3. Sonntag nach Trinitatis – Predigt

Lukas 15,1-7

Liebe Brüder und Schwester!

Ich freue mich wieder hier sein zu dürfen. Ich bringe Ihnen herzliche Grüß aus Franken, wo wir vor einer Woche unsere Partnergemeinde besucht haben. Frau Behnisch, Frau Waschke, Herr von Kap-herr und ich haben sehr schöne Tage erleben dürfen. Besser gesagt die Tage waren schön, weil wir nette, freundliche Menschen getroffen haben die den gleichen Glauben, wie wir in Schlesien, auch glauben. Sie wissen es, es gab keine Sprachprobleme, deswegen ging alles sehr gut und schön. Darüber wird und ist schon reich berichtet und in der neuen Zeitschrift unserer Gemeinde werden Sie das auch in etwa 4 Wochen lesen dürfen. Es ist immer schön zu erleben, wenn man nach über 500 km der Fahrt, Menschen begegnet, die wie wir, eine lebendige Gemeinde, mit ihrem Pfarrer zusammen das Leben gestaltet, plant, hofft, manchmal auch zweifelt aber dann doch einen Schritt weiter macht. Besonders hatte uns der neue Kindergarten gefallen mit vielen Einrichtungen und Spielmöglichkeiten, für die wir leider schon zu groß waren. Aber wie gesagt, es ist auch schön wieder zu Hause zu sein und mit Ihnen diesen Gottesdienst in unserer Kirche zu erleben. In dem Predigttext sehen wir das vertraute Bild: Jesus verkündet das Wort seines Vaters, die Sünder gehen gerne zu ihm. Es gibt Berichte im Neuen Testament in denen steht, dass dort, wo Jesus predigte, normalerweise auch eine Menge Menschen da war. Einmal predigte er in einem Haus und es war so voll, dass der Kranke, der von seinen Freunden getragen wurde, durch das Dach das Haus betreten musste, um Jesus zu begegnen. Natürlich beschämen uns, vor allem uns Pastoren, diese Bilder mit den Menschenmengen, die immer zu Jesus kamen. Wir würden es auch gerne so haben wie Jesus, immer eine volle Kirche, immer Menschen die mit ihm sprechen wollten. Jesus musste sich sicher sehr gefreut haben, als er diese Menschen sah. Dazu ist er eigentlich gekommen: Die Sünder zu retten, ihre Leben zu erneuern, einen neuen Weg im Leben zu zeigen, ihre Kinder zu segnen, die Jugendlichen zu stärken, die Ehepaare zu ermutigen weiter gemeinsam das Leben zu gestalten, ältere Menschen zu trösten. Jesus ist ein Vorbild für jeden Pfarrer, für jeden Bischof oder Vorsitzenden einer Kirche. Er hatte den Menschen nicht vom Wetter erzählt, nicht die politische Lage im römischen Reich erklärt, sondern nutzte jede Möglichkeit ihnen das Wort des Lebens zu sagen. Das Wort ist lebendig, weil Gott lebt. Nach diesen Begegnungen wurde auch gegessen. So wie wir es auch hier ab und zu haben, oder wie in Liegnitz oder noch besser. Nach jedem Gottesdienst treffen wir uns in der Sakristei der mächtigen Liebfrauenkirche und Herr Scholtz bereitet für uns eine Menge Kuchen und Kekse zu. So ist es richtig. Wen man liebt, ihm oder ihr gerne begegnet, mit solchen Menschen isst man auch gerne leckeres Essen. Es schmeckt dann auch herrlich. Ich hoffe Sie haben keine Feinde, aber haben Sie jemals mit jemandem gegessen, den Sie nicht mögen? Hat es Ihnen geschmeckt? Ganz sicher nicht, egal, was dort serviert wurde. Diese natürliche, gute, gesegnete Sitte, dass man den Freunden, egal, ob neu oder alt, einen Tisch bereitet, kritisieren die Pharisäer und Schriftgelehrten. Die Führer des Volkes, die eine Verantwortung für das Volk trugen, konnten sich nicht freuen dass Ihre Schafe sich bekehren wollten. Es ist ein grausames Bild, aber es ist auch heute noch zu sehen. In der Bevölkerung, in der Politik, in der Wirtschaft, leider auch in der Kirche ist es oft so, dass jemand wirklich etwas Gutes tut, aber da findet sich immer jemand der sich darüber nicht freuen kann. Irgendein Philosoph hatte gesagt: Die Fähigkeit sich über kleine Sachen zu freuen, ist ein Beweis der inneren Stärke. Jesus erzählt als eine Antwort auf die Reaktion von Pharisäern so eine Geschichte. Ein Schaf ist verloren, aber dann wieder gefunden. Er ruft seine Freunde und sagt Ihnen die gute Nachricht: „ich habe mein Schaf gefunden. Freut euch mit mir”. Ganz sicher hatten sie damals auch gegessen. In dieser Geschichte ist auch zu merken, dass das Schaf, das verloren war, auch etwas getan hatte. Das Schaf hat sich geändert. In den Büschen irgendwo verwickelt musste es auf den Herrn warten. Es gab lange Stunden des Wartens, aber auch Nachdenkens: was habe ich gemacht? Genaue wie in der Geschichte vom verlorenen Sohn. Als er das Schweinefutter essen musste, was natürlich ein Symbol eines schmutzigen Lebens ist, dachte er was? Wie die Diener seines Vaters fein essen dürfen. Das Gedächtnis eines vollen Tisches hatte ihm etwas gesagt. Aber was ist mit dem verlorenen Schaf passiert? Was hatte sich geändert. Jesus sagt ganz klar: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut. Buße tun. Sich an die Brust schlagen und sagen: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa! In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die sich von Anderen getrennt haben, die kommen nicht mehr. Es liegen verschiedene Gründe vor, die diese Trennung verursacht haben. So eine Trennung gegen eine Gemeinde ist sehr fatal für beide Seiten. Wir treffen uns nicht mehr, essen nicht mehr miteinander, beten auch nicht zusammen, lachen, hoffen, reden auch nicht. Es sind oft Spannungen zwischen zwei oder drei Personen, aber darunter leidet die ganze Gemeinde. Es gibt einen Ausweg aus dieser Situation. Wir müssen, wie der Mensch in der Erzählung, die Menschen wieder suchen, besuchen, einladen, mit Ihnen sprechen. Sie aber müssen auch ihr Fehler sehen, bereuen, sich bekehren, die Gemeinschaft, die sie mit uns gebrochen haben, neu aufbauen. Unsere Kirche kennt keine billige Gnade. Die Gnade Gottes ist teuer. Jesus hatte für unsere Freiheit mit seinem Blut bezahlt. Es kostet auch Überwindung. Es wird sicher eine große Freude sein über jeden, der den Weg zur Gemeinde wieder gefunden hat. Dann laden wir unsere Freunde ein und werden feine essen.

Amen

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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