Misericordias Domini – Predigt

Hesekiel 34,1-2.10-16

Liebe Gemeinde!

Liebe Brüder und Schwestern!

Ein starkes aber auch klares Bild eines Hirten haben wir heute zweimal gehört: in dem Evangelium und in dem Predigttext  des Propheten Hesekiel. Um das Bild komplett zu machen – nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei – dürfen wir noch den vertrauten Psalm 23 dazu nehmen. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln”, „Pan jest pasterzem moim, niczego mi nie braknie”, „The Lord is my shepherd, therefor can I lack nothing”. Wer von uns kennt diese Worte nicht? Wir lernen sie von Kindheit an, wir kennen sie und sie begegnen uns von der Geburt bis zum Tod. Als wir geboren wurden hatten sicher unsere Eltern oder Großeltern diese Worte nicht nur einmal gesprochen, oder wir zur Konfirmation oder Firmung gingen, oder wir das Elternhaus  verlassen haben, weil wir unser Leben beginnen wollten, als wir heirateten und eines Tages eigene Kinder bekamen, war das Wort aus dem Psalm 23 sicher da. Wir hoffen auch, wenn unsere letzte Stunde schlagen wird, werden unsere Kinder, weitere Verwandte und Bekannte uns mit diesem Wort verabschieden. Weil das Wort vom guten Hirten so bekannt, so präsent in der Kirche und zu Hause mit uns da ist, wissen wir auch genau was das Wort uns schildert. Wir haben ein ganz scharfes und ideales Bild eines Hirten, das wir natürlich – wenn wir da in der Kirche sind – auf die Pastorinnen und Pastoren beziehen. Aber, ich würde sagen, nicht zu schnell. Beide Bilder eines Hirten aus dem Alten Testament betrafen natürlich das Volk Israel. Ein Weinberg und ein guter Hirte waren und sind bis heute Bilder, die in jeder Kultur klar sind. Eine gepflegte Herde, mit dicken und gesunden Schafen spricht genauso deutlich wie ein gepflegter Weinberg mit dicken, gesunden, saftigen Reben. Wenn man sich dann noch vorstellen kann, was man aus einem Schaf und den Trauben machen kann, ist das Bild nur positiv. Unendliche Reihen von Reben in Baden-Württemberg oder Österreich und die unzählige Schafe auf den dicken Weiden in Neu Seeland – um nicht in jeder Predigt Schottland erwähnen zu müssen – verschärfen das durchaus positive Bild. Aber, die Hirten weiden ihre Herden nicht immer so, wie es sein sollte. Man  könnte hier auch die Politiker und die VIPs des Landes mit einbeziehen aber ich denke es wäre besser, wenn wir bei denen bleiben, die das Volk zu Gott führen sollen. Das war ursprünglich das Ziel des Wortes des Propheten Hesekiel. Die Priester, die Schriftgelehrten, die geistliche Obrigkeit des Volkes hatten das Wort Gottes nicht gepflegt. Sie haben nicht die Wahrheit gepredigt, eher das, was das Ohr gerne hört. Auch damals gilt das Wort, das sagt: erkennt die Wahrheit, sie wird euch frei machen. Ohne Wahrheit kann man nie frei sein. Die Wahrheit macht uns frei von Lügen, nicht nur die Gedanken,  sondern auch unsere Zunge, Hände, Füße unterbinden und machen Sklaven aus einzelnen Menschen und ganzen Völkern. Sehr schnell kamen doch auf das Volk Israel Kriege, Verlust der Unabhängigkeit, Verlust des Staates  usw. zu. Die Kriege, Verbannung, Vertreibungen haben die Priester und das Volk nur teilweise zur Umkehr gebracht. Nach einer Niederlage suchten sie Gott, als alles wieder vorbei war, gingen sie wieder ihren eigenen Weg. Sind wir so anders als die Menschen im Alten Testament. Was haben wir in Europa, in der Welt, von dem 2. Krieg gelernt. Es sind schon 72 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges und es gibt immer noch Flüchtlinge, Obdachlose, Verfolgte wegen des Glaubens oder der Nationalität. Die Hirten in der ganzen Welt, die für ihre Völker Verantwortung tragen, weiden Ihre Schafe oft schlecht. Beispiel: ??? Wenn doch die Herde gut versorgt wird, vergisst sie oft den guten Hirten. Die Sache, kurz gesagt, mit den Hirten, ist heute nicht gut. Aber es gibt eine ständige Hoffnung, auf ihn, wie man sagt, ist immer Verlass. Es gibt einen Hirten, der treu bei seinem Volk steht. Er hatte sein Volk so geliebt, dass er sein Leben für das Volk geopfert hat. Sein ganzes Leben, alles was er tat hatte ein Ziel: Das Volk weiden, ihm das geben – auch von den irdischen Bedürfnissen – was für das Volk gut ist . Er wird sein Volk nie verlassen. Wenn wir ab und zu oder auch permanent mit unserem Pfarrer oder Pfarrerin nicht zufrieden sind, dann bitte vergessen sie nicht, dass wir auch nutzlose Diener oder Arbeiter im Weinberg Gottes sind, aber dieser Weinberg ist nicht unser Eigentum. Bitte vergessen Sie auch nicht, dass wir in der evangelischen Kirche glauben an das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Wir alle tragen Verantwortung für die Verkündigung. Ich muss für jeden Sonntag eine Predigt schreiben, aber eine Predigt ist nicht das ganze Leben einer Gemeinde. Ich lade Sie alle herzlich ein die Worte des Predigttextes, des Psalmes 23, die Rede Jesu die heute das Evangelium war, öfter zu betrachten und über unsere Rolle in der Verkündigung unserer Kirche 500 Jahre nach dem Aufbruch der Reformation nachzudenken. Wie immer die Frage: Wo bin ich in dieser Geschichte? „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Amen!

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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