Gottes Spuren als Pfarrer erlebt

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Marga u. Rainer Kroninger

Als Pfarrer ist man ganz nahe am „Puls des Lebens“. Man teilt mit Menschen Frohes und Schweres, erlebt dabei viele Ermutigungen und Veränderungen mit. Im Laufe von 38 Dienstjahren kamen meine Frau und ich in 6 ganz unterschiedliche Regionen und Gemeindesituationen. Wir lernten, die dortigen Dialekte und Mentalitäten sehr zu schätzen. Mit verlässlichen Mitarbeitenden und tüchtigen Ehrenamtlichen machte es viel Freude, Feste und Kirchenjahre zu gestalten. Auch große Projekte gehörten dabei zu meinen Aufgaben: Der Neubau eines Gemeindehauses und einer großen Diakoniestation. In der Oberpfalz dann, was ganz selten in einem Pfarrersleben vorkommt, der Neubau einer modernen Kirche mit Gemeinderäumen.

In Wolkersdorf, unserer letzten Station, war meine Dienstzeit relativ kurz. Aber doch sehr intensiv, wie sich bei der Verabschiedung am 21. Januar zeigte: Meine Frau und ich sind auf Menschen zugegangen, haben zugehört und Anteil genommen. Dank der tüchtigen Unterstützung durch den Kirchenvorstand und die vielen Mitarbeitenden war in der Kindertagesstätte (dort Neubau einer Krippe für die Jüngsten) und Gemeinde viel bewegt worden. Zu den besonders eindrücklichen Begegnungen hier gehörte das Beginnen der Partnerschaft mit der Christophori-Gemeinde in Breslau. Unser Ort am Stadtrand der Goldschläger-Stadt Schwabach denkt gerne noch an die ereignisreichen Kirchweih-Tage mit Probst Fober, Frau Waschke, Frau Behnisch und Herrn von Kap-herr zurück.

Und wie beeindruckend war für uns vier Wolkersdorfer dann erst im September der Jubiläums-Gottesdienst in der Christophori-Kirche, mit seinem musikalischen Glanz und der Fülle an weitgereisten Gästen! Wir haben einen tiefen Eindruck bekommen von der Glaubenstreue der Schlesier in der Stadt und in den umliegenden Predigtorten. Erlebt haben wir auch, mit welchem Geschick und Elan Probst Fober und die in der Gemeinde Aktiven die Aufgaben der Gegenwart anpacken: die Erhaltung und Wiederherstellung des schönen Kirchengebäudes und der Glasfenster. Aber auch die erstaunliche Fürsorge im sozialen Bereich mit Hilfe des Johanniterordens; wie auch der treue Dienst an Kranken und Älteren von Schwester Lidia Podzorska. Wir freuen uns, wie vielfältig Gott Beziehungen knüpft und wie wir an unseren jeweiligen Orten seine Spuren oft ganz handgreiflich erleben.

Bewegt und froh gemacht hat meine Frau und mich auch das Dabeisein von Herrn Fober und Frau Waschke bei unserer Verabschiedung in den Ruhestand, jetzt am 21. Januar. Sie konnten mit uns die überaus warmherzige und wohltuende Feier im Haus der Gemeinde erleben. Und auch einen Blick auf unsere künftige Wohnung im Heimatort meiner Frau werfen. Wir wären gerne noch in dieser herzlichen und offenen Gemeinde, bei all den uns so vertraut gewordenen Menschen, geblieben. Doch meine Gesundheit hat den vorzeitigen Wechsel in den Ruhestand nahegelegt. Ein repariertes Herz ist kein neues – und Gott möge uns noch ruhige, unbeschwerte Jahre in Heilsbronn in der Nähe des alten Zisterzienser-Klosters schenken. (Da gibt es im Frühjahr einen Garten anzulegen und neue Nachbarschaften zu knüpfen.)

Ja, Sie in Schlesien und wir hier leben in einer langen, oft atemberaubend spannenden Glaubensgeschichte. Wie viele Generationen glaubten und hofften vor uns; wie oft hat Gott seine Gemeinden schon durch Krisen oder Sorgenzeiten getragen! Seine Segensspuren haben wir an all unseren Dienstorten und noch mehr in so vielen Menschenschicksalen erlebt. Das ist auch das Wertvollste, was ich aus meiner Dienstzeit als Pfarrer mitnehme: die Begegnungen und Gespräche mit tapferen, oft beeindruckend in der Gemeinde engagierten Christen jeden Alters. Sie sind uns als Pfarrfamilie treue Weggenossen gewesen und Freunde geworden.      

Und natürlich, die Verbindung zu Ihnen nach Breslau wollen wir auch halten. Wir sind gespannt, wie es mit all den Vorhaben in der Kirche weitergeht. Und auch die schönen Gästezimmer in Zimbel haben ja eine einladende Wirkung. Einigen unserer Verwandten wollen wir auf jeden Fall die faszinierende Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und Kirchen nahebringen. Hier im fränkischen Wolkersdorf brauchen die Mitarbeitenden und Gemeindeglieder erst mal Mut und Durchhaltekraft für die monatelange Übergangszeit. Wir bitten Gott, den Herrn der Kirche, dass ins Pfarrhaus hier bald wieder ein/e PfarrerIn einzieht und die Menschen wieder Zuspruch, Ermutigung und ein Gegenüber haben.

Meine Frau Marga und ich grüßen Sie alle als solche, die nun die Ernte Ihres Berufslebens einbringen und genießen dürfen. – Jener Getreidesack, den Sie auf dem Bild sehen, stammt aus dem großen Bauernhof der Vorfahren meiner Frau; aus der Zeit, wo es noch Dreschmaschinen und Mühlen gab.     Es ist Gottes Gnade, dass Leben gedeiht und Arbeit und Ernte gelingen. Ihm vertrauen wir unsere Zukunft an – und all das Spannende, was noch kommt. Die Weite seines Lebens – die schenke Gott Ihnen in Breslau und den umliegenden Gemeinden, und uns.

Ihnen in Freundschaft verbunden
Marga u. Rainer Kroninger