Epiphanias – Erscheinung des Herrn

6.01.2019

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Breslau, St. Christophori-Kirche, 18:00 Uhr, Der Gottesdienst der neun Lesungen und Weihnachtslieder

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 45 Herbei, o ihr Gläub’gen
Predigtlied EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern
Nach Predigt EG 66 Jesus ist kommen
Lied (Beichte) EG 213 Kommt her, ihr seid geladen
Schlusslied EG 44 O du fröliche

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor und Organist


Matt 2,1-12

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir werden diesen Text heute zweimal hören: jetzt eben und im Gottesdienst der Neun Losungen und Weihnachtslieder, der um 18.00 Uhr beginnt. Diese Worte passen auch zu zwei Ereignissen der Gesichte der Erlösung der Menschheit: Zum Epiphanias Fest und zu Weihnachten wird dieser Abschnitt gelesen. Schon bei der Geburt Jesu zeigte sich klar, dass die Ersten die Letzten, und die Letzten die Ersten sein werden. Die Frommen aus dem Volk Israel, die Schriftgelehrten, die Ältesten, der König von Israel und sein Hof haben von Heiden erfahren, dass der längst erwartete König von Israel geboren wurde. Diese Menschen hatten das Alte Testament nicht gelesen und kannten die Propheten nicht. In ihren Büchern hatte sie nur kleine Bemerkungen über der Wahrheit Gottes. Sie wussten nicht wo Christus geboren sein wird und doch sind sie los gegangen, weil sie den Stern gesehen haben. Die Weisen des Volkes Israel wussten ganz genau wo Christus geboren wird. Es war klar in den Büchern der Propheten geschrieben. Man kann sagen: jedes Kind wusste es. Es war klar, dass er eines Tages kommen wird. Nur eine Frage war nicht beantwortet: wann es seinwird. Sicher aber in Betlehem. Auf die Frage des Herodes: „wo der Christus geboren werden sollte?”hatten sie sofort geantwortet: „In Betlehem, in Judäa; denn so steht es geschrieben”. Der König wusste es nicht, die Schriftgelehrten wussten es, aber sie sind dort nicht hingegangen. Der neue König ist geboren und sie sind zuhause geblieben. Selbst Herodes nennt das Kind „Christus”, es bedeutet Messias, also viel mehr als nur ein König. Er geht aber nicht dorthin, ihn zu sehen. Warum sind sie nicht gegangen? Sie schämten sich! Gut ausgebildet, einflussreich, mächtig, gut gekleidet wollten sich nicht auf den Weg durch den Schmutz und Dreck machen. Sie waren nicht bereit zu sagen: Wir sind gekommen dich anzubeten und uns vor dir zu beugen. Sie waren nicht bereit zu sagen: Führe du uns jetzt, zeige uns den Weg, segne uns, erneuere uns an Leib und Seele. Besser sich vor dem Kamin bequem machen und abwarten was wird sein. Man kann die ganze Schrift kennen, alle Antworten auf die Fragen des Lebens und doch ferne von der Wahrheit leben. So lange das Wort Gottes keine Fackel für meine Füße und kein Licht für meinen Weg ist, den ich gehe, besteht immer die Gefahr, dass wir doch die Letzten werden, obwohl wir schon mal die Ersten waren. Die Weisen aus dem Morgenland haben den Weg zu Jesus gefunden. Sie haben einen langen Weg gemacht. Sie haben nur wenige Informationen darüber, aber wussten, dass es einen neuen König geben wird. Ob sie schon damals wussten wie sich das Leben dieses Königs entwickeln wird, wissen wir nicht. Sie haben doch gespürt: es ereignet sich etwas Wichtiges. Wir müssen dort sein. Wir müssen den König sehen, weil sich auch die Sterne am Himmel außerordentlich bewegen. Sie haben Jesus mit ganzem Herzen gesucht, und haben ihn gefunden. Gott ist ein Gott der im Verborgenen lebt. Die Menschen von Anbeginn der Welt wollten immer Gott sehen. Er lässt sich finden, fast immer auf die eine oder andere Art und Weise: manchmal in einer Wolkensäule, eines Tages in einer Lichtsäule, in einem starken Wind, oder in einem Hauch, in einem brennendem Busch oder einem Blitz. Seit Weihnachten lässt sich Gott finden in einem Kind, in einem Menschen. Dieser Jesus sagte eines Tages: Was habt ihr einem von meinen geringstem meinen Brüder getan, das habt ihr mir getan. Seit diesem Wort begegnen wir Christus in anderen Menschen. Wir begegnen ihm seitdem nicht nur in der Kirche im Sakrament oder in seinem Wort, sondern auch in einem Kranken im Krankenhaus, bei einem Besuch zu Hause, in einem armen Kind, in jedem von uns. Dieser Jesus wurde den Weisen offenbart und hat ihren Gruß angenommen. Seit diesem Moment ist Jesus nicht nur ein Retter für das Volk Israel, nur für seine Leute, sondern für alle Völker der Welt. Allen sagt er bis heute: suchet mich, ich werde mich finden lassen. Der Besuch von drei Weisen in Betlehem ist die Erfüllung des Wortes aus dem Buch des Propheten Jeremia 29, 11-14: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, (…). Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen”. Mögen auch wir so beharrlich dem Wort Gottes gehorsam sein und die Wege Gottes suchen, so werden wir die Wege des Herodes umgehen können. Wir müssen es nur mit ganzem Herzen tun. Egal was wir tun müssen, wenn wir nicht mit unserem Herz dabei sind, dann wird aus unserer Arbeit nicht sehr viel sein. Die Weisen haben mit ganzem Herzen gesucht und gefunden und haben damit eine Geschichte geschrieben, über die man heute noch spricht und sich zu recht inspirieren lässt. Die Letzten sind die Ersten geworden. So ist die besondere Logik Gottes. Gott sei Dank.

Amen!