Osterfest in unserer Kirche

Text: Tomasz Kmita-Skarsgård
Übersetzung: Jolanta M. Waschke

Festtage bedeuten für uns meistens viel Aufwand an Vorbereitungen aber auch zugleich große Freude auf Feierlichkeiten und damit verbundene Erlebnisse. Besonders zu Ostern bekommt man beides deutlich zu spüren: Wir freuen uns auf die Auferstehung Christi, auf seinen Sieg über den Tod und die Sünden und auf viele Begegnungen sei es in der Kirche oder daheim mit Familie und Freunden.

Dieses Jahr setzten wir die in den letzten Jahren bewährte Tradition fort, die ganze in der westlichen Kirche etablierte Liturgie des Triduum Sacrums zu feiern. Am Gründonnerstag begannen wir mit der Messe des letzten Abendmahls, der Erinnerung an die Eucharistie und das heilige Mahl. In der Liturgie dieses Tages erinnert die Kirche sehr stark an das Gebot der Liebe (Joh 13,34). Am Ende der Feierlichkeiten wird der Altar bloßgelegt. Alle Tücher, Decken und Antependien werden entfernt, die Kerzenleuchter umgestürzt, das sollte uns an die Einsamkeit Jesu vor seinem Leiden und seine Entblößung am Kreuz erinnern. Der entblößte, leere Altar steht auch für den traditionellen Verzicht auf das heilige Abendmahl an dem darauffolgenden Tag, der in vielen Gemeinden praktiziert wird.

Die Feier vom Leiden und Sterben Christi begann in der Stille und ging nach dem Eingangsgebet zu der Passion über. Der Leidensgeschichte nach Johannes folgte die Anbetung des Kreuzes, eine kurze, dennoch bewegende Zeremonie.Während die Versammelten das Lied O Haupt voll Blut und Wunden singen, öffnen zwei Gemeindeglieder die in der Fastenzeit stets geschlossenen Altarflügel, welche die Darstellung der Kreuzigung freigeben.
Weiterhin werden Improperien gesungen, Heiliger Herre Gott ertönte mächtig in unserer kleinen Kirche und am Ende herrschte wieder die Stille und ein Abschied in Trauer und Nachdenklichkeit.

Am Samstagabend, das zweite Jahr in Folge, feierten wir gemeinsam mit der polnischen Gemeinde die Liturgie der Osternacht. Den Ablauf habe ich letztes Jahr ausführlich beschrieben, so möchte ich hier nur betonen, dass die Liturgie aus vier Teilen besteht: die Liturgie des Lichtes (das Feuer wird vor der Kirche entfacht, eingeweiht und als Licht in die Kirche getragen, Exsultet wird gesungen und die Osterkerze feierlich angezündet); Liturgie des Wortes (8 Lesungen aus der Bibel über die Schöpfungsgeschichte und andere Werke Gottes werden vorgelesen); Liturgie der Taufe (Sündenbekenntnis, die Weihung des Taufwassers wird vorgenommen) und letztendlich die Liturgie des Abendmahls. Allerdings ging die Besucherzahl, im Vergleich zum Vorjahr, leicht zurück. Wir haben damit gerechnet, denn viele kamen letztes Jahr aus Neugier zu uns,es war schließlich die erste evangelische Osternacht in Breslau, die spät beginnt und lange dauert, was einige, insbesondere ältere Gemeindeglieder, abschrecken mag.

Wir hoffen jedoch auf einen größeren Zulauf, denn wir werden die Liturgie als eine der wichtigsten Feierlichkeiten in dem Kirchenjahr sicherlich fortsetzen. Da es ein gemeinsames Unternehmen mit der Gemeinde der Göttlichen Vorsehung ist, wird die Liturgie weiterhin auf Polnisch gefeiert. Pastor Paweł Mikołajczyk vertrat dieses Jahr die polnische Gemeinde am Altar und leitete die Feierlichkeiten mit.

Am Ostersonntag fand ein weiterer Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl statt. Er begann mit dem dreifachen Gruß „Christus ist auferstanden!“ und der Rückmeldung der Gemeinde „Er ist wirklich auferstanden!“. Darauf folgte das feierliche Osterhalleluja, eine bewegte Predigt von Propst Fober und im Abschluß an den Gottesdienst viele Gespräche mit den Besuchern, am reichlich gedeckten Ostertisch mit diversen Kuchen, Eiern und Getränken.