Fest der Apostel Simon und Judas

22.07.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Lutherische Heilige Messe

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Introitus EG 404 Herr Jesu, Gnadensonne
Graduale EG 193 Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort
Predigtlied EG 298 Wenn der Herr einst die Gefangnen
Nach Predigt Orgelmeditation
Offertorium EG 213 Kommt her, ihr seid geladen
Schlusslied EG 157 Lass mich dein sein und bleiben
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor u. Organist


Römer 7, 24-25

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Es passiert ab und zu dass wir im Schlaf etwas Schreckliches träumen und plötzlich mit dem Schrei des Erschreckens aufwachen. Ein paar Sekunden dauert es bis wir sicher sind, dass wir nicht mehr im schrecklichem Traum sind, sondern im Bett zu Hause. Wir sagen dann: Gott sei Dank, es war nur ein Alptraum. So war es mit dem Apostel Paulus. Der Brief an die Römer wurde durch einen Menschen geschrieben, dem die Gnade Gottes widerfahren war, die Wahrheit und die Freiheit Gottes wurden ihm geschenkt. In dem Abschnitt seines Briefs, den wir heute in der Predigt gemeinsam betrachten, erinnert er sich noch kurz an den Zustand eines Mannes der unter dem Gesetzt steht. Es war ein Alptraum, der sich immer wieder ereignet, wenn man Jesus aus der Sichtweite verliert und nur auf sich selbst schaut. Es ist eine innige Erfahrung des Apostels. Auch nach der Bekehrung, was ein Wunder war, ist seine menschliche Natur auch immer noch da. Immer wieder musste er erfahren wie hilflos der eigene, menschliche Wille ist. Jede Forderung des Gesetzes Gottes, die immer gut und legitimiert war, zeigte sich als unmöglich zu erfüllen nur mit dem guten Willen des Menschen. Wir dürfen es eine Tragödie des guten Willens nennen. Wir in Polen kennen einen Spruch, der doch einen tiefen Sinn hat: Mit dem guten Wille ist die Hölle gekachelt. Das bedeutet: jeder Mensch hatte in seinem Leben oft gute Ideen, die leider nie realisiert wurden. Wie beim dem Philosophen Plato: Ideen sind nur Ideen geblieben. Paulus nennt es anders in einem Satz den wir aus zwei Gründen gut kennen: erstens – es ist auch unsere Erfahrung; zweitens – wir kennen den Satz aus dem Gottesdienst, weil wir nicht das erste Mal in der Kirche sind. Der Satz lautet: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich”. Der Apostel Paulus, der große Apostel der Nationen genannt, der von allen Christen sehr hoch geschätzt ist, viele Kirchen sind nach ihm benannt, seine Briefe an die Gemeinden in Kleinasien wurden abgeschrieben, weitergesendet und eifrig gelesen, gepredigt, diese sind heute als fester Bestandteil im Neuen Testament zu finden, dieser schreibt: „Ich ein elender Mensch! Wer wird mich erlösen?” Er wusste es, er hatte es in der Bekehrung bei Damaskus hautnah erfahren, dass der Mensch, wenn es um seine Erlösung geht, total von Christus abhängt. Die Engel sagen den Hirten: Euch ist der Heiland geboren”. Heiland, Heilung, geheilt zu werden, gesund zu werden, diese Begriffe gehören zusammen. Er hatte diese Erkenntnis die sich heute bei vielen durchsetzt, die lange Jahre behauptet haben, dass der Mensch von Natur gut ist. Es gibt unzählige Artikel und wissenschaftlichen Werke die meinen, dass es in der Entwicklung des Menschen zu einem kleinen Defekt gekommen sei. Wäre es möglich diesen Defekt zu korrigieren, dann würde es möglich die Krankheit zu heilen, aber auch die Natur so zu ändern, dass der Mensch nur das Gute tun wird. Nicht der Mensch ist schuldig, dass er Böses tut, sonder die Natur. Der Apostel Paulus sagt demütig: „Ich ein elender Mensch! Wer wird mich erlösen?”Was sagen wir? Wir sagen heute genau das: Ich bin nicht schuldig, ich brauche keine Vergebung, weil ich mir selbst vergeben kann, ich bin eine freier Mensch, ich weiß, was ich tue. Ich tue vor allem das, was für mich und meine Familie gut ist. So geht man Richtung Selbsrechtfertigung, in der man kein Gottes Wort braucht, sondern ein Wort des Menschen, am besten ein eigenes Wort. Wenn man sich selber rechtfertigt, produziert man auch eine eigene Wahrheit, um die Taten zu rechtfertigen. Dann gilt die Wahrheit Gottes nicht mehr, sondern meine Wahrheit, Ihre Wahrheit, kollektive Wahrheit u.s.w. Es ist ein falscher Weg. Der Weg des Paulus nach Damaskus war auch ein falscher Weg. Dank Gottes Gnade hatte Paulus das Ziel nicht erreicht. Gott sei Dank, manche unserer Ideen und Pläne ist auch das Endziel nicht geschenkt. Wir dürfen uns ändern; nicht durch irgendeine genetische Modifikation oder irgendeine Reparatur der Natur, sondern nur durch die Bekehrung, wenn Gott es will, nicht wir. Wir dürfen nur um die Bekehrung beten. Mit eigenen Kräften schaffen wir es nicht. Wenn sich das eines Tages doch ereignet, dann rufen wir wie Paulus: Dank sei Gott durch Jesus Christus, unserem
Herrn.

Amen.

Pfr. Andrzej Fober, Propst