1. Sonntag nach Christfest / Jahreswende

30.12.2018

Breslau, St. Christophori-Kirche, 10:00 Uhr, Abendmahlsgottesdienst

EG – Evangelisches Gesangbuch
GG – Gemeinde-Gebetbuch

Ordinarium GG Zyklus C

Eingangslied EG 55 O Bethlehem, du kleine Stadt
Predigtlied EG 35 Nun singet und seid
Nach Predigt EG 54 Hört, der Engel helle Lieder
Lied (Beichte) EG 65 Von guten Mächten
Schlusslied EG 62 Jesus soll die Losung sein

Hymne GG Ich bete an die Macht der Liebe

Zelebrant:
Pfr. Andrzej Fober, Propst

Orgel:
Tomasz Kmita-Skarsgård, Musikdirektor und Organist


Johannes 8, 31-36

Liebe Schwestern und Brüder!

Unser Gottesdienst heute ist der letzte in diesem Jahr. Das Jahr geht morgen zu Ende. Unsere Mutter sagte immer am Ende eines Jahres: Jetzt sind wir wieder  ein Jahr näher an der Ewigkeit. Unser Leben wurde nicht nur ein Mal mit einer Autofahrt verglichen. Die Fahrt kann im Tageslicht sein oder in der Nacht. Die Fahrt in der Nacht ist nicht so einfach, weil wir durch das Licht von anderen Autos oft geblendet sind, die Markierung der Straße sieht man nicht ganz so gut, das Licht an unsrem Auto wurde vielleicht auch seit langem nicht kontrolliert und es mag auch sein, dass unsere Augen nicht mehr so scharf sehen wie es früher der Fall war. Natürlich die Bremsen sind nicht zu vergessen und ob die Frontscheibe sauber ist. Im Tageslicht sieht man alles klar, deutlich und so wie es in der Wirklichkeit ist. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns jetzt auch manche Hindernisse der Fahrt im Tageslicht nennen könnte, aber diese brauchen wir nicht so sehr im Moment. Das Johannesevangelium ist ein Evangelium des Lichtes. Die Orthodoxe Kirche liebt das Evangelium sehr, weil die Sonne im Osten aufgeht und die Erde von Osten bis Westen beleuchtet. Diese Kirche ist die Kirche des Ostens und versteht sich auch als Kirche des Lichts. Eigentlich, sind auch wir von Natur aus Menschen des Lichts. Aktiv sind wir am Tag, in der Nacht, wenn es dunkel ist, sollen wir schlafen und die Kräfte für den neuen Tag sammeln. Im Johannes Evangelium ist das Licht ganz eng mit der Wahrheit verbunden. Also wie bei der Autofahrt. Wer im Tageslicht fährt, sieht alles klar, deutlich, genau. Die Nacht ist, sozusagen, die Stunde des Bösen, der Lüge, der Unwahrheit. Die Nacht deckt das, was nicht gesehen soll. Im Johannesevangelium 13, 30 finden wir eine sehr wichtige Stelle in der Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu. Es geht um den Verrat Jesu. Beim letzten Abendmahl sagte Jesus nicht ganz direkt wer ihn verraten sollte. Jesus sagte dem Johannes nur: Der ist es, dem ich den Bissen eintauche und gebe. (.) Als er(Judas) nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war NachtJudas gehört von nun an der Nacht, dem Reich des Bösen und Okkulten und kann nur auf die Erbauung Gottes hoffen. Die Taten der Nachts sind die Taten des Bösen. Die Werke des Lichts sind offenbar, gut, für alle da. Selbst Jesus, als er verhört wurde, sagte er: Ich habe immer öffentlich gepredigt, in den Synagogen. Abgesondert aber, auch in der Nacht, hatte Jesus gebetet. Er ging weg von seinen Jüngern und anderen Menschen nur um zu beten. Nicht um irgendwelche nichtigen Pläne zu besprechen. So sind uns heute, am letzten Sonntag und im letzten Gottesdienst des Jahres klare Worte aus dem Evangelium des Johannes zum Nachdenken geschenkt. Das Verbleiben in der Gemeinschaft mit dem Wort Gottes wird immer bedeuten das Leben in der Wahrheit, im Licht, in der Gemeinschaft mit anderen Brüdern und Schwestern, die im Licht wandeln, zu führen. Wer sich von der Gemeinschaft, einer Gemeinde absondert, der gehört nicht zumLicht und wird von nun an kaum etwas Gutes für die Gemeinde tun dürfen. (Ich verstehe Deine Stichrichtung, finde es aber sehr moralisierend und für die Christenheit nicht voran bringend). Wer sich von der Gemeinschaft, der Gemeinde absondert, der gehört nicht zum Licht, wird von der Gemeinde nichts zurückbekommen und wird alleine sein, wie Judas. In der Wahrheit leben wird auch bedeuten klar zu sehen, nicht nur ein Schein der Dinge, sondern so wie sie sind. Es wird auch bedeuten, sich nicht den Illusionen preiszugeben, sondern der Wahrheit nachjagen (Suche den Frieden und jage ihm nach! Jahreslosung 2019). Die Wahrheit macht uns frei. Nichts kann uns mehr und besser frei machen als die Wahrheit. Wenn Jesus sagt: ich gebe euch Frieden, und diesen Friedend findet ihr in der Welt nicht, genau so ist es mit dem Licht und der Wahrheit. Ich, mein Wort, sprich mein Licht und meine Wahrheit machen euch wirklich und komplett frei und wirklich glücklich. Auch im Johannes Evangelium sagt Jesus über sich selbst: ich bin das Brot des Lebens. Es ist logisch und konsequent. Wo das Licht ist, dort ist auch das Leben. Das betrifft natürlich nicht nur die Natur um uns herum. Wenn es aber um unser Leben geht, brauchen wir nicht nur das Brot, das uns ernährt, wir brauchen auch das Brot für unseren inwendigen Menschen, für das Innere in uns, für unseren Geist und unsere Seele. Es kann sein, das haben wir nicht einmal erfahren, dass unser Bauch satt war, aber wir waren nicht glücklich. Es gibt aber auch tausende Geschichten von Menschen erzählt, die materiell wirklich arm waren, aber glücklich, sie konnten auch im Gefängnis singen, Gott loben und preisen. Im Jahr 2018 wäre jede und jeder von uns frei, aber auch teilweise Knecht von unseren Begierden, Schwächen, falschen Erwartungen oder Vorstellungen. Es mag sein, dass ich ein Knecht einer Erzählung war, der ich sofort geglaubt habe. Lassen wir uns nicht so schnell durch das falsche oder künstliche Licht verblenden, wie bei der Autofahrt. Es kann nur schlecht enden. Das wird alles in ein paar Stunden Vergangenheit sein. Gott schenkt uns ein neues Jahr. Bis hierher hat er uns alle gebracht. Uns, die Gemeinde, die Geschichte der Menschheit und der Welt. In diesem neuen Jahr dürfen wir auf sein Wort hoffen, auf das Wort des Sohnes, der uns frei machen möchte. Frei für das weitere Leben, frei für den Dienst in der Welt, in der Gesellschaft, in der Kirche, in der Familie. Nur als freei Menschen sind wir wirklich in der Lage große Werke tun. Nicht um die Welt zu bewundern, sonder um Gott besser loben und preisen zu können. Unsere Projekte des Jahres 2018: Wappenfenster, Vier Märtyrer und die neue Küche für die Obdachlosen haben uns diese Wahrheit mehr als deutlich bewiesen. Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr!

Amen!

Pfr. Andrzej Fober