1. Sonntag nach Christfest – Predigt

2. Mose 13, 20-22

Liebe Gemeinde!
Liebe Brüder und Schwester!

„Bis hierher hat uns Gott gebracht durch seine große Güte” – so denke und hoffe ich, wollen wir heute alle sagen, singen, danken. Wir dürfen, dank dieser Gnade das Jahr 2017 verabschieden und Gott für alles danken.

Ich denke mir: die Zeit, in der wir das ganze Jahr 2017 abrechnen werden kommt noch. Jeder und jede von uns wird sicher eine Bilanz für sich ziehen wollen.

Meiner Meinung nach geht es am besten, wenn man es in der Stille, vor Gott und sich selbst macht. Sicher, unter vier Augen, ist so ein Abschluss eines Jahres eine gute Sache.
Schließlich ist ein Jahr immer ein Stück unseres Lebens. Dieses Leben ist einmalig, wichtig, heilig, teuer und wir sollen das Leben genießen, bewusst leben. Nicht wie ein Ross das in der Schlacht dahin rennt!

Eine Bilanz ziehen ist eine sehr wichtige Sache und wir werden dabei sicher erfahren, dass wir manche Entscheidungen hätten anders machen sollen oder müssen.
Von eigenen Fehlern lernt man am besten. Das wird uns sicher nicht erspart bleiben. Auch diese Behauptung, dass das, was schon geschehen ist, kann man nicht mehr ändern.

Die Konsequenzen von unseren Taten, Worten, Werken und Entscheidungen dürfen wir auch noch nachher irgendwie versuchen zu steuern, aber nur teilweise. Deswegen sind unsere Taten, Worte, Werke und Entscheidungen so enorm wichtig und haben eine Bedeutung, weil sie nicht nur uns betreffen.

Für den letzten Sonntag und den letzten Gottesdienst im 2017 haben wir ein wunderschönes Wort aus der Bibel zu betrachten. Wieder sind wir am Wendepunkt der Geschichte Israels.
Die letzte Nacht in Ägypten ist vorbei. Der Engel des Todes hat sein Werk gemacht. Der Tod der Erstgeburt ist im ganzem Lande zu sehen, aber nicht im Land Goschen, wo die Israeliten wohnten.

Nach über 400 Jahren verlassen sie das fremde Land. Es passieren Wunder, wunderschöne Ereignisse die auch für uns eine Bedeutung haben.

Gott geht mit seinem Volk am Tag in einer Wolkensäule, in der Nacht in einer Feuersäule. Gott ist sichtbar und zeigt dem Volk den Weg. Es wäre natürlich schön, wenn wir Gott so klar hätten sehen dürfen.

Aber liebe Gemeinde, wir haben solche greifbaren Elemente, sichtbare Beweise rund um uns, dass Gott da ist und uns den Weg zeigt, Tag und Nacht.
Die Israeliten in der Wüste hatten keine Kirche, wir haben sie; sie hatten keine geschriebene Heilige Schrift, so wie wir die Bibel haben, sie hatten nur die Worte Mose.

Sie, damals, waren am Anfang des Weges. Sie waren ständig in Bewegung, konnten nichts Festes anfangen, bauen, planen. Sie mussten vor allem schnell marschieren, dass die Ägypter sie nicht einholen.

Wir sind frei davon. Wir haben die Erfahrung des Glaubens und die Tradition unseres Gottesdienstes. Diese wurde seit Generationen bis heute getragen. Gleichen diese nicht einer Wolkensäule am Tag und einer Feuersäule in der Nacht.

Deswegen haben wir auch 750 Jahre unserer Kirche gefeiert. Gott wollten und wollen wir danken für diese sichtbaren Zeichen seiner Gnade. St. Christophori-Kirche – einmal eine Dorfkirche, außerhalb der Stadt, heute in der Mitte der Stadt.

Als ich vor paar Wochen mit dem Vizepräsidenten der Stadt sprach, sagte er zu mir: Herr Fober, diese kleine Perle der Stadt müssen wir zusammen noch weiter ausfeilen!

Was ist die schönste Verzierung einer Kirche? Das wissen wir schon: es ist eine betende Gemeinde.

Bei der Auswanderung des Volkes Israel aus dem Ägyptenland passieren Wunder. Am Rande der Geschichte kann man lesen, dass auch kleine andere Völker, die mit den Israeliten wohnten, gemeinsam mit dem Volk Gottes Ägypten verlassen haben.
Wir wissen nicht was mit diesen Völkern passierte, aber ganz sicher haben sie die Anfangsphase erleben dürfen. Hatten die Stärke Gottes gesehen.

Also: andere Menschen, mit denen wir wohnen und leben, einladen, mitnehmen, beeinflussen. Die Israeliten bildeten damals eine totale Minderheit in Ägypten, genauso bilden wir eine totale Minderheit in Polen und in der Evangelischen Kirche in Polen.

Aber auch wir sind in der Lage andere zu beeinflussen, zu inspirieren, einzuladen.

Am Rande der Geschichte lesen wir auch, dass Mose die Gebeine von Joseph aus Ägypten ins versprochene Land getragen hat. Ein sehr wichtiges Symbol aber auch eine reale Wirklichkeit.
Warum sollen wir nicht der Menschen gedenken und so wie sie leben, die Gott in einer besonderen Weise segnete.
Das Gedächtnis, das dankbare Gedächtnis an das, was wir von Gott bekommen haben – auch durch unsere Vorfahren – ist ein wichtiger Bestandteil des Glaubens.

Diesen Glauben zu bewahren ist das wichtigste Ziel für das Neue Jahr!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober
Propst

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