4. Sonntag im Advent

23.12.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Lutherische Heilige Messe

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus A

Introitus EG 5 Gottes Sohn ist kommen
Graduale EG 13 Tochter Zion, freue dich
Predigtlied EG 9 Nun jauchzet, all ihr Frommen
Nach Predigt Orgelmeditation
Offertorium EG 10 Mit Ernst, o Menschenkinder
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe
Schlusslied EG 19 O komm, o komm, du Morgenstern

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Artur Piwkowski, SubOrganist


Johannes 1, 19-23

Liebe Gemeinde! Liebe Schwestern und Brüder!

Wer bist du? – lautet die Frage des Tages. Die Frage wurde Johannes dem Täufer gestellt. Uns ist auch oft diese Frage gestellt. Da antworten wir mit dem Vornamen und Nachnamen. Manche antworten auf diese Frage: ich bin ein Pole, ein Deutscher, ein Schotte. Die Antwort kann auch lauten: ich bin evangelisch, ich bin katholisch, ich bin ein Jude. Viele Antworten: ich bin ein Europäer. Eine ganz raffinierte Antwort haben Menschen, die aus dem Teschenerland stammen. Auf die Frage: wer bist du? – antwortet ein wahrer Teschener: ich bin ein Teschener! Klar, logisch, einfach! Unser Kaiser Franz-Joseph hatte eines Tages einen Erlass verabschiedet, dass alle Völker in seinem Königreich geschätzt werden sollten. Niemand war von der Schätzung ausgeschlossen. So musste auch der Monarch eines Tages die Frage beantworten: Wer bist du? Welchen Beruf übst du aus? Die Antwort des Kaisers: ein höherer staatlicher Beamter! Wir spüren natürlich, dass die Frage Wer bist du? auch eine ganz wichtige Bedeutung haben kann. In alten Gesangbüchern war noch ein Lied von Johann Samuel Dietrich zu finden, der am 15. Dezember 1721 in Berlin geboren wurde, er war auch Pastor der Marienkirche in Berlin. Er hatte viele Lieder gedichtet, unter anderem auch dieses Wer bin ich? Welche wichtige FrageDie Strophe lautet: Wer bin ich? Welche wichtge Frage! Gott, lehre sie mich recht verstehn! Gib, dass ich mir die Wahrheit jage, um mich so, wie ich bin, zu sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entferntDas Lied findet sich in dem neuen polnischen evangelischen Gesangbuch. In dem alten schlesischen  Gesangbuch und in dem neuen deutschen Gesangbuch ist das Lied nicht mehr zu finden. Es wäre vielleicht interessant zu fragen, warum dieses Lied bei der Vorbereitung der beiden Gesangbücher aussortiert wurde. Diese Strophe sagt klar: wer nicht die Wahrheit über sich in sich selbst sucht, der ist nicht weise. Der lebt nicht in der Wahrheit, sondern in der Lüge. So sind die Worte Jesu in dem Fall von einer großen Bedeutung wenn er sagt: Erkennt die Wahrheit, sie wird euch frei machen! Auf die Frage wer war Johannes der Täufer hatte ein Künstler eine Antwort gegeben. Auf dem Bild sieht man Jesus am Kreuz und Johannes, der mit dem Finger auf ihn zeigt. Von Anfang an war es Johannes bewusst welche Rolle er spielen sollte. Niemals wollte er höher sein als seine Berufung es ihm sagte. Er war und wollte auf Jesus zeigen. dieser Jesus ist Zentrum der Welt und der Zeit. Johannes hat diese Verkündigung über Jesus zu einem Zentrum seines Lebens gemacht und war auf diesem Weg konsequent bis es nicht mehr weiter ging. Wir wissen es, er hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Für Johannes war es unmöglich sich in fremde Kleidung einzukleiden. Ich bin nicht Elia. Ich bin nicht Christus. Mit seinem Leben zeigte Johannes, dass Jesus  ein Zentrum unseres Lebens sein soll. Dieser Jesus soll auch im Zentrum des Advents sein. Johannes der Täufer ist eine Person, die auch heute nötig ist. Er sagt die Wahrheit den Großen und den Kleinen ohne Kompromisse und zeigt dabei auf Jesus. Auf die aufdringlichen Fragen antwortet Johannes: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des HerrnJohannes ist die Stimme und ein Finger die auf Jesus zeigen. Kann es eine bescheidenere Antwort geben auf die Frage: Wer bist du? als die: Ebnet den Weg des Herrn. Diese Antwort bedeutet: ich bin hier nicht wichtig. Nehmt eure Aufmerksamkeit weg von mir. Schaut nicht auf mich, sondern nehmt die Nachricht wahr, die ich euch sage. Die Nachricht ist klar: Ebnet den Weg des Herrn. Das bedeutet genau das zu tun, als wenn man eine Autobahn bauen möchte. Mann muss den Weg ebnen mit einer Planierraupe. Alles was sich auf dem Weg  befindet, was der Verkündigung Jesu stört muss durch so eine Planierraupe weg. Räumt alles weg,was auf dem Weg steht den Jesus zu uns kommen möchte. Er möchte zu uns kommen mit einer vergebenden Gnade des Vaters. So lange aber denkst du bei dir sei alles in Ordnung, brauchst du diese Gnade nicht. Wer keine Gnade braucht, braucht auch keine Vergebung. Wer keine Vergebung braucht, braucht auch keine Reue. Ich kann es mir selbst alles vergeben, erklären und selbst entschuldigen. Statt Gottes Gerechtigkeit finden wir eigene, menschliche Gerechtigkeit. Jeder findet seine eigene und so hat jeder seine eigene Wahrheiten, die mit der Wahrheit Gottes nicht übereinstimmen muss. Der große Johannes wollte vor Jesus immer kleiner sein. Wir kleine Menschen wollen immer größer sein. Wie oft sagen wir wie die Pharisäer und Leviten: Gott, ich danke Dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen! So lange wir diesen Satz sagen, messen wir uns mit einem falschen Maßstab. Wir sollen uns zu Johannes hinstellen, um zu sehen wie klein wir alle eigentlich sind. Was wird sein, wenn wir uns eines Tages  vor Jesus uns hinstellen müssen? Werden wir dann nicht die Worte des Petrus sagen müssen: Geh weg von mir, Herr, ich bin ein sündiger MenschJesus aber wird nicht weggehen. Er bleibt bei uns und mit uns. Er möchte uns wie Petrus zu den Brüdern und Schwestern senden um ihnen zu helfen den Weg für Jesus zu ebnen. Sei auch Du eine Stimme und ein Finger die auf Jesus zeigen. Jeden Tag haben wir Möglichkeiten dazu. Es ist nur eine Bedingung nötig: er muss im Zentrum unsres Lebens sein. Das, was uns erfüllt, das sagen, erzählen und verschenken wir. Ich wünsche Dir und mir, dass Jesus, der Herr des Advents, ein Herr unseres Lebens ist und bleibt. 

Amen!

Pfr. Andrzej Fober