Der Christophoribote – unser Sprachrohr zu Ihnen

Ein guter Bekannter von mir, der zum Besuch in Schlesien immer mindestens eine Flasche guten Weins aus Baden-Württemberg mitbrachte, bekommt seit Jahren unseren Gemeindebrief. Nach dem Erhalt der neu gestalteten Zeitschrift unserer Gemeinde stellte er eine sehr feine Frage: „Wird mit dieser aufwendigen Aufmachung versucht, das Ansehen der Gemeinde in der Öffentlichkeit zu heben, und könnte sich damit auch der in eine neue Stellung gebrachte Status der Gemeinde auswirken?

Lange musste ich eine vernünftige Antwort hierauf suchen. Eines Tages hörte ich im Radio, dass in der königlichen Stadt Krakau eine interessante Ausstellung zu besuchen sei, deren Titel lautete: Vergessene Geschichte – Kriegsgefangene im besetzten Krakau 1939-1945. Zur Zeit des II Weltkriegs wurden mehrere Lager für französische kriegsgefangene Unteroffiziere in Krakau (Kraków) errichtet. Sie wurden dort natürlich viel besser als polnische und sowjetische Kriegsgefangene am Anfang des Krieges behandelt. Die Lager wurden oft vom Roten Kreuz inspiziert. Die dort Inhaftierten konnten eine Fußballliga nach den Regionen Frankreichs organisieren und es gab eine gut funktionierende Lager-Universität sowie drei Theater. Die Gefangenen bekamen von Familien aus der Heimat Päckchen mit Lebensmitteln geschickt. Was mich wirklich berührte war die Information, dass es dort eine Lagerzeitung gab. Davon wurden 1200 Stück gedruckt, auch farbig, mit Zeichnungen des später berühmt gewordenen Grafikers Pierre Lardin. Um das alles möglich zu machen bekamen die Lager finanzielle Unterstützung der Regierung aus Paris.

Warum haben die Gefangenen damals diese Zeitung gemacht? Ich denke um zu zeigen: wir sind noch da! Wir sind Franzosen und haben unsere Kultur, unsere Identität. Wir leben zwar in einem Lager, aber wir sind Menschen und wir haben unsere Gaben, die wir nicht verlieren wollen. Wir haben unsere Würde. Diese Zeitschrift ist auch ein Dokument der damaligen Zeit. So kommunizierten die Gefangenen mit der Außenwelt. Für mich ist das eine bewegende Geschichte. Auch unter solchen, nicht ganz erfreulichen Umständen, kann man etwas Gutes tun.

Unsere neue Zeitschrift unterscheidet sich jetzt wesentlich vom alten Gemeindebrief. Im Frühjahr diesen Jahres bildete sich eine neue Redaktion, deren Ziel u.a. ein Layout war, welches unseren Bedürfnissen besser entspräche: Ein größeres Format, also mehr und größere Bilder, Texte in besser lesbaren Lettern, intensivere Farben und dadurch mehr Möglichkeiten, solch eine Zeitschrift zu gestalten.

Wir, eine evangelische Gemeinde deutscher Sprache, wollen – wie damals die Franzosen in Krakau –  zeigen, dass wir da sind. Wir sind eine besondere Gemeinde – die einzige deutschsprachige Gemeinde in Polen, vor allem aber in einer besonderen Stadt: Breslau. Wir haben unsere sehr starke Identität. Je mehr Objekte der Identität es gibt, umso stärker sind der Zusammenhalt und das Selbstbewusstsein. Auch wir haben unsere Würde. Wir haben unser Bekenntnis, unsere Sprache, unsere St. Christophori-Kirche, unser Pfarrhaus im Zimpel und die Werke der Gemeinde (Verkündigung, Diakonie, Kantorei). Dazu gehört auch die Zeitschrift unserer Gemeinde in einer neuen Form. Alles bereiten wir mit eigenen Kräften vor und Viele werden vielleicht nicht glauben können, dass hier keine Profis mitwirken, sondern alle Arbeit ehrenamtlich geleistet wird.

Dass der neu aufgemachte Bote unser Ansehen in der Öffentlichkeit anheben solle, ist nicht unser Ziel. Es geht auch nicht darum zu zeigen, dass es uns finanziell besser geht. Seit 23 Jahren ist unsere Gemeinde offiziell anerkannt und trägt sich finanziell selbst. Besser ausgedrückt: sie wird, dank Gottes Gnade, von vielen freudigen Spendern aus Deutschland, Österreich, Spanien, Polen, Schweden und der Schweiz unterstützt. Aber nicht nur das: wir haben inzwischen eigene Arbeitsfelder entwickelt, die die Finanzen der Gemeinde stabilisieren. Ich meine damit die Sendemasten der Mobilfunkanbieter, die Gästezimmer im Pfarrhaus und unsere Grundstücke, die wir verwalten.

Das alles wurde durchdacht, begonnen und ausgebaut, so dass wir nicht nur auf  Kosten anderer Menschen leben. Wir sind selbständig, frei, evangelisch und haben in einer selbstbewussten Stadt eine sehr starke Identität. Dazu gehört auch die neu gestaltete Zeitschrift der Gemeinde.

Natürlich kann man sagen: könnte das Geld nicht woanders verwendet werden? Natürlich, die Not in der Welt, auch in der reichen Stadt Breslau, ist immer vor unseren Augen. Deswegen helfen wir bedürftigen Menschen durch die Arbeit der Diakonie der Gemeinde, durch die Suppe für Obdachlose, Verleihstation mit Reha-Geräten und anderes.

Allen unseren vertrauten Freunden in der ganzen Welt und vielen in Polen (deswegen werden einige Texte auf Polnisch kurz zusammengefasst) möchten wir mit Freude sagen und zeigen, dass wir da sind, dass uns Gott segnet, leitet und zusammen bringt. Wir müssen uns nicht mehr verstecken, müssen uns nicht mehr nicht polnische Gemeinde nennenund nur leise hinter einer verschlossenen Tür beten. Wir wollen unser kostbares Erbe, den Glauben, die beiden Kirchen mit dem Pfarrhaus sowie unsere Gemeinschaft erhalten, pflegen, entwickeln und mit anderen Menschen teilen und darüber dann in schöner Form berichten und uns freuen wenn es Ihnen, liebe Freunde, auch Freude bereitet.

Wir hoffen, sie freuen sich schon über das Projekt des Neubaus der Orgel und der neuen Fenster in der St. Christophori-Kirche. Nach dem Wiederaufbau der Kirche nach den Schäden durch den Krieg wollen wir die zwei fehlenden Werke zu Ende bringen: Die alte Casparini-Orgel war durch Brand zerstört und die Rekonstruktion der gotischen Fenster mit Renaissance-Glaswerk wurde aus Geldmangel in den schweren Nachkriegsjahren nie realisiert. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Jetzt aber eröffnen sich Möglichkeiten, den langjährigen Aufbau der St. Christophori-Kirche zu Ende zu bringen. Bitte helfen Sie uns dabei. Mit Ihren Spenden und Gebeten werden wir dies, so Gott will, sicher vollenden können.

Wir wünschen uns mittels unserer Gemeindezeitschrift lebendigen Kontakt mit Ihnen und hoffen, dass es so wie mit dem alten Gemeindebrief werde, der vielen von Ihnen ein Stück der schlesischen Heimat nach Hause brachte.

Mit schlesischem Gott befohlen

Ihr

Pfr. Andrzej Fober