Christfest

25.12.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 45 Herbei, o ihr Gläub’gen
Predigtlied EG 30 Es ist ein Ros entsprungen
Nach Predigt EG 53 Als die Welt verloren
Lied (Beichte) EG 39 Kommt und lasst uns Christus ehren
Schlusslied EG 44 O du fröhliche

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Artur Piwkowski, Sub-Organist


Jesaja 7,10-14

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Theologen benutzen sehr oft statt des Worts Geschichte, das Wort Ereignis. Die Geschichte Jesu ist ein Ereignis. Es ist ein großes Ereignis. Das Wort Gottes, das ewige Wort Gottes, durch das alles entstanden ist, auf Griechisch Logos oder Sohn Gottes genannt, dieser ist Fleisch geworden. Der Sohn Gottes, der bei Gott in der Ewigkeit immer da war, wurde so geboren wie jeder und jede von uns. Das ist ein Ereignis. Das Ereignis Jesu Christi, dass Jesus Mensch geworden ist, ist absolut konkret und absolut universal. Das bedeutet weiter: In Ihm haben alle alles! Dieses Ereignis – Jesus Christus – hat das Leben in sich. Deswegen durfte Apostel Paulus einige Jahre nach der Geburt Jesu schreiben: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden(2. Kor 5, 17) oder im Römerbrief schreibt er: Ich bin gewiß, daß weder Tod noch leben weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn(Röm. 8, 38-39). Dieses Ereignis feiern wir an Weihnachten. Gott ist Mensch geworden und spricht zu uns in der Sprache des Menschen. Das übersehen wir sehr oft. Aber weil Gott zu uns in menschlicher Sprache spricht, konnten diese Worte aufgeschrieben werden und dann später in alle Sprachen der Welt übersetzt werden. Durch das Feiern bekennen und verkündigen wir den Sieg Jesu Christi über allen und über alles, über alle teuflischen und natürlichen Kräfte, die immer wieder versuchen, uns von Gott zu trennen. Weil Jesus alles für alle ist, kennt er alle Antworten auf die Fragen, die wir uns in unserem Leben oft stellen. Es geht natürlich nicht um Fragen, z. B. wo soll ich ein Geschenk für meine Frau kaufen, da oder dort? Ein Geschenk für eine Person, die wir lieben, ist sehr wichtig, aber davon hängt doch nicht das ganze Leben ab. Sie, liebe Schwestern und Brüder, wissen es genau, welche Fragen ich meine, die für uns wichtig sind. Es sind die Fragen und Antworten, die dann später Einfluss auf das ganze Leben nehmen. Oft stehen wir vor einer Entscheidung, die eine Auswirkungen auf das ganze Leben hat. So was erzählt uns auch heute die Geschichte aus dem Alten Testament. Es ist um das Jahr 730 vor Christus. Das Königreich Israel ist seit mehr als 200 Jahren geteilt. Das südliche Teil Judäa mit der Stadt Jerusalem, wo das Haus des Königs Davids war, bildet jetzt ein separates Königreich Juda. Der Rest im Norden heißt Israel. Diese zwei Königreiche kämpfen brutal und blutig gegeneinander. Sie schließen Bündnisse mit anderen benachbarten Königreichen, um den Gegner zu bekämpfen. Das Königreich Israel wollte immer das abgesonderte Königreich Judäa wiedergewinnen und annektieren. Während die aus dem Süden es natürlich nicht wollten, sie wollten unabhängig bleiben. Natürlich, weil das Königreich Israel viel größer und mächtiger  war, lebten die im Süden in ständiger Angst und Furcht. So beginnt auch die ganze Geschichte im Buch Jesaja: Es begab sich zur Zeit des Ahas, des Königs von Juda, da zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach,    der Sohn Remaljas, der König von Israel, herauf nach Jerusalem, um es zu bekämpfen. () Da bebte ihm, dem König Ahas, das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Winde.“ Haben Sie es einmal erlebt, liebe Brüder und Schwestern,  dass Ihr Herz bebte, wie die Bäume im Walde beben vom Winde? Es war ganz sicher keine gute Zeit. Es war auch keine gute Zeit für den König Ahas und sein Königreich.    Er war leider kein guter König. Er hatte den wahren Gott vergessen und führte das ganze Volk zu einem falschen Dienst zu Ehren Gottes. Mit diesem falschen Gottesdienst machte der König Gott und das Volk müde. Der Prophet Jesaja wollte dem König sagen: Dieser falsche Gottesdienst, das Anbeten von falschen Göttern hatte dazu gebracht, dass du und dein Volk beben wie die Bäume im Walde beben vom Winde. In der Stunde des höchsten Gefahr war der König auch nicht in der Lage, sich zu entscheiden, Gott um ein Zeichen zu bitten, was zu tun sei, als die beiden Armeen Jerusalem belagerten, um sie zu erobern. Da verkündete Jesaja dem König Ahas: Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel(Jes. 7, 14). Der König, als Oberbefehlshaber der Armee, wartet auf irgendeinen Hinweis, wie die Stadt und das Reich zu verteidigen sei, und plötzlich hört er solche Worte: Eine Jungfrau wird ein Kind gebären. Das ist lächerlich, grotesk! Und so ist es bis heute für viele. Christen glauben, dass Gott als Kind in der Krippe liegt. Es ist komisch. Aber die ersten Christen waren bereit eher ihr Leben zu opfern als zu verleugnen, dass sie an Ihn glaubten. Irgendwie haben sie alles gemacht, um den Glauben zu retten, dass Jesus der wahre Logos ist, das Wort von Gott und von Gott. Er ist Mensch geworden. Dieser Jesus war in seinem Wirken, Handeln, Predigen absolut konkret und absolut universal. Jeder und jede durfte zu jeder Stunde zu Ihm kommen und durfte Ihm das ganze Leben erzählen. Er wusste immer eine gute Antwort und zeigte immer einen guten Weg zur Besserung oder Befreiung. Jesus wollte nicht, dass nur das Volk Israel und Juda frei leben und nicht wie die Bäume im Walde beben vom Winde. Jesus wollte, dass jeder und jede von uns frei lebt und sich am Leben freut. Deswegen haben wir das Zeichen der Jungfrau erhalten. Der Sohn ist uns geboren. Immanuel, das bedeutet: Gott mit uns!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober