Fest der Taufe Jesu – Predigt

Matt 4, 12-17

Liebe Gemeinde!
Liebe Brüder und Schwester!

Heute feiern wir den ersten Sonntag des neuen Jahres. Ich hoffe es und wünsche uns allen, dass wir hier im neuen Jahr viele Begegnungen mit dem Wort Gottes erleben werden, aber auch miteinander. Eine Gemeinde entsteht und funktioniert nur dann, wenn das Wort Gottes gepredigt wird und Menschen sich treffen und durch dieses gepredigte Wort sich bewegen lassen.

Wohin, oder zu was sollen sich die Menschen durch das Wort bewegen lassen? Zum besser zu sein. Besser für sich selbst und besser zueinander. Ein besseres Leben
in der Sprache der Bibel bedeutet ein heiliges Leben. Der Heilige Gott sagt uns in seinem Heiligen Wort: Seid heilig, weil ich heilig bin! Dieses Wort sagt ganz klar, wir sollen unser Leben heiligen. Tagtäglich.

Ist das möglich? Natürlich! Sagt uns jemand: du, male diese Wand rot – so nehmen wir die rote Farbe und malen die Wand rot. Unser Leben können wir heiligen, also immer besser machen, nur durch das, was heilig ist.

Weil wir den Heiligen Gott in seiner Dreifaltigkeit nicht sehen, die Nachfolge dadurch leider schwer ist. Es ist schwer jemanden zu beobachten und von ihn etwas
zu lernen wenn man ihn nicht sieht. Wie bei den Kindern: die lernen zuerst, am besten, diese Lehre prägt unser Leben am tiefsten, wenn sie die Eltern beobachten. Wenn die Mutter oder der Vater allein die Kinder erziehen müssen, da ist die Lehre nur zu 50% absolviert.

Wir sehen Gott überhaupt nicht. Viele Männern und Frauen in der Bibel wollten Gott sehen, aber das Sterbliche kann das Ewige nicht sehen. Deswegen hat uns Gott sein Wort gelassen, verschenkt.
Mit diesem Wort können wir, dürfen wir, müssen wir uns und unser Leben heiligen.

Johannes der Evangelist hat es auf dem Punkt gebracht: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort”. Hier ist alles gesagt! Gott wohnt in seinem Wort und dieses ewige Wort kann bei uns, in uns wohnen.

Martin Luther hat eine phänomenale Sache gemacht.
Er hat das Wort Gottes, zu seiner Zeit in der Kirche vergessen, wieder ans Licht gebracht. Voriges Jahr,
die Stadt Wittenberg war fast ein Zentrum der Welt – weil vor 500 Jahren die Reformation dort den Anfang genommen hat. Aber damals, zur Zeit Luthers, war es eine Stadt ohne große Bedeutung. Es gab zwar eine Uni dort, aber diese Uni konnte sich mit Heidelberg, Leipzig, Marburg nicht messen. Oxford oder Cambridge waren eine andere Welt. Aber dort, in einer übertragenen Weise natürlich, hatte Martin Luther eine fantastische Sache gemacht: er nahm die verstaubte Bibel aus einer vergessenen Ecke der Kirche und legte sie wieder kräftig auf den Altar und die Kanzel und sagte: Nur dieses Wort gilt. Da ist Gott präsent. Ich kann so stehen wie ich stehe, weil das Wort heilig ist. Das Wort ist das Licht der Welt, dort ist die Wahrheit.

Niemand, auch der starke Kaiser, Karl der V, mit dem ganzen Reichstag konnten nichts tun, gegen einen armen Mönch. In der dunkelsten Zeiten der Kirche beginnt Luther eine neue Zeit.

Genau so, wie Jesus in dem Predigttext. Die Überschrift heißt: Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa. Vor kurzem haben wir Weihnachten gefeiert. Gott, der Mensch geworden ist, kommt in die Welt, nicht nach Rom. Er ist am Rande des Reiches geboren, in einer armen Stadt Betlehem. Dort auch nicht in einem schönen Hotel, sondern in einem Stall. Nicht unter den Mächtigen, sonder unter den Tieren. Er wurde in die Krippe gelegt.

Der Herr der Welt kommt in die Welt in äußerster Armut. Er beschämt uns damit. Damit sendet er ein starkes, ewiges Signal. Nicht der Reichtum zählt. Vor allem nicht, wenn es um die Würde des Menschen geht. Der Mensch ist nicht das, was er an sich hat, sondern was er in sich hat. Entscheidend wird das Trachten des Herzen des Menschen.

Wo beginnt Jesus sein Werk, um unsere Herzen
zu erneuern? Im Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Zebulon und Naftali. Auch Galiläa der Heiden genannt. Hat das eine Bedeutung? Natürlich. Alles in
der Bibel hat eine Bedeutung. Die Stämme Zebulon und Naphtalin waren um 732 v. Chr. von den Syrern verschleppt worden.

Seitdem wurde das Gebiet am See Genezareth und ganz Galiläa auch von vielen Nicht-Israeliten bewohnt. Ethnisch war das Land längst nicht mehr jüdisch.
In dieser dunklen, dunkelsten Ecke Israels beginnt Jesus sein Wirken.

Dort, wo es ganz dunkel war, bringt Jesus das Licht des Vaters, sein Wort, ewiges Wort und sagt: die bittere Vergangenheit ist nun Vergangenheit. „Ich bringe euch das Wort der Wahrheit, des Lebens, das Wort der Liebe.

Es kann heller sein in eurem Leben, aber ohne das Wort geht es nicht. Ohne das Wort werden wir immer dumme Menschen bleiben, weil die Weisheit in dem Wort ist. Wirklich weise können wir nur in dem Wort Jesu und Gottes sein.

Diese Weisheit wünsche ich uns allen in diesem neuen Jahr!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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