Invocavit, 1. Sonntag der Fastenzeit

18.02.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus A, kein Gloria

Eingangslied EG 362 Ein feste Burg ist unser Gott
Predigtlied EG 365 Von Gott will ich nicht lassen
Nach Predigt Orgelmeditation
Lied (Beichte) EG 230 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herze
Schlusslied EG 89 Herr Jesu, deine Angst und Pein
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


2. Korinther 6,1-10

Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Gemeinde!

Der Predigttext soll immer mit der Hilfe der beiden Biblischen Lesungen aus der Liturgie des Tages betrachtet und ausgelegt werden. Dazu sind diese Texte auch immer da, für jeden Sonntag immer die Epistel oder die Lesung aus dem Alten Testament, das Evangelium und der Predigttext.

Heute sind diese anderen Texte sehr hilfreich wenn wir den Predigttext richtig verstehen wollen. Zuerst wurde uns die Geschichte der Versuchung Jesu erzählt. Diese findet im Leben Jesu nicht zufällig statt. Er kommt zurück aus Ägypten, Johannes der Täufer gibt Zeugnis von Jesus, dann kommt die Taufe, dann die Versuchung.

Niemand von uns Menschen wäre bereit dieser Versuchung widerstehen. In dieser Woche habe ich eine Nachricht im Radio gehört, dass ein Direktor einer Firma mit 35 TSD PLN bestochen wurde. Das sind ca. 8.500,00 Euro. Dann habe ich gedacht: für so eine kleine Summe so viel riskieren. Jetzt droht dem Mann eine Strafe von mehr als drei Jahren Gefängnis.

Jesus wurde die ganze Welt mit all ihren Schätzen vorgeschlagen. Er sagte nein! Jesu Antwort kann man kurz fassen: Er hatte mit dem Teufel eigentlich kein Gespräch. Jesus antwortet konsequent mit dem Wort des Vaters. Er zitiert die Bibel. Ist es nicht eine wunderbare Geschichte: Jesus, Sohn Gottes, in ihm ist das Wort Gottes Fleisch geworden, er kennt die Bibel, natürlich die damalige Bibel der Juden, also das Alte Testament. Er, der das Wort ist, kennt das Wort, spricht das Wort, lebt das Wort, verwirklicht das Wort. Wo befindet sich unsere Bibel? Wie oft lese ich dort?

Der Teufel hatte keine Chance. Deswegen endet die Geschichte der Versuchung so wunderbar: „Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm”. Möchten wir, dass die Engel zu uns kommen und uns dienen, so müssen wir dem Teufel „Nein” sagen. Nicht mit ihm reden und versuchen ihm etwas klar zu machen. Da haben wir keine Chance. Er ist viel cleverer als wir. Einfach sagen: Nein!

Weil Jesus dem Teufel ein klares und kategorisches NEIN gesagt hatte, durfte – unser unbekannter Verfasser des Briefes an die Hebräer – so schreiben: „Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis”. Dieser Jesus, wie wir weiter lesen dürfen, hat alles erfahren, was wir auch aus unserer Erfahrung kennen, jedoch ohne Sünde.

Er weiß von unserem Leben. Er war ein Mensch. Er hat alles erfahren, was wir erfahren. Keiner von uns musste solche Versuchungen durchstehen wie Jesus. Diese, aus dem heutigen Evangelium, war vielleicht nicht die schwerste. Die schwerste war vielleicht die am Kreuz: „Bist du nicht Sohn Gottes. Hilf dir selber und uns”!

Ein Hohepriester vertrat damals das Volk vor Gott im Tempel. Nur ein Priester durfte ein Opfer im Namen des Volkes Gott bringen. Diese Funktion wurde der Familie Levi gesichert. Sie mussten für den Dienst in dem Tempel sorgen.

Aber dieser Dienst ist mit Jesus zu Ende gegangen. Wir haben nur einen ewigen Hohenpriester, einen besseren brauchen wir nicht mehr. Er kennt beide Seiten: die irdische und himmlische. An ihm sollen wir festhalten und immer zu ihm hintreten. Er verritt uns vor seinem Vater, mit dem er und der heilige Geist eine Einheit bilden. Zu wem sollen oder wollen wir noch kommen?

Der Apostel Paulus schildert in dem Predigttext heute die helle und dunkle Seiten des Dienstes in der Kirche Jesu. Es ist kein leichter Dienst. Der Teufel, so lesen wir in der Geschichte der Versuchung Jesu, hat Jesus verlassen, aber nicht die Welt.

Wo sich die Kirche Jesu in der Welt verwirklicht, dort meldet sich der Teufel. Wenn wir in dieser Kirche auch winzig kleine aber gute Sache beginnen werden, wird sich der Teufel sofort melden um es kaputt zu machen.

Deswegen ist unser Dienst, die Geschichte der Kirche auch, immer so und so, nach oben, nach unten gerichtet. Diese Erfahrungen aber sollen uns niemals entmutigen, um diesen Dienst zu verwerfen, weil Jesus noch da ist. Wir sind alle Arbeiter in seinem Weinberg, und auch wenn wir nur eine Stunde gearbeitet haben, hat es für den Weinberger auch eine tolle Bedeutung. Nicht vergeblich haben wir die Gnade Gottes bekommen, um jetzt zweifeln zu müssen. Nicht zufällig und vergeblich haben wir unsere Kirche vor 60 Jahren von der Stadt als kostbares Geschenk bekommen, um sich darüber bis heute nicht freuen zu wollen oder zu können.

Oft sind wir wie Arme, die doch viele reich machen; als solche, die nichts haben, und doch alles haben.

Viel Freude, Mut und Hoffnung fließt aus diesen Worten des Apostels Paulus wenn man sie mit diesen drei anderen biblischen Stellen betrachtet. Es ist alles sehr logisch und konsequent. Die Logik des Glaubens, die besondere Logik Gottes, der uns durch das Leben führt oder gehen lässt.

Wir, die stolzen Menschen des XXI Jahrhunderts, denken oft an das, was wir alles geschafft und erreicht haben, aber dann eines Tages sehen wir, dass wir einfach von Gott geführt worden waren. Er ließ uns das und jenes tun. Diese Worte des Paulus sind ein Beweis dafür. Da schreibt einer, der schon etwas erfahren und festgestellt hat, dass es ohne Gott in der Kirche und in unserem Leben einfach nicht geht. Wir haben einen Zugang zu Gott durch den besten Hohenpriester der Welt, aber wir lassen ihn oft in Ruhe.

Wir haben sein Wort in der Bibel und mit diesem Buch können wir Antworten finden auch für heutige Fragen. Aber wie oft suchen wir die Antwort woanders. Oft ist es genau umgekehrt mit uns zu dem was Paulus schreibt: Als die Armen, die doch viele reich machen – so Paulus. Wir aber sind reich und machen oft andere arm.

Uns ist wieder die Fastenzeit geschenkt worden, um die Zeit unseres Lebens erneut tief zu bedenken. Ich wünsche es uns und mir, dass wir nie aufhören das zu versuchen. Auch in unser Nachdenken wird der Teufel treten und sich melden und wird versuchen die Gedanken woandershin zu lenken. Halten Sie sich, liebe Gemeinde, das Bild Jesu vor Augen wie er mit dem Wort der Bibel antwortet. Ein starkes Bild!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober