3. Sonntag nach Trinitatis

17.06.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus B

Eingangslied EG 253 Ich glaube, dass die Heiligen
Predigtlied EG 369 Wer nur den lieben Gott läßt walten
Nach Predigt EG 337 Lobet und preiset, ihr Völker, den Herr
Lied (Beichte) EG 232 Allein zu dir, Herr Jesu Christ
Schlusslied EG 163 Unser Ausgand segne Gott
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård,  Musikdirektor u. Organist


1. Joh 1,5 — 2,6

Wir haben heute mit dem Wort des Evangelisten Johannes zu tun. Der Autor des Johannes- Evangeliums und des Ersten Briefes des Johannes ist die gleiche Person – Apostel Johannes. Das Evangelium beginnt so: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. ()In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen”.

Der Brief Johannes beginnt so: Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir betrachtet haben und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – das schrieben wir.

 Johannes kann nicht anders schreiben. Er schreibt und berichtet immer das Gleiche: Das Wort ist das Leben und Licht im Leben. Man nennt Johannes auch einen Apostel des Lichtes. Das Licht der Sonne begrüßt uns immer im Osten.

Dass wir einen neuen Tag beginnen dürfen ist eine Gabe Gottes. Wie viele Menschen, die jünger als wir waren, nicht mehr da sind. Wenn wir einen neuen Tag beginnen, sollen wir ihn mit einem Dankgebet beginnen und das Gebet soll Richtung Osten aus unserem Mund ausgehen.

Damit pflegen wir die alte, christliche Tradition des Gebetes am Anfang des Tages. Wir sprechen das Gebet, mit eigenen Worten oder mit den Worten eines Psalms, damit erreichen wir, dass das Licht des Wortes uns erreicht. Nur so kann sich das verwirklichen, was der Brief des Johannes „Das Leben im Licht” nennt! Das Leben im Licht ist ein Leben mit dem Wort Gottes!

Das Leben im Licht bedeutet und kann nur bedeuten das Leben mit dem Wort Gottes. Wenn wir die Bibel ganz am Anfang des Buches aufschlagen, dann finden wir die Worte, wie Gott alles geschaffen hat. Durch sein Wort hat er auch das Licht gemacht, weil das Licht in seinem Wort wohnt, genau wie das Leben.

Licht und Leben gehören zusammen. Ein wahres Leben kann sich nur im Licht entwickeln. Natürlich dürfen wir sagen: wir leben im Licht. Unsere Wohnung, Häuser, Straßen und Städte sind so hell wie nie zuvor.

Durch die Entwicklung der Technik ist die Beleuchtung besser geworden, aber das verbraucht viel weniger Energie. Es ist sicher ein Grund sich zu freuen. Wenn die Straßen und die Autobahn besser beleuchte werden, dann werden sie auch sicherer für die Menschen, die sie benutzen.

Was nicht zu übersehen ist: das Licht, das der Mensch produziert, wurde reglementiert. Reiche, prominente Ecken einer Stadt sind besser beleuchtet als die am Rande, wo es keine Sehenswürdigkeiten gibt.

Ganz am Anfang meines Dienstes in Breslau und Schlesien wurde ich durch das Amt der Stadt angerufen, eine fröhlich Stimme hatte gesagt: „Herr Pfarrer, Ihre Kirche wurde aufgesucht und auf der Liste  der 10 wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt platziert. Sie bekommt eine Beleuchtung und die Montage und die laufenden Kosten wird die Stadt tragen”. Sollte ich nein sagen? Bis heute ist unsere Kirche in der Nacht schön beleuchtet.

Dieses Licht ist aber ein menschliches, künstliches Licht. Es brennt nur so lange  wie die Glühbirne gut ist und der Strom da ist. Dieses Licht kann man auch ausschalten.

Das Licht Gottes ist ewig. Die Sonne, auch wenn der Himmel mit Wolken bedeckt ist, geht immer auf mit einer Pünktlichkeit die wir immer bewundern. Dieses Licht scheint allen Menschen.

In  diesem Beispiel merkt man gut die absolute Harmonie zwischen dem Wort Gottes und seinen Taten. Was Gott sagt, geschieht. In seinen Taten sind seine Worte versteckt. Diese Worte sind in seinen Taten nicht tief gefroren, sondern lebendig, aktiv, das Wort pulsiert in den Werken Gottes und verliert seine Kraft nicht.

Jetzt, denke ich, sind wir in der Betrachtung des Wortes endlich zu uns selbst gekommen. Wir sind auch, wie die ganze Welt und die Natur, eine Schöpfung Gottes. Gott hat an uns gedacht bevor wir  das Licht des Tages erblicken konnten. Durch die Taufe sind wir Gotteskinder geworden und haben das Pfand des Geistes bekommen.

Wo ist das starke, pulsierende, lebendige Wort Gottes bei uns zu finden, zu spüren? Der Brief des Johannes, zusammenfassend, wurde geschrieben, um uns daran zu erinnern, dass „Gottes Licht einfach die Liebe bedeutet”. In der Zurschaustellungdes Sohnes, der am Kreuz in Sühne für unsere Sünden starb, zeigt uns Gott die wahre Heiligkeit, das höchste Gut, sein Wort.

Wir Menschen dürfen durch den Glauben mit seinem Erlösungswerk zusammen wirken und werden eins mit ihm. Bevor sich das aber ereignen wird, müssen wir in der Liebe andere Menschen als unsere Nächsten sehen. So entsteht eine wahre Gemeinschaft wie es Jesus wollte.

Es ist aus dem Predigttext heute klar zu entnehmen: Im Licht Gottes, also in seinem Wort, ist das Leben und die Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen. In dieser Gemeinschaft sind wir noch nicht perfekt und sündigen oft, was die Gemeinschaft zerstört.

Wenn wir aber die Sünde bekennen, gibt uns Gott die Möglichkeit das Zerbrochene wieder ganz zu machen durch seinen Sohn Jesus Christus, der unser Fürsprecher ist. Er erinnert uns immer wieder an das Wort und die Gebote, die Hauptrichtlinien.

Jesus hatte selber gesagt, dass die Gebote nicht schwer sind, wenn man Liebe in sich hat. Die Liebe ist die Kraft die uns fähig macht die Welt in uns und um uns zu ändern. Nicht aber nach unseren Vorstellungen, sondern nach dem Willen Gottes.

Möchten wir uns weiterhin als Christen beschreiben, so müssen wir wie Christus leben – mit dem Wort im Einklang! Ich hoffe sehr, dass diese Predigt und dieser Gottesdienst uns dabei helfen werden.

Amen!

Pfr. Andrzej Fober