5. Sonntag nach Trinitatis

1.07.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus B

Eingangslied EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Predigtlied EG 241 Wach auf, du Geist der ersten Zeugen
Nach Predigt Orgelmeditation
Lied (Beichte) EG 367 Herr, wie du willst, so schick’s mit mir
Schlusslied EG 193 Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


1. Mose 12, 1-4a

Gestern habe ich den Predigttext in der Bibel aufgeschlagen, am Tag meiner Ordination vor 32 Jahren in der Schlosskirche zu Gross Warteberg (heute Syców). Die ganze vorige Woche war voll von guten und tiefen Erinnerungen. Drei Tage war ich beim jährlichen Pastorenkonvent, diesmal in Nikolaiken in Masuren. Die Gesichter, die ich einst kannte als ich das erste Mal beim Konvent war, sind meistens nicht mehr da. Mit Furcht und Zittern gingen wir, die frisch ordinierten Pastoren, gemeinsam mit den älteren Brüdern im Amt,  zum Essen und unterhielten uns unterwegs. Die Persönlichkeiten der damaligen Kirche, die wir nur vom Kirchenblatt her kannten, saßen jetzt mit uns beim Tisch. Jetzt gibt es bei diesen Begegnungen zwei Drittel Gesichter die ich nicht kenne und ich bin mir auch nicht sicher, ob die jüngeren Amtsbrüder und heute auch Amtsschwestern, so mit Furcht und Zittern uns die Suppenschüssel hinreichen, wenn wir miteinander am Tisch sitzen. Natürlich die Themen, die heute beim Konvent auf der Tagesordnung stehen, wären damals nicht vorstellbar gewesen. Die Zeiten sind anders, eine so oft gehörte Antwort. Nach dem Konvent, unterwegs habe ich die Gemeinde in Sorquitten besucht, wo ich im Jahre 1983, bei einem Jugendlager, ein hübsches Mädchen gesehen habe,mit einem Familiennamen, den niemand richtig aussprechen konnte. Diese Tatsache hat mich noch neugieriger auf sie gemacht. Ich wollte sie unbedingt kennen lernen und wie wie Sie alle inzwischen ganz gut wissen, gebe ich nicht so einfach auf. Sie hieß Aldona Simone Gundlach. Am Donnerstag werden wir offiziell 32 Jahre zusammen sein. Unser gemeinsamer Weg in der Kirche begann mit dieser Ordination in Sycow. Eine Ordination ist auch eine Entsendung. Ich möchte nicht sagen, dass unsere Entsendung der Entsendung von Abraham gleicht. Jedoch war eine desolate Pfarrwohnung ohne Heizung für den Winter wenig ruhig und freudig. Was aber wichtiger ist: Über der Entsendung in den Dienst der Kirche genau so wie über der Entsendung von Abraham, steht Gottes Segen. Kein Pfarrer oder Pfarrerin wissen am Tag der Ordination, wohin der Weg sie führen wird. Ich, wie Sie wissen, stamme aus Teschen. Meine Kirche ist die größte evangelische Kirche in Polen und die Gemeinde zählt über 8 Tsd Seelen. Aber seit der Ordination bin ich immer in der Diaspora. Manchmal feiern wir den Gottesdienst zu dritt, zu viert. Dort in Teschen und hier in Schlesien, in Lauban, steht über uns der gleichen Segen Gottes. Keiner, egal wo er wohnt oder dient, kennt die Zukunft die vor uns liegt. Was sicher ist, ist das Wort, das Abram, später auch Abraham genannt, von Gott auf den Weg bekommen hat: Ich will dich segnen. Das bedeutet: ich werde mit dir gehen, ich will sorgen. Wenn ich dich sende, dann übernehme ich natürlich alle Verpflichtungen, die zu der Erfüllung des Auftrags nötig sind: Wasser, Essen… Wenn Gott sagt: „ich will dich zum großen Volk machen” – bedeutet es: Du wirst ein großes Volk. Was mich in dieser Geschichte immer bewegt ist die Tatsache, dass Abraham an einen Gott glaubte, den er nicht gekannt hat. Es war die erste Begegnung Abrahams mit Gott. Diese kurzen Worte reichten vollkommen. Das zweite ist: Abraham glaubte an Ereignisse die er nie sehen sollte.  Was ihm versprochen wurde, sollte sich erst nach mehreren Jahrhunderten verwirklichen. Doch, wie wir lesen: Da zog Abraham aus! Ohne ein Wort zu fragen. Gott verspricht uns nicht, hat uns nie eine große Kirche versprochen. Jedenfalls ich habe es bei meiner Ordination nicht gehört. Ich habe gehört: Geh und predige das Evangelium, egal ob die Zeit gut oder schlecht ist. Was uns von Abraham unterscheidet: wir kennen Gott. Jesus hatte uns seinem Vater offenbart , sein Wort auch. Wir gehen in die Welt, nicht wie Abraham ohne genau zu wissen in wessen Auftrag wir predigen, taufen und ermahnen. Wir tun es im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Dieser Gott, den wir im Glaubensbekenntnis bekennen, geht vor uns, mit uns und hinter uns. Er geht auch mit Ihnen in Aschaffenburg, auch in der Zeit wenn Sie jetzt eine Pfarrstelle frei haben und sich sorgen wer da weiter predigen wird. Die Kirche ist eine Kirche Jesu Christi. Auch wenn es in der Kirche manchmal Entwicklungen gibt die wir nicht verstehen und meinen sie sollen keinen Platz unter uns haben, es ändert nichts an der Tatsache, dass Jesus Herr der Kirche ist und bleibt. Wir sind die Verwalter der Gaben und Geheimnisse, die uns anvertraut sind. Halten wir uns alle fest an dem Wort Gottes: Ich will dich segnen!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober