17. Sonntag nach Trinitatis

22.07.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Lutherische Heilige Messe

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Introitus EG 346 Such, wer da will, ein ander Ziel
Graduale EG 197 Herr, öffne mir die Herzenstür
Predigtlied EG 355 Mir ist Erbarmung widerfahren
Nach Predigt Orgelmeditation
Offertorium EG 219 Herr Jesu Christ, du höchstes Gut
Schlusslied EG 193 Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor u. Organist


Jesaja 49, 1-6

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder!

Ich freue mich sehr Sie alle in dieser Kirche Begrüßen zu dürfen. Es ist heute ein besonderer Gottesdienst: Gestern feierten Sie das Kulturfestival der deutschen Minderheit in Polen und heute sind Sie mit uns in der Kirche in der die nagelneue Fenster im Altarraum zu finden sind. Kann man es irgendwie verbinden: den Predigttext von Jesaja ca. 2700 Jahr alt, Kulturfestival der Deutschen in Polen und die Fenster.

Zuerst finden wir in dem Text von Jesaja die Rede vom Knecht des Herrn. Es ist ein symbolischer Name im Alten Testament. Jeder Prophet war ein Knecht des Herr, die Väter wie Mose,Abraham, Isaac, David usw. waren alle Knechte des Herrn. Sie wurden von Gott beauftragt was konkretes zu tun. Wenn Gott spricht und Auftrag gibt, ist kein Schritt zurück zu tun.

Ein Knecht des Herrn war auch das ganze Volk Israel. Dieses Volk wurde sozusagen „aussortiert” unter den Völker der Welt um die Wille Gottes auf Erden zu verwirklichen. Nirgends steht in der Bibel geschrieben dass das Volk Israel sollte andere Völker beherrschen oder versklaven. Die Wahre Berufung und Erwählung dieses Volkes setzt sich auf dem Gehorsam Gott gegenüber.

Ein Knecht Gottes im wahrsten Eine des Wortes war natürlich Jesus. Er wurde auch erwählt die Wille Gottes in der Welt zu verwirklichen. Er hat uns allen ein klares Beispiel gezeigt was es bedeuten kann ein Knecht Gottes zu sein. Ein Knecht dient dem Herrn. Ein Knecht Gottes dient Gott und je mehr er dient desto freier is er. Jesus hat seine Entsendung durch den Vater 100% akzeptiert und auch 100% getan. Er hat uns den Vater offenbart und den Weg zu ihm.

Liebe Gemeinde das ist wirklich alles was jede Kirche, jede Gemeinde, jeden wahren Knecht Gottes ausmacht. Gott offenbaren und den Weg zu ihm zu ebnen.

Wenn wir heute in Europa und in der Welt angst haben, weil sich nationalistische Bewegungen stark machen, da sollen die Kirchen wieder einen Anstoss zur weitern Predigt finden, die Wahrheit konsequent und mutig zu verkündigen. Das Volk Israel soll das Licht der Welt zu sein, das haben wir gehört. Dieses Licht zu sein bedeutete nichts anderes als anderen zeigen, wie heilig, stark, geduldig der Herr ist.

Wenn in Polen oder in Deutschland in der letzten Monaten sehr viel von Patriotismus, Nationalismus, von der Liebe zu einem Staat oder einem Volk die Rede ist, so dürfen wir als Christen nur das sagen, was Gott von uns erwartet: wir sollen das Licht der Welt und für die Welt sein. Das Salz der Erde. So wie das Salz das Essen durchdringt und es lecker macht, so soll unsere Liebe zu Gott, Menschen und Natur in uns zu spüren sein.

Das man diese Entsendung, Erwählung oder auch die Gaben Gottes manchmal vergisst oder missbraucht werden uns immer die neuen Fenster erinnern wollen. Wer ist da zu sehen? Edith Stein, Dietrich Bonhöffer, Maximilian Kolbe und Bischof Juliusz Bursche. Bischof Bursche war der erste evangelische Bischof in Polen nach dem Ersten Weltkrieg. Es sind unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich bin mir nicht sicher ob sich sich je begegnet sind. Stein und Bonhöffer vielleicht. Was verbindet diese Personen. Sie wurden getötet von Menschen, die durch die sozialnationalistische Propaganda die Erwählung des deutschen Volkes falsch verstanden haben. Die Werke und Arbeit von vielen Philosophen, Denker, Dichter, Künstlern, Entdecker, Ingenieuren wurde nicht im Dienst für das Volk, sondern gegen dem Volk und später gegen vielen Völker gestellt.

Diese Vier haben nicht geschwiegen und auch schon vor dem Krieg gesagt: es ist nicht ein Weg was gut enden wird. Alle vier haben auch für die Glaubwürdigkeit ihrer Kirchen gekämpft. Sie werden uns von nun an erinnern wollen: wenn das Böse sich bereit macht, sollen wir nicht schweigen.

Ob die Zeit gut oder schlecht ist sollen wir die Wahrheit sagen, wie Jesaja schriebt: „Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht. Durch dich werde ich mich verherrlichen”!