23. Sonntag nach Trinitatis

4.11.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 264 Die Kirche steht gegründet
Predigtlied EG 423:1,2,4,6 Herr, höre, Herr, erhöre
Nach Predigt Orgelmeditation
Lied EG 351 Ist Gott für mich, so trete
Schlusslied EG 430 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor u. Organist


Römer 13, 1-7

Liebe Gemeinde!

Es ist schön zu sehen, wie das Wort Gottes manchmal genau antwortet auf die Entwicklung in unserem Leben, dort, wo sich das Leben gerade ereignet. So ist es mit dem Text des Apostels Paulus an die Römer, den wir heute betrachten wollen. In der Bibel hat dieser Abschnitt eine Überschrift bekommen: „Die Stellung zur staatlichen Gewalt”. Polen feiert in diesem Jahr das 100. Jubiläum der Unabhängigkeit. Es gibt heute die zweite Runde der Wahl in Polen an manchen Orten. In Deutschland wählt man sukzessiv die Landtage und dann kommen die Wahlen des Bundestages. Was uns Menschen in der Welt vielleicht am stärksten verbindet ist unsere Unzufriedenheit gegenüber der Regierung. In Polen ist es besonders stark, weil das Volk erst seit 1989 eine eigene, frei gewählte Regierung haben darf. Vorher, seit dem Tod desletzten Jagiellonenkönig war die Regierung des Landes immer fremd, darüber hinaus war Polen 123 Jahre von der Landkarte Europas verschwunden.  Bei unseren Nachbarn ist die Geschichte anders gelaufen. Es gab eine Zeit in der Geschichte des deutschen Volkes in der die eigene Regierung dem Volk vermittelte die Grenzen seien zu eng, wir müssen den Lebensraum auf Kosten von anderen Ländern erweitern. Paulus schrieb diese Worte an die Gemeinde in Rom, wo die junge Christenheit mit der staatlichen Gewalt zu tun hatte. An der Spitze Roms stand damals ausgerechnet Kaiser Nero, der die Christen brutal verfolgte. Er glaubte selbst Gott zu sein, deswegen konnte er keinen anderen Gott dulden. Wichtig wäre für uns sich vorzustellen wie reagierte die Gemeinde in Rom auf die Worte des Paulus: „Denn es ist keine Obrigkeit außser von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet”. Am 13. Dezember 1981 hat uns der damalige Bischof der Kirche Janusz Narzynski alle Studenten der Theologie in Warszawa zur Andacht gerufen und hat diese Worte zitiert. Etwa 9 Stunden zuvor wurde der Kriegszustand in Polen eingeführt mit allen seinen Konsequenzen. Apostel Paulus, unser Bischof damals, hatte die Wirklichkeit der Zeit damals – in Rom und Warszawa – nicht aus den Augen verloren. Paulus hat sicher nicht nur den Kaiser Nero nicht vergessen,  sondern auch König Herodes nicht und den Statthalter Pilatus auch nicht. Paulus wusste genau wie diese Menschen ihre Stellen erworben haben und wie sie mit ihren Untertanen umgingen. Paulus hatte es auch selber erfahren müssen. Es spielte sozusagen für Paulus keine Rolle wie viele in der Regierung Gott verachtet haben. „Auch solche Menschen sind im Dienst des Herrn” – kaum zu glauben, aber wenn wir jetzt an den Pharao in Ägypten denken, zur Zeit der Auswanderung des Volkes in die Freiheit, dann wird uns vielleicht manches klar. In seinen Worten an uns heute erhebt Paulus nicht das Thema welche Regierung die beste ist und welches System der Ausübung der Gewalt ideal wäre. Paulus meint, was uns heute schwer fallen wird: egal welche Regierung, egal was für ein politisches System im Land ist – jede ist von Gott angeordnet. Sicher ist diese Stellung des Apostels nicht allen Christen bekannt und viele werden ihm nie zustimmen wollen oder können. Paulus möchte uns klar sagen, dass es Situationen im Leben der Christen gibt, in der jeder sagen muss „Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen” (siehe die 4 Märtyrer) oder wir müssen uns eine Frage stellen: Ist es Richtig im Angesicht Gottes eher euch zu hören als Gott allein”? Wir können sicher sein, wenn wir fest daran glauben, dass es über jeder Regierung der Welt noch einen Gott gibt. Er bestimmt ewige Sachen, nicht wir Menschen. Die menschliche Entscheidungen, auch die guten, sind nur zeitig. Mindestens bis die neue Regierung kommt. Gottes Bestimmungen sind ewig. Der Apostel Paulus hat im Sinn, dass jedes politisches System doch eine Barriere, wie ein Hochwasserdamm ist, was das Volk vor dem Chaos, vor der Willkür schützen soll und eine gewisse Ordnung gewähren lässt. Dazu hat der Staat ein Schwert, das sind Polizei, die Armee, das Gericht womit die Regierung die Gewalt ausüben kann. Als ich noch Feldprediger war hatten wir unzählige Vorlesungen gehabt und Diskussionen geführt über die Verantwortung eines Soldaten in Krisensituationen. Was es bedeutet im Namen des Staates die Gewalt auszuüben. Natürlich betraf es nur eine Situation eines Landes in der die Regierung demokratisch war und ist und frei durch das Volk gewählt wurde. Christen sollen die irdische Staat mitbauen. Unser Leben, was Jesus auch klar predigte, ereignet sich auf drei Ebenen: Staat, Kirche und Familie. Unser Leben, unsere Werke, unsere Worte und unsere Taten müssen auf diesen drei Feldern übereinstimmen. Es ist nicht einfach, für uns Christen einen Staat mit anderen mitzubauen, weil es eigentlich keinen christlichen Staat in der Welt gibt. Alle Staaten haben sich von der Kirche getrennt. Nur noch in England ist die Kirche eine Kirche des Staates. (in Dänemark auch ….seit der König nicht mehr das Oberhaupt ist, weil das Parlament regiert, versteht sie sich als „Volkskirche“). Was ist unsere Rolle: Gehorsam gegenüber jede Gewalt und unser positives Engagement einsetzen. Die Worte des Propheten Jeremia sind bis heute aktuell: Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. Suchet der Gemeinde Bestes, denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. Selbst Christus, als Sohn Gottes war gehorsam bis zum Tode, dem Tode am Kreuz. Wir haben also genug Inspirationen wie wir uns benehmen sollen wenn wir egal mit welcher Obrigkeit zu tun haben.

Amen!

Pfr. Andrzej Fober