Oculi, 3. Sonntag der Fastenzeit

4.03.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlgottesdienst

SPG – Schlesisches Provinzial-Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus A, kein Gloria

Eingangslied SPG 76 Seele, geh auf Golgatha
Predigtlied SPG 82 Wollt ihr wissen, was mein Preis?
Nach Predigt Orgelmeditation
Lied (Beichte) SPG 81 Wir danken Dir, Herr Jesu Christ
Schlusslied SPG 72 O hilf, Christe, Gottes Sohn
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


1. Petr 1, 18-21

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn wir den eigentlichen Predigttext anfangen zu lesen: „denn ihr wisst,dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigem Wandel”, dann ehrlich gesagt, verstehen wir nicht sehr viel davon! Ich denke mir auch, die Worte sagen uns nicht das, auf was wir vielleicht am Sonntag in der Kirche warten. Wer vor uns ist bereit zu gestehen, dass sein Wandel, sein Leben nichtig ist? Wer von uns versteht sich wie ein Sklave, der erlöst sein sollte, dazu noch mit Silber oder Gold. Wir verstehen uns als freie Menschen und diese Freiheit genießen wir und möchten sie auch nicht verlieren. Am liebsten wollen wir, dass uns niemand in unserer Freiheit stört und uns in Ruhe lässt. Aber, liebe Gemeinde, wieder kommt uns das Evangelium zur Hilfe. Wir sind doch im Gottesdienst und auch heute möchte uns Wort Gottes etwas Wichtiges sagen. Das Evangelium heute heißt: Vom Ernst der Nachfolge. Wir kommen in die Kirche, weil, so denke ich, wir Christus nachfolgen wollen. So wie die Männer im Evangelium. Sie wollten sich auch in der Nachfolge Jesu einsetzen. Aber, Herr erlaube mir, dass ich zuvor gehe und meinen Vater begrabe! Ich will gehen, aber erlaube mir zuvor dass ich Abschied nehme! Ich bin bereit, aber noch nicht ganz. Noch ist da oder dort etwas, was für mich wichtig ist. Wenn ich das erledige, dann werde ich für dich Zeit haben, Jesus. Ganz sicher haben auch Sie solche Gedanken schon gehört oder gelesen. Ich erinnere mich an eine Predigt die ich noch als Kind gehört habe. Da erzählte unser Pfarrer so eine Geschichte: Da fragt ein älterer Mann seinen Sohn: was machst du nach der Grundschule? Ich werde studieren! Und dann: werde ich eine gute Arbeitsstelle für mich aussuchen. Und dann: werde ich eine Familie gründen und Kinder haben. Und dann: Werde ich die Kinder erziehen und schauen wie sie wachsen und einen guten Weg gehen: Und dann: dann werde ich pensioniert und den Herbst meines Lebens genießen. Und dann? Der junge Mann war schon etwas irritiert über die immer gleiche Frage und wusste nicht genau wohin das Gespräch führen soll, antwortet aber: dann werde ich eines Tages sicher sterben. Der ältere Mann fragte noch einmal: Und dann? An alles gedacht, alles geplant, alles gut vorbereitet. Zeit für alle und alles, aber wo ist die Zeit für Gott? In dem Evangelium das Wort „aber”. Ich möchte, aber! Wie oft ist das auch unsere Erfahrung. Wir wollen wirklich etwas Gutes tun, aber, aber, aber… Vor dem Predigttext stehen im 1. Petrus Brief Worte, die aus dem Alten Testament stammen. Dort spricht Gott. Was sagt er? Wir haben uns mit diesen Worten schon einmal bei der Bibelstunde und auch im Gottesdienst vor ein paar Wochen beschäftigt: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig”. Da haben wir, so hoffe ich, etwas Licht bekommen zu der Betrachtung die wir heute unternommen haben. Wir sollen unser Leben heiligen. Aber nicht nur mit guten Ideen die wir nicht realisieren können, nicht mit dem guten Willen der oft nur theoretisch ist. Sondern es beginnt mit dem Erkennen, das unser Wandel nichtig ist. Ohne Gott ist unser Leben nichtig. Warum? Die Antwort ist nicht zu schwer. Was haben wir in unserem Leben, was wir nicht bekommen haben, was uns nicht anvertraut wurde. Wenn wir dann das, was wir als Geschenk von Gott bekommen haben ohne ihn verwalten wollen, dann bringt es nur so viel, wie im Evangelium. Ich möchte dir Jesus nachfolgen, aber, aber, aber. Es ist immer ein Doppelakt, wenn es um die Heiligung des Lebens geht. Zuerst müssen wir erkennen, dass wir Gott brauchen. Gott werden wir wirklich dann erst brauchen wollen wenn wir ihn kennen werden. Wir müssen also dann Gott suchen um ihn zu treffen und kennenzulernen. Gott kennen bedeutet sein Wort kennen, sein Wort wahr nehmen, sein Wort schmecken und sich von dem Wort führen lassen, weil er in seinem Wort wohnt. Das Leben heiligen bedeute die Nachfolge. Geh meinen Weg, sagt Jesus. Geh mit mir. Die Welt wird dich oft komisch anschauen, dich altmodisch nennen, usw. Du aber komm und folge mir nach. Alles, was du nicht schaffst oder falsch machst, nehme ich auf mich. Ich werde es gerne tragen, weil ich dich lieb habe. Trage auch du die Lasten von anderen. So schaffst du etwas wirklich Neues und Nachhaltiges. Die Welt braucht es heute sehr. Beurteilen, mit Finger zeigen heute viele und haben für jede Frage sofort eine Antwort oder fertige Rezepte die Welt zu verbessern. So aber heiligt man nicht das Leben. Führt euer Leben in Gottesfurcht. Der neue Weg beginnt am Fuß des Kreuzes wo wir laut oder in der Stille bekennen: Herr, ich bin schwach, aber du bist stark. Hilf mir, ich möchte dir nachfolgen, auch in deinem Weg ans Kreuz. Denn so nimmst du alles was mich stört weg von mir. Ich kann nur mit dir auferstehen und weiß schon heute, was nach meinem Tod kommen wird.

Amen!

Pfr. Andrzej Fober