4. Sonntag nach Trinitatis – Predigt

1. Mose 50,15-21

Liebe Brüder und Schwester!

„Gott wirkt im Verborgenen” – soll Martin Luther gesagt haben. Dieser Satz hat natürlich weitgehende Konsequenzen, die man sich nicht sofort vorstellen kann. Dieser Satz bedeutet, dass wir in unserem Leben nicht immer die leitende Hand Gottes sehen oder spüren dürfen. Es kann lange Monate, sogar Jahre geben, da wir keine Führung Gottes merken. Dann stellen wir uns die Frage, oder sie wird  uns gestellt: wo ist denn dein Gott.

Die mit Jesus gekreuzigte Verbrecher, mindesten einer von diesen, hatten auch diese Frage gestellt, wenn auch nicht direkt: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Das bedeutet: wo ist dein Gott, dein Vater? Warum schweigt er, warum reagiert er nicht?

Die Atheisten stellen diese Frage sehr gerne den Christen, also uns: Wo ist euer Gott? Wo war er im 2. Weltkrieg? Wo ist euer Gott heute, wenn die Christen in Syrien so eine Zeit erfahren müssen. Es kann sein, dass es in Syrien keine Christen mehr geben wird.

Als Quirinius Statthalter in Syrien war, beginnt die Geschichte mit der Geburt Jesu!

Warum ist es so, dass wir das Wirken Gottes so kaum beobachten können und den Atheisten keine Antwort geben können, dass sie uns nicht mehr fragen und zu glauben beginnen. Da hilft uns vielleicht ein anderer Satz die Antwort zu finden, den ich einmal auf einer Postkarte gefunden habe: Gott hat keine anderen Augen als unsere Augen, keine anderen Ohren als unsere Ohren, keine anderen Hände als unsere Hände, keine andern Beine als unsere Beine, kein anderes Herz als unser Herz.

Sehr oft setze ich mich am Abend an meinen Schreibtisch, mache eine gute Musik an und schreibe Dankbriefe. Meistens lege ich eine Bestätigung über eine Geldzuwendung bei, weil eine weitere Spende angekommen ist und ich möchte im Namen der Gemeinde allen Spendern danken. Jedes Mal schreibe ich frei formulierte Gedanken, so dass es niemals das Gleiche ist.

In der vergangen Woche ist mir dieser Gedanke durch den Kopf gegangen: Lieber Herr/Liebe Frau, Ihre Spende bestätigt in einer wunderbaren Weise, dass Gott die Seinen nie vergessen wird. Er wirkt im Verborgenen. Er ist mächtig seine Pläne auch ohne uns zu verwirklichen. Aber aus seiner Liebe und Gnade lässt er uns gute Werke tun und einen Anteil daran haben. Er hat keine anderen Helfer in der Welt als uns. Ihre Spende ist ein Beweis dafür!

Davon erzählt auch die Geschichte, aus der der heutige Predigttext stammt – Joseph und seine Brüder. Eine lange aber bewegende Geschichte die nicht nur zeigt, dass Gott im Verborgenen wirkt. Diese Geschichte beinhaltet einen der wichtigsten Sätzen in der Bibel, der uns vielleicht nicht sehr viel verstehen lässt, aber ahnen lässt, wie Gott ist, oder wer ist Gott.

Dieser Satz lautet: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen”. Gott ist in der Lage unsere mit Absicht begangenen schlimmen Taten ins Gute zu verwandeln. Aus dem Bösen des Menschen ist Gott in der Lage, ins Gute zu wenden. Es ist natürlich keine Einladung  zu tun, was wir wollen, mit der Überzeugung Gott wird es sicher wieder gut machen wollen.

In diesem Satz versteckt sich Gott in seiner ganzen Majestät. Er bespricht mit uns seine Pläne nicht, er muss sich nicht entschuldigen, er muss uns nichts erklären. Er führt jeden von uns durch das Leben wie er will, aber wir sind kein Spielzeug in seiner Hand. Wir sind ihm teuer. Sein Sohn, hat uns und die Welt, in der wir leben, so geliebt, dass er sein Leben für uns gegeben hat. Bevor er aber das gemacht hat, hatte er unser Leben gelebt. Jesus ist deswegen kein Theoretiker des Lebens. Als Gottes Sohn hatte er auf seine göttliche Macht verzichtet, mit ihr wollte er nicht die Welt erobern und sie regieren. Er hatte die Welt geliebt, hat uns den Weg gezeigt, den wir gehen sollen.

Joseph, in der alttestamentlichen Erzählung, kündigt Jesus an. Vor allem übt er keine Rache an seinen Brüder. Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht,  was sie tun. Joseph sagt zu seinen Brüdern genau die Worte die Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern sagt: Fürchtet euch nicht. Ich bin da. Ich will euch und eure Kinder versorgen.

Und so versorgt uns Jesus durch seine Liebe und Gnade mit dem, was wir zum Leben brauchen. Unsere Aufgabe ist dabei nicht zu vergessen, dass wir seine Ohren, Hände, Beine, Augen sind. Er hat keine anderen Mitarbeiter in seinem Weinberg als nur uns. Er hat kein anderes Herz als unser Herz. Wo schlägt dann unser Herz, für wen. Wer kann es spüren, dass wir an ihn, an sie denken und das Leben hell machen.

Wenn Gott auch unserer falsche Entscheidungen und Taten zum Guten wenden kann, um so mehr die Taten, die aus unserem reinen Herz fließen, zu den anderen Menschen, die wir nicht erst in der weiten Welt suchen müssen, sondern die mit uns wohnen, die gleiche Kirche besuchen, die gleiche Sprache sprechen.

Der Spruch der Woche lautet genau deswegen: Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz  Christi erfüllen.

Amen

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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