2. Sonntag nach Epiphanias – Predigt

1 Korinther 2, 1-10

Liebe Gemeinde!
Liebe Brüder und Schwester!

Einen Tag nach der Sitzung des Gemeinderates habe ich die Worte aus dem 1. Korintherbrief gelesen. Diese Sitzung war nicht kurz und nicht ganz einfach und wie immer wurden viele Themen besprochen. Ich als Propst wurde gebeten folgende Angelegenheiten zu beleuchten oder den Rat darüber zu informieren:

Renovierung des alten Pfarrhauses, Fensterrestaurierung in St. Christophori, Rundfunkgottesdienst am Palmsonntag aus unserer Kirche, Besuch in Wolkersdorf, Besuch der Gemeinde Spalt in Breslau, 60. Jubiläum der Wiederweihe der Kirche usw.

Am 29.01 gibt es dann wieder eine Sitzung, die nur den Finanzen gewidmet wird und am 4. Februar trifft sich die Gemeindeversammlung. Natürlich, das hätte ich fast vergessen, da muss sich auch noch die Revisionskommission treffen, um Bericht erstatten zu können.

Versuchen Sie jetzt  sich vorzustellen, mit welcher Bewunderung, aber auch Hochachtung, ich als Pfarrer diese Worte des Apostel Paulus lese: „Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen, als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten”.

Das wäre absolut wunderbar, wenn das genug wäre: Nur Christus zu kennen, nur um Christus zu wissen und nur zu predigen und über ihn in der Gemeinde zu berichten, oder denen, die ich sonst noch treffen sollte. Einfach nur von Christus erzählen.

Genau das habe ich 5 lange Jahre studiert, danach kamen fast 2 Jahre Gemeindepraktikum. Ich habe keine Verwaltung, kein Business und kein Management studiert, keine Betriebswirtschafstlehre oder sonst etwas in der Richtung. Das alles sind eigene Berufe mit einer ebenso langen Ausbildung wie das Theologiestudium.

Natürlich, ich habe das Abitur in der Mittelschule für Bauwesen absolviert, ich habe mich aber dann entschieden Theologie zu studieren. Genau deswegen, weil ich nicht mehr bauen wollte, nicht mehr umbauen und renovieren wollte und nicht mehr im Winter auf einer Baustelle frieren wollte, egal ob als Mauerer oder Bauinspektor

Und was mache ich jetzt? Ich friere im Winter in den kalten Kirchen und habe ständig mit bauen, umbauen, renovieren bauen und diesen Angelegenheiten zu tun. Ach so, ja, natürlich, das Geld für all das  muss auch noch beschafft werden.

Die wunderschönen Bilder, die der Apostel Paulus vor unseren Augen malt sind sehr schön, idyllisch, beinahe paradiesisch. Doch heute ist die Wirklichkeit anders. Nach all den Gesprächen in der Gemeinde meldet sich sowieso ab und zu das Konsistorium aus Warszawa und nimmt uns nichts von diesen Aufgaben ab.

Nein, umgekehrt. Die Verwaltung der Kirche in der Zentrale muss sich auch zu Wort melden und zeigen, dass sie dort nicht schlafen, eine Daseinsberechtigung haben  und auch etwas von Verwaltung verstehen. Sie bereichern uns ständig mit neuen Ideen, neuen Anordnungen, neuen Reglungen, neuen Beschlüssen, Rundbriefen, um uns klar zu machen, dass das Geld am Wichtigstem ist.

Wenn ein Pfarrer die Anzahl der Gottesdiensten reduziert, niemand wird keiner nachfragen oder sich mit dem Thema befassen. Aber sobald die Abgaben der Gemeinde für die Zentrale geringer werden, oder sobald in einem Finanzbericht des Monats oder des Jahres irgendeine Summer falsch gespeichert oder eingetragen wurde, dann bekommt der Pfarrer natürlich sofort eine Nachricht, um diesen Fahler eilends zu korrigieren.

Ich träume davon nur Jesus Christus zu wissen, zu kennen, zu studieren, weil das meine erste und allerwichtigste Aufgabe ist. Das, vor allem anderen, macht mir Spaß. Meine Doktorarbeit habe ich zwar schon seit Jahren im Kopf, aber ich muss alles noch niederschreiben.

Auf meinem Grabstein muss nicht unbedingt Ph. D. Andrzej Fober zu sehen sein. Ich will diese Arbeit endlich zu Ende schreiben, weil die Erscheinungen der Dame aus Norwich (East Anglia) von der Gnade und der Liebe Gottes erzählen. Die Menschen damals, im mittelalterlichen England, lebten in der gleichen Angst vor Tod, Krankheit und Krieg wie wir heute. Sie hatten damals nur keine Autos, keine TVs und keine iPhones, aber sie waren nicht so einsam wie viele Menschen heute.

Von der Weisheit Gottes möchte ich erzählen, weil nicht nur ich ein weiser Menschen sein möchte, sondern ich möchte es vielen anderen sagen, predigen, davon erzählen. Wir dürfen und können alle wirklich weise Menschen sein und Dank dieser Weisheit wunderschöne Sachen tun. Diese Weisheit ist nicht von uns. Diese Weisheit ist in dem Wort Gottes, weil in dem Wort Gott ist. Gott wohnt in seinem Wort!

Diese Weisheit möchte die Welt nicht hören, nicht akzeptieren und man hat eigene Weisheiten gefunden, erfunden, geschmiedet und entwickelt und die Konsequenzen daraus begleiten uns ständig.

Auch die Kirche ist nicht frei davon und anstatt sich durch das Wort leiten zu lassen, plant die Kirche ihre Zukunft mit dem schönen Wort: Pfarrstellenrahmenkonzeption. Wunderschönes Deutsch! Mann hätte das Wort noch länger machen und so wird es dann klingen: Pfarrstellenrahmenkonzeptionmassnahmenschema! Fast wie Donaudampfschiffkapitänskajüte.

Eine Konzeption soll die Kirche retten oder die Hoffnung auf bessere Zeiten verlängern. Auf was wartet die Kirche, rechnet sie noch mit einem Wunder?

Wie der Apostel Paulus, wollen wir und möchten wir davon reden, „was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben”.

Das brauchen wir in dieser Welt und in unsrem Leben, danach sehnen wir uns, danach trachtet das menschliche Verlangen, weil wir zwar in dieser Welt sind, aber wir wurden für die Ewigkeit geschaffen. Wie Christus, leben wir in dieser Welt, aber sind nicht aus dieser Welt.

So lange wird unser Herz unruhig sein, bis es in Gott ruhen wird, in seinem Wort, in seiner Weisheit. Das möchte ich predigen, weil ich die Weisheit und die Kraft des Wortes Gottes täglich spüre und erlebe. Ein moderner Mensch kann auch durch das Wort Gottes begeistert sein. Ich wünsche es auch Ihnen!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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