Ostersonntag – Predigt

Matt 28, 1-10

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt“ (1. Kor 15, 14f).

Mit diesen radikalen Worten sagt der heilige Paulus ganz deutlich welche Bedeutung für unseren christlichen Glauben die Auferstehung Jesus Christi hat. Nicht nur für den Glauben, aber auch für unsere Predigt.

Der christliche Glaube steht und basiert auf diesem Fundament, dass Christus von den Toten auferstanden ist.

Wenn man dies wegnimmt, dann bleiben im Neuen Testament immer noch eine Reihe von interessanten Geschichten und Gleichnissen, die uns irgendeine Vorstellung über Gott liefern können, aber der christliche Glaube ist tot. Diese Geschichten werden kein konkretes Ziel mehr haben außer ethischen, so nach dem Motto: Wer sie wahrnimmt, dessen Moral ist hoch, wer nicht, den kann man vergessen. Den kann man nur einen „Sozialfall“ nennen.

Jesus war dann nur eine religiöse Persönlichkeit, hat schön geredet, oft provoziert, manche seiner Behauptungen sind heute nicht akzeptabel, wie z.B. „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen“, aber OK, er hat eine schöne Geschichte geschrieben, aber selbst die Juden waren mit ihm nicht zufrieden, weil er die Unabhängigkeit von Rom nicht geschafft hatte.

Ist Jesus nicht auferstanden, ist er kein Maßstab mehr, er gehört nur der Geschichte, der Vergangenheit an und wir entscheiden dann welchen Platz er in der Geschichte einnehmen soll.

Als im Jahre 1953 Josef Stalin starb, weinten viele auch in Polen und sahen keine gute Zukunft mehr ohne ihn. Heute ist sein Platz in der Geschichte der Menschheit ganz anders, aber es gibt auch viele, die ihn bis heute loben und preisen. Wir, Menschen, entscheiden welche Rolle diese oder jene Persönlichkeit in der Zukunft, in unseren Erinnerungen, einnehmen wird.

Ist Jesus nicht auferstanden, bleibt alles beim Alten. So bleibt es bei den harten Worten aus dem Alten Testament: „Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden“(Gen 3,19).

Dann bewegt sich unser Leben und das der ganzen Menschheit wie die Pferde in einem Zirkus: rund und rund! Nichts Neues kann entstehen, solange die Pferde ihr Pferdegeschirr nicht abwerfen, den Ausgang finden und in die Freihat rennen.

So ist die Auferstehung. Sie verändert die Lage des Menschen radikal aber entscheidet auch ob Jesus nur „war“ oder noch „ist“. Auch wenn es hier vor allem um den Glauben geht, es ist sehr logisch. War Jesu nur da, dann sind wir auch nur mal da und Schluss! Ist Jesus immer noch da, lebt er, so ist unsere Zukunft nicht wieder Erde zu sein.

Jesus war, ist und wird immer ein Maßstab bleiben, weil Gott seine Stärke gezeigt hat. Unser Leben entwickelt sich seit Auferstehung linear, hat Zukunft, die Jesus uns fest gesichert hat. Das Tor, das die Pferde im Zirkus finden müssen um in die Freihat rennen zu dürfen, ist für uns der Tod.

Das ist diese geniale und phänomenale Verwandlung, für die wir heute und immer Gott danken möchten. Was die Plage der Menschheit war, ein Joch, das man immer tragen muss, den Tod, machte Jesus zu unserem Gewinn.

So dürfen wir in der Kantate 56. „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ folgende wunderbaren Worte finden:

„Komm, o Tod, du Schlafes Bruder,
komm und Führe mich nur fort,
löse meine Schiffleinsruder,
bringe mich an sichern Port,
es mag, wer da will, dich scheuen,
du kannst mich vielmehr erfreuen,
denn durch dich komme ich herein
zu dem schönsten Jesulein“.

In der Auferstehung geht es auch nicht um das Wiederbeleben eines Toten. Dann wäre sie nicht wichtiger als die Widerbelebung klinisch Toter durch die Kunst der Ärzte, was heute oft passiert. Solche Auferstehung ändert an unserer Existenz nichts. Was kann ich davon haben, dass irgendwo in einem Krankenhaus einer aus dem klinischen Tod wach wurde. Ich kann mich mit ihm und seiner Familie unbekannterweise freuen aber für mein Leben und Sterben hat es keine Bedeutung.

Ich könnte mir nur wünschen, falls ich einmal vielleicht klinisch tot wäre, nachdem ich mit meinem Aston Martin gegen einem Felsen in Irland geprallt bin, auch solche begabten Ärzte an meinem Krankenbett zu haben, die mich wieder zum Leben bringen werden. Aber so eine Wiederbelebung, egal von mir oder von Jesus aus Nazareth würde bedeuten, dass wir eines Tages doch sterben müssen, wie der Jüngling von Nain, die Tochter des Jairus oder Lazarus.

Die biblischen Berichte sagen ganz klar, dass die Auferstehung Jesu eine ganz neue Art des Lebens eröffnete, eine neue Dimension des Lebens, eine eschatologische, d.h. eine Perspektive eines ewigen Lebens mit Gott in seinem Garten Eden, im Paradies, aus dem wir einst verstoßen wurden .

Zwei Aspekte sind bei der Auferstehung noch sehr wichtig: ein leeres Grab. Nur das leere Grab ist kein Beweis, dass Jesus lebt. Maria von Magdala im Evangelium nach Johannes dachte dass jemand die Leiche Jesu genommen hat. Aber wäre die Leiche immer noch da, ist die Auferstehung eine Lüge.

Was brauchen wir noch um an die Auferstehung glauben zu können?  Es ist die Begegnung!!! Wir hätten diesen Gottesdienst auch mit einem Ruf anfangen können: Elvis lebt! Aber seit er gestorben ist, hat ihn niemand gesehen. Er hatte auch nicht gesagt wo er zu treffen wäre – nicht vor dem Tod, auch nicht nach dem Tod. Wir dürfen ruhig glauben, dass Elvis lebt, aber es wird dann wirklich ein Mirakel ohne Garantie, dass uns auch so etwas möglich wäre. Elvis Leben wird nichts in unserem Leben ändern.

„Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude (…..), um es seinen Jüngern zu verkündigen, (….), da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! (….) Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen“.

Immer, wenn wir eilen den Anderen die Gute Nachricht zu verkündigen, begegnet uns Gott unterwegs. Wir sind in diesem Dienst nie allein. Gott lässt die Verkündigung seines Wortes nie aus seiner Hand. Das wäre wieder unlogisch und würde bedeuten, dass die ganze Sache ihn nicht mehr interessiert und nur uns anvertraut wurde.

Wenn wir genau in die heutige Erzählung der Auferstehung Jesu schauen, dann sehen wir, dass der Engel zuerst beiden Marias das leere Grab zeigt, dann sagt er ihnen genau was sie machen sollen. Sie sollen nach Galiläa gehen, wie Jesus es gesagt hat. Der Engel endet mit einem starken Satz: „Siehe, ich habe es euch gesagt“!

Dann aber begegnet den beiden Frauen der lebendige Jesus und er sagt das gleiche: „Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen“!

Das Grab ist leer. Ein neues Leben ist da! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern und Schwestern. Sie müssen nicht nach Galiläa fahren, gehen oder fliegen. Es reicht, wenn sie einmal in die Kirche kommen wo die Gute Nachricht gepredigt wird: Wir gehören nicht mehr nur der Erde. Halleluja!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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