1. Sonntag nach Trinitatis

3.06.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst
Liegnitz, Liebfrauenkirche, 13:00 Uhr, Abendmahlgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus B

Eingangslied EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
Predigtlied EG 351 Ist Gott für mich, so trete
Nach Predigt EG 316 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
Lied (Beichte) EG 235 O Herr, nimm unsre Schuld
Schlusslied EG 170 Komm, Herr, segne uns
Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Artur Piwkowski,  Sub-Organist


Jeremia 23,19-26

Liebe Gemeinde!
Liebe Schwestern und Brüder

Wir haben heute schon drei biblischen Texte gehört und
es wäre sicher schön zu erfahren, welcher Vers Sie bewegt oder angesprochen hat? Welche Worte aus der Bibel würden Sie nach Haus in die neue Woche mitnehmen wollen?

Mir gefällt dieses Wort aus dem Johannesbrief: Furcht ist nicht in der Liebe! So ein kurzer Satz, so eine große Bedeutung. Wie jedes Wort in der Bibel, so hat auch dieses Wort weitere Konsequenzen, wenn man ihn betrachtet, beginntzu genießen und zu schmecken.

Furcht ist nicht in der Liebe. Furcht als Gegensatz zur Liebe. Haben Sie es gewusst? Wer Angst hat, dessen Liebe ist nicht vollkommen. Es geht nicht um die Tatsache ob man ständig Angst hat oder nur ab und zu. Deswegen ist es nicht die Frage ob wir wirklich lieben oder nur ab und zu. Es geht in allen heutigen Texten darum, ob wir wirklich lieben können.

Gott ist die Liebe, schreibt Johannes. Das bedeutet:
In Gott wohnt die vollkommene Liebe. Aus seiner Gnade gibt er uns die Liebe zu erkennen und auch die Fähigkeit
zu lieben. Auch in dieser Hinsicht sind wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, dass wir fähig sind zu lieben.
„Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott
in ihm”.

Wenn er sagt: „Ich gebe euch meinen Frieden, nicht wie die Welt, sondern ich gebe es euch” – das bedeutet, dass der Unterscheid zwischen ihm und der Welt dieser ist, dass er uns liebt und er gibt das Beste. Die Welt liebt uns nicht und gibt uns Angst.

So ist die Rheinfolge: Jesus – Liebe – Frieden. Die andere heißt: Welt – Hass – Furcht. Natürlich leben wir alle in dieser Welt und in dieser Welt gibt es auch schöne Sachen, die wir bewundern können. Die Natur schreckt uns ab und zu, aber nicht ständig. Was uns ständig unruhig macht, ständig, ist immerzu der Mensch.

Weil der Mensch seit Anfang der Welt vergisst, dass
er Gottes Schöpfung ist und dadurch mit der Natur und anderen Menschen verbunden, muss er ständig daran erinnert werden, z. B. durch eine Predigt: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wir sollen die Liebe Gottes strahlend weitergeben.

Vor einer Woche, an Trinitatis, haben wir gehört:
Von Gott auserwählt zum Heiligsein , durch Jesus Christus zu Gottes Kindern geworden, durch den Heiligen Geist in der Taufe zu Christen versiegelt. So werden wir wahre Christen durch die Heilige Taufe, welche die 3 genannten Elemente vereinigt.

Diese enge Verbundenheit mit dem Dreieinigen Gott vermag auch eine enge Verbundenheit mit allen anderen Menschen herzustellen. Durch Jesus sind wir adoptierte Kinder Gottes und niemand ist aus dieser Beziehung ausgeschlossen. Niemand ist von dieser Berufung – das Wort Gottes zu predigen und die Gemeinschaft zu stiften – ausgenommen.

Daran muss ständig erinnert werden, ob die Zeit gut oder schlecht ist. Der Predigttext aus dem Buch des Propheten Jeremia heute sagt es eindeutig. Predigt, aber das Wort vor allem, nicht Träume! „Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?” Jeremia warnt vor Predigten, die uns bequem machen, die sich gerne hören lassen.

Es passiert allen Pastoren ab und zu, dass sie nach dem Gottesdienst von einem Gemeindeglied hören: Herr Pfarrer, die Predigt war heute scher schön. Das hört man gerne und ich habe nichts dagegen, dass man solche Worte auch zu hören bekommt. Die Pastoren brauchen auch ab und zu ein gutes, freundliches Wort.

Aber dass die Predigt schön war bedeutet nicht automatisch, dass sie die Sache Jesu in die Welt weiter getragen hat. Das ist das eigentliche Ziel einer Predigt.

Vor ein paar Jahren, als die Lage in unserer Gemeinde mehr als gespannt war, wurde mir unter vielen Vorwürfen auch das gesagt: „Herr Fober, Ihre Predigten sind zu theologisch, zu schwer und ich fühle mich nicht immer gut nachher”.

So muss es sein! Natürlich, wenn nötig, soll die Predigt auch erbauen, trösten, tragen, helfen die verstreuten Gedanken wieder zu sammeln. Aber die Predigten von Johannes, Paulus, vor allem aber von Jesus hatten alles oft, wie die Engländer es sagen, „up side down” gesetzt.

Wenn man im Garten einen schönen Rasen haben möchte, muss im Frühjahr mit dem Gruber oder auch Kultivator genannt, durch den Rasen gründlich mehrere Male hin und durch, auch schräg und diagonal. Wer das nicht kennt der mag denken: der Gärtner ist verrückt. Ein Ergebnis dürfen Sie bei uns im Pfarrgarten sehen. Der Pfarrer ist vielleicht verrückt, aber seine Arbeit, auch im Garten, nicht.

Wir sind nicht dazu ordiniert, um dafür zu sorgen dass Sie, als Gemeinde, sich in der Kirche bequem fühlen. Nein, wir sollen die einzige Wahrheit predigen und für diese Wahrheit hatten viele Menschen in der Geschichte der Christenheit ihr Leben geopfert.

Was würden diese sagen, wenn sie aufstünden und die Kirche von heute besuchen?

Ich kann Ihnen sagen, dass ich niemals gegen einem Menschen gepredigt habe. Es mag sein dass einer hatte
es so verstanden hat. Ich verstehe meine Berufung, Gott sei Dank, genau wie der Prophet Jeremia. Wenn wir in der Predigt auf das Wort Gottes verzichten sollen, was predigen wir dann?

Wenn wir in der Kirche auf das Wort Gottes verzichten was bleibt dann! Sollen wir die Gedanken von Goethe, Marx oder Donald Trump betrachten. Davon haben wir genug
in den Medien.

In der Kirche erwartet uns das sichtbare und das unsichtbare Wort des lebendiges Gottes. Beides hat uns bis hierher gebracht und dabei wollen wir bleiben. Gott helfe uns!

„Wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht”.

Amen!

Pfr. Andrzej Fober