20. Sonntag nach Trinitatis – Predigt

1. Mose 8,18-22

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Ich freue mich sehr, wieder hier stehen zu dürfen und mit Ihnen das Wort Gottes zu betrachten. Ich freue mich auch, Sie alle in dieser Kirche zu sehen wo Gott durch sein Heiliges Wort zu uns spricht und wir antworten ihm mit unsrem Gebet und Gesang.

Durch das Wort erkennen wir den Willen Gottes. So eine enorme Bedeutung hat jede Kirche in der das Wort gepredigt wird. Das Wort aus der Epistel heute hat uns vielleicht überrascht: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligkeit”.

Dürfen protestantische Christen auch heilig sein oder sich heilig nennen? Mit diesem Thema haben wir uns bei der letzten Bibelstunde auseinander gesetzt. Wir haben angefangen mit der Behauptung, dass wir viele Begriffe kennen mit denen wir Gott beschrieben können:

Gott ist gut, gnädig, groß, Liebe, barmherzig, Vater, Versorger, Heiler, Retter. Machen wir ein Umfrage auf der Straße daneben werden wir weitere Begriffe bekommen.

Ganz selten wird aber das Wort „heilig” aufkommen, das eigentlich am besten Gott beschreibt. Gott ist heilig. In jedem Gottesdienst singen wir in der Liturgie: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll”.

Die Worte hatte der Prophet Jesaja bei seiner Berufung gehört, als die Serafim es einander zuriefen. Jesaja war erschüttert: „Weh mir, ich vergehe, ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen”.

Eine bewegende Szene, Jesaja 6. Mit diesem gleichem Gott haben wir auch heute zu tun. Dieser Gott ruft zu uns mit brennendem Herzen: „Seid heilig, denn ich bin heilig”(3. Mose 19.2).

Wir dürfen und sollen auch heilig sein. Wir tragen die Heiligkeit nicht als natürliche Eigenschaft. Wir, Menschen, hatten sie im Garten Eden, aber wir haben sie verloren. Gott kann sie uns wiedergeben.

Was bedeutet eigentlich heilig sein? Heilig sein bedeutet „abgesondert sein”, „ganz anders sein”. Als Gott die Welt schuf sonderte er den siebenten Tag. „Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte”(1. Mose 2,3).

Gott ruhte am siebenten, heiligen Tag, den er auch segnete. Dieser Tag ist aber für uns. Wir brauchen diesen Tage, die Ruhe des Tages, um heilig zu sein. Da kehren wir zum Anfang der Predigt zurück, als ich gesagt habe, dass wir heute das Wort Gottes betrachten möchten.

Es ist der einzige Weg sich zu heiligen, heilig zu sein. Diese Heiligung geschieht nicht durch eine menschliche Entscheidung, laut einem Dekret. Nein, Gott macht es. Er sagt: „Ich bin der Herr, der Euch heilig macht”(3. Mose 20,8).

Seit dem Sündenfall sind wir nicht in der Lage selbst, allein unsere Heiligkeit wiederherzustellen. Der Mensch auf Erden ist nicht vollkommen – eine andere Bedeutung des Wortes Heiligkeit – deswegen muss er erfahren, was Krankheit, Sünde, Tod, Zerfall usw. sind.

Wir sehnen uns danach, ein heiliges Leben führen zu dürfen, oder mindestens ein besseres Leben zu haben und sind Martin Luther gleich, der lange Jahre eifrig einen gnädigen Gott suchte. Er ist nach Rom gegangen, weil er glaubte, wie viele fromme Katholiken, dort ist Gott sicher zu finden und zu erfahren.

Aber Gott ist überall, vor allem aber in seinem Wort.
Der arme, so gut gebildete Theologe, ein kluger und intelligenter Mann Martin Luther, der fast die ganze Bibel auswendig kannte, hat die schlichten Worte aus dem Prolog des Johannesevangelium übersehen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort!”

Wer das Wort hat, der begegnet Gott, der uns heilig machen wird. Er will die heile Welt aber in dieser heilen Welt müssen heilige Menschen wohnen und leben. So sehen wir jetzt die unwahrscheinlich große Bedeutung einer Gemeinde, wo sich Menschen treffen, um das Wort Gottes zu hören.

Wer diese Gemeinschaft der Heiligen durch seine Worte und Werke zerstört, ist wie ein Wolf, der die Schafen auseinander reißt oder wie ein Tagelöhner, der den Wolf kommen sieht und die Schafe verlässt, weil er sie nie wirklich weiden sollte.

Es geht um unser einmaliges, heiliges Leben auf Erden mit dem wir uns für die Vollkommenheit vorbereiten sollen. Es beginnt mit ganz kleinen Sachen, wenn wir entscheiden ob wir das Böse mit Gutem vergelten, wenn wir etwas weiterreden oder weitererzählen, was ein Gerücht ist oder einfach „Stop“ sagen , ob wir dem Handwerker die Rechnung ohne Mehrwertsteuer zahlen.

Das ganze Evangelium sagt uns genau was es bedeutet, sich in der Heiligkeit zu üben. Möchte ich in meiner Gemeinde meine Sache nach vorne treiben oder die Sache Gottes.

Der Predigttext heute zeigt uns einen neuen Anfang. Noah und seine Familie bauen einen Altar und wollen Gott Dank für die wunderbare Rettung sagen. Noah mit seiner Frau und ihren drei Söhnen und mit ihren Frauen sind dabei. Das Evangelium und die Epistel heute bewegen auch das Thema der Ehe. Es ist ein heiliger Bund.

Eugen Drewermann sagt in seinem neusten Buch, dass die Liebe in der Ehe gepflegt werden muss. Es kann nur dann gelingen, wenn die Eheleute im Einklang mit dem Wort Gottes leben.

Wir sind nicht in der Lage uns gegenseitig Liebe zu schenken, wenn wir nicht durch das Wort in Gottes Liebe verwurzelt bleiben. Wenn es doch so ist, dass die Eheleute sich Liebe schenken und diese pflegen, schenken sie sich eigentlich Gottes Gnade.

Das bringt uns heute zur absolut wichtigem Behauptung: Gott kann seine Gnade in die Welt nur durch uns transportieren. Unglaublich aber wahr. So wichtig ist unser heiliges Leben, auch in der Ehe, das wir unsere Heiligkeit jeden Tag üben und dadurch ermöglichen, dass Gott in der Welt wirkt.

Die Natur, Tiere, Kosmos haben sicher eine Bedeutung, aber Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und dadurch ist die Liebe Gottes zu uns bestätigt. Wir dürfen diese Liebe weitertragen und der Welt schenken.

Dazu sind wir als Gemeinde hier berufen

Amen

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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