übers Meer. Rückfahrt über Szydlowo – Pila Rasthaus nach Breslau. Ende einer hochinterressanten Reise. Über Allem auf der gesamten Reise Wälder und Seen und unberührte Landschaft – ein Traum. Und eine historische Fahrt im Hinblick auf eine evangelische Minderheit im heutigen Polen.

Am Sonntag besuchten wir mit Propst Fober in Lauban den evangelischen Gottesdienst, dort war die Partnergemeinde Aschaffenburg zahlreich vertreten.