Totensonntag

25.11.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Lutherische Heilige Messe

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Introitus EG 526 Jesus, meine Zuversicht
Graduale EG 346 Such, wer da will, ein ander Ziel
Predigtlied EG 152 Wir warten dein, o Gottes Sohn
Nach Predigt EG 149 Es ist gewißlich an der Zeit
Offertorium EG 150 Jerusalem, du hochgebaute Stadt
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe
Schlusslied EG 147 „Wachet auf“, ruft uns die Stimme

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor u. Organist


Jesaja 65,17-19.23-25

Liebe Gemeinde,

Heute, am Totensonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, möchten wir die Gedanken mal Richtung Vergangenheit, mal Richtung Zukunft lenken. Am Donnerstag haben wir es angefangen. Es gab eine Sonder-Bibelstunde. Diesmal hatte sie Lidia gestaltet, mit uns allen Anwesenden zusammen. Sie erzählte uns über Christen im Iran und Tadschikistan und sie hat zwei kurze Filme dazu gezeigt. Christen in diesen Staaten, unsere Brüder und Schwestern im Glauben, riskieren eigentlich jeden Tag ihr Leben. Der christliche Glaube ist dort verboten und auch sich zu Hause mit ein paar Freunden zu treffen um kurz zu beten ist niemals ungefährlich. Sie leben in ständiger Bedrohung, aber sie leben im Frieden des Herrn. Sie erleben die Wirklichkeit der Worte Jesu: „In der Welt werdet ihr Angst haben, aber ich habe die Welt überwunden.  Ich gebe euch Frieden, den die Welt euch nicht geben kann”. Wir haben für die Christen im Iran und Tadschikistan während der Bibelstunde gebetet, auch für die Regierungen dort, dass sie eines Tages verstehen, was alle Menschen in der Welt verbindet. Wir sind alle eines Tages geboren und werden eines Tages auch sterben müssen. Abgesehen von unserer Weltanschauung oder welcher Religion wir angehören, haben alle Menschen in der Welt eine Menschenwürde, die über allen Kategorien der Beschreibung des Menschenwesens steht. Alle Menschen der Welt sind gleich und haben ein unentbehrliches Recht selber den Glauben zu wählen oder auch nicht. Ein anderer ist der Schöpfer und der Richter zugleich. In dieser Bibelstunde haben wir Gott für Herrn Jerzy Fatyga gedankt. Er hat den Unbegreiflichen gesucht, er spürte vielleicht, dass es irgendeine Kraft gibt die das alles in der Welt, aber auch in meinem Leben wunderbar oder geheim bewegt. Wir glauben Herr Fatyga kann jetzt das sehen, was er sich hier nicht vorstellen konnte. Klar, auf Erden sind die Vorstellungen des Paradieses nicht so einfach. Am nächsten Tag bin ich nach Warszawa gefahren. Am Freitag gab es eine Konferenz über Bischof Julius Bursche in dem neuen Haus der Christlich Theologischen Akademie. Am Samstag ein Gedenkgottesdienst in der St. Trinitatiskirche wo er auch als Diakon tätig war, nachdem er die Wahl gegen Rudolf Gundlach gewonnen hatte. Damals war  die Stelle des Diakons der heutigen zweiten Pfarrstelle gleich. Eine Urne aus dem Friedhof Berlin-Moabit stand im Altarraum. In der Urne nicht die Asche des Bischofs, sondern die Erde von der Stelle wo er höchstwahrscheinlich mit anderen ermordeten oder gefolterten heimlich begraben worden war. Diese Stelle, die 100% lokalisiert wurde, wurde nach langjährigen Forschungen im Frühjahr dieses Jahres gefunden. So fuhren wir nach dem Gottesdienst zum evangelischen historischen Friedhof wo die Urne beigesetzt wurde und so ist symbolisch das irdische Leben von Bursche zu Ende gegangen. Er lebt in seinen Werken. Ein streitbare (umstrittene) Persönlichkeit die in einem Zeitraum lebte, da fast jede Entscheidung wenn nicht sofort, dann ein paar Tage später falsch sein könnte. Als Deutscher lebte er unter Polen in dem Königreich von Russland. Die russische Verwaltung war mit ihm zufrieden, dass er die polnische Sprache im Gottesdienst eingeführt hat. Als aber in Folge des Ersten Krieges die Deutschen nach Warschau kamen, wurde es für Bischof Bursche sofort sehr schwer. Warum erzähle ich Ihnen das heute am Totensonntag? Erstens um Sie  zu bewegen sich eine Frage zu stellen, welche uns Lidia in der Bibelstunde gestellt hat: Wie pflegen wir unseren Glauben? Was sind wir in der Lage für unseren Glauben zu opfern? Ist es ein Ereignis in Zentrum meines Lebens oder am Rande? Konsequent lässt sich auch die Frage stellen: was bin ich bereit meiner Kirche oder meiner Gemeinde zu schenken, zu widmen, zu opfern. Bischof Bursche hatte sich mit großer Mühe dafür eingesetzt, dass die Evangelische Kirche in Polen nach dem Ersten Weltkrieg irgendeinen Rechtsstaus bekäme und es ist ihm gelungen. Aufgrund dessen, dass unsere Kirche in Polen schon vor dem Zweiten Weltkrieg durch den polnischen Staat anerkannt wurde, durften wir und dürfen immer, auch noch heute, unser Eigentum nach 1945 erhalten oder reklamieren. Er wusste genau das was Bischof Borski wusste und was ich auch konsequent pflege, dass bevor sich die Worte von Jesaja realisieren werden müssenwir uns in dieser Welt auch um die irdischen Dinge kümmern. Niemals dürfen wir vergessen, dass die Erhaltung einer Kirche oder einer Gemeinde nur ein Ziel haben soll: Das Wort Gottes und Christi zu predigen.

Amen!