Streifzüge durch das schöne Niederschlesien

Text von Jutta O. Berlin

In Polen war ich schon öfter, ich kenne Warschau und den Nordosten des Landes, auch in Masuren war ich schon. Polen hat eine große Anziehungskraft auf mich, ich kann es nicht erklären, alte familiäre Verbindungen dorthin habe ich nicht. Und während sich die Freunde im Urlaub eher nach Westen wenden, stand für mich schon früh im Jahr fest: Im Sommer fahre ich nach Niederschlesien, denn als Berlinerin fühle ich mich dem doch unbekanntem  Breslau nahe und verbunden.

Und gleich die Ankunft war eindrucksvoll.  So einen wunderschönen Bahnhof haben wir in ganz Berlin nicht. Die luftige Konstruktion vermittelt eine unbeschwerte, heitere Atmosphäre und damit wird gleich klar: Breslau ist eine freie, weltoffene Stadt, modern mit traditionsreichen Wurzeln. Wir sind nicht im „fernen Osten“, sondern mitten in Europa angekommen. Und alle Mitglieder der Reisegruppe, Schwaben, Bayern, Hamburger, empfinden dies ebenso.

Ich hatte schon zuhause im Internet nach einer evangelischen Kirche, möglichst mit deutschsprachigem Gottesdienst, gesucht – und fand die St. Christophori-Kirche, die ich nun letzten Sonntag besuchte. Eine Heilige Lutherische Messe wurde gefeiert – das gibt es in Berlin nur selten. So war der Gottesdienst in dieser kleinen wunderschönen Kirche in mehrfacher Hinsicht etwas ganz besonderes für mich! Danach lud Probst Fober noch zu Kaffee und Kuchen und Austausch ein. Flugs wurden Tische und Stühle gebracht und schon fand sich die bunt-interessante Gottesdienstgemeinschaft zusammen: Ostdeutsche und Westdeutsche, Auswanderer und sogar ein deutschsprachiger Engländer waren dabei! Herr Fober berichtete über die Geschichte der Kirche und der evangelischen Gemeinden in Breslau und wir tauschten uns über das Woher und Wohin unserer Reise aus. Ich hatte bereits während der Messe ein Gefühl einer starken verbundenen Gemeinschaft, natürlich durch den gemeinsamen Glauben, aber auch die Kirche als „unser Haus“ und die Stadt als eine Art vorübergehenden Zuhause bewirkten dies. Beim Abendessen mit meiner Gruppe im Hotel hatte ich viel zu erzählen!  

Wir haben bei unseren Streifzügen durch das schöne Niederschlesien nun noch ein straffes Programm vor uns. Heute waren wir im Germanistik-Insitut der Universität Breslau zum Vortrag und Diskussion. Morgen geht es weiter ins Glazer Bergland und nach Waldenburg. Schweidnitz, Kreisau und das Hirschberger Tal folgen. Dann geht es über Agnetendorf, Leubus und Liegnitz zurück nach Breslau, wo nächsten Sonntag mit der Rückfahrt nach Berlin die Reise endet.


Text von Olaf Maack

Wenn wir uns in Deutschland in Gesprächen mit Freunden und Bekannten über unsere Urlaubsziele unterhalten haben, war in der Regel Unverständnis und Ratlosigkeit darüber zu spüren, dass wir nach Polen fahren werden. Die Reiseziele der Deutschen sind grundsätzlich andere Orte. Vor dreieinhalb Jahren haben wir schon einmal einen Jahreswechsel mit der Familie auf der polnischen Seite im Riesengebirge verbracht. Da uns das damals so gut gefallen hat, haben wir uns in diesem Jahr wieder daran erinnert und wollten dasselbe nochmal im Sommer erleben. Nicht nur, aber auch wegen dem tollen Ferienhaus in der Nähe von Jelenia Góra (Hirchberg) haben wir uns ganz schnell entschieden und rechtzeitig alles fest gebucht. In der zweiten Julihälfte  2019 wurde uns das Riesengebirge mit einigen Ausflügen und Wanderungen immer vertrauter und wir konnten einen erlebnisreichen und erholsamen Urlaub genießen.

Wir sind eine Familie aus Kassel in der Mitte von Deutschland. Zwei von unseren vier Kindern waren in diesem Urlaub mit dabei. Wir sind Christen und da wir zuhause jeden Sonntag in den Gottesdienst gehen, kommt bei uns auch im Urlaub schnell die Frage auf, ob es am Urlaubsort einen Gottesdienst gibt, den wir besuchen können. Durch das Internet sind wir dann auf den deutschsprachigen Gottesdienst der Ev. St.-Christopheri-Gemeinde in Breslau gestoßen. Da wir zwei Tage zuvor bereits einen Ausflug nach Breslau gemacht haben, wurde ein Gottesdienstbesuch für uns eigentlich schon verworfen, da eine Hinfahrt und Rückfahrt von unserem Ferienhaus dorthin nochmal jeweils zwei Stunden gedauert hätte. Ich bin froh, dass sich die Befürworter in unserer Familie durchgesetzt haben und wir am 28. Juli 2019 nochmal nach Breslau nur zu dem Gottesdienst gefahren sind. Unsere geistliche Heimat ist eine christliche Gemeinschaft in Kassel mit eher freikirchlichen Strukturen, so dass der sehr liturgische Gottesdienst in Breslau für uns nicht sehr vertraut war. Durch meine Kindheit in Norddeutschland kannte ich aber auch einige Passagen der Liturgie und sogar noch auswendig. Uns hat der Gottesdienst in Breslau sehr gefallen. Es war vor allem zu spüren, dass es dieser Gemeinde mit dem christlichen Glauben ernst ist und nicht nur Formen und Strukturen aufrecht erhalten werden. Das anschließende „Kirchencafé“ auf „Bierzeltgarnituren“ (wie man in Deutschland sagt) inmitten des Kirchenraumes, in dem wir gerade noch den Gottesdienst gemeinsam gefeiert haben war etwas ganz Besonderes. Wir fühlten uns zumindest für einige wenige Stunden dieser Gemeinde zugehörig.

Die uns entgegengebrachte Gastfreundlichkeit und das Interesse füreinander war ein starkes Zeichen dafür, dass Christen in der ganzen Welt durch den Glauben an Jesus Christus miteinander verbunden sind.

Wir bedanken uns sehr bei Pfr. Fober und den anderen Kirchenmitgliedern für dieses schöne Urlaubserlebnis.