Fragen und Antworten

Wer baut unser neues Instrument?

Die im April 2016 durchgeführte Ausschreibung gewann die Firma Johannes Klais Orgelbau GmbH&Co.KG, Bonn. Dieser seit 1882 bestehende Familienbetrieb ist gegenwärtig eine der weltbesten Orgelbauwerkstätten der Welt. Das Unternehmen Klais baute u. a. Instrumente im Kölner Dom, der Hedwigs-Kathedrale in Berlin, dem Nationalen Kunstzentrum Peking und der Krakauer Karol Syzmanowski-Philharmonie sowie den Orgelprospekt im Nationalen Forum für Musik in Breslau. Mehr zu Klais unter www.orgelbau-klais.com.

Kann man nicht eine kleinere/billigere Orgel bauen?

Natürlich kann man das. Man kann auch eine größere und teurere bauen. Bei der Planung des neuen Instruments haben wir uns bestimmte Ziele gesetzt, die nach dem Orgelbau mit deren Umsetzung realisiert sein sollen. Jene Ziele und Richtlinien wurden in einem großen Kreis von Organisten und Organologen erörtert. Die Ergebnisse dieser Konsultationen sind Bestandteil der Schriftstücke zur Konzeption des Instruments und den Dokumenten der Öffentlichen Ausschreibung.

Die Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche verfügt über eine passende Orgelempore – die an St. Christophori ist zu klein.

Im Zimpel ist eine Kirche, die wir einige wenige Male im Jahr nutzen. Es ist sinnlos, hier eine neue Orgel zu bauen, v.a. auch deshalb, weil der Urzustand des Sakralbaus – bevor er zum Kino umgebaut wurde – immer noch nicht wiederhergestellt ist. Die Empore der St. Christophori-Kirche ist nicht zu klein um eine Orgel zu entwerfen. Vor Projektbeginn wurde alles von Spezialisten, also Orgelbaumeistern und einem Architekten berechnet und in Planungszeichnungen festgehalten.

Für wen? Wofür?

Für die Gemeinde – für den Gottesdienst
Für Musikliebhaber – für Konzerte
Für junge Musiker – für die Ausbildungi

Kann nicht die Schlag-Orgel ausgebaut werden?

Eine Investition in das alte Instrument von Schlag/Szydłowski wäre in höchstem Maße unwirtschaftlich. Wollten wir – ohne sie zu vergrößern – mit dem Ziel, die gegenwärtig geltenden Standards im Orgelbau zu erreichen,  Arbeiten an der alten Orgel ausführen, müssten wir: ein neues Gebläse kaufen, das Gebläse und den Blasebalg wegen des signifikanten Temperaturunterschieds der Luft in den Innenraum der Kirche verlegen, die Spieltraktur in eine elektropneumatische ändern, neue Klaviaturen bestellen, das Pedal um drei und das Manual um zwei Tasten erweitern und alle alten Zink-Orgelpfeifen gegen solche aus Zinn austauschen. Von dem alten Instrument bliebe also die Windlade erhalten (angefertigt 1993, jedoch nicht von der Firma Schlag) sowie die Holzpfeifen (3 von 12 Stimmen). Wir würden de facto eine neue Orgel bauen.
Aber das ist nur der Anfang, denn die Frage betrifft die Erweiterung. Um aus der alten Orgel ein für Gottesdienste, Konzerte und Unterricht gleichermaßen geeignetes Instrument zu machen, müssten wir sie auf mindestens so viele Stimmen erweitern, wie die Orgel in unserer Kirche vor dem 2. Weltkrieg hatte, also 25. Welchen Sinn hätte dieses ganze Unterfangen? Statt ein technisch zuverlässiges, neues und in sich schlüssiges Instrument zu bauen, erhielten wir im Ergebnis die zweifelhafte Qualität zahlreicher Umänderungen und „Verbesserungen unserer Vorgänger”.

Könnte man nicht irgendwo eine gebrauchte Orgel kaufen, besser als die der Fa. Schlag, aber kleiner als von Klais?

Das bedeutete eine vereinfachende Abkürzung, die – dessen müssen wir uns bewusst sein – zu nichts Sinnvollem führt.
Eine Orgel ist kein Klavier und Orgeln werden nicht industriell produziert. Sie werden als Bestandteil der Inneneinrichtung eines konkreten Raumes hergestellt, damit sie in dessen Akustik gut klingen, mit dessen Innerem harmonieren und weder zu laut, noch zu leise sind (s.o.).

Zweitens: Wenn jemand eine Orgel verkauft, dann hat das Gründe. Natürlich ist es manchmal so, dass eine Kirche aufgelöst und das Instrument nicht mehr benötigt wird. Normalerweise hat sich eine Gemeinde, wird eine Orgel auf dem Markt zum Verkauf angeboten, für ein neues, besseres Instrument entschieden, weil das alte nicht (mehr) den Erwartungen entspricht. Leider gelangen z.Zt. eben solche Instrumente nach Polen, die in den 50-er/60-er Jahren des 20. Jh. gebaut wurden aus Materialien niedriger Qualität und scheußlicher, ordinärer Intonation.

Warum solche Instrumente gekauft werden? Weil sie billig sind. Die Gemeinden wollen schnell ein Instrument haben. Sie wollen lieber jetzt irgendeines für 100 000 EUR haben, als über 10 Jahre 1 000 000 EUR zu sammeln. Genau das bedeutet es in diesem Sinne, eine Abkürzung zu nehmen.

Warum wird an St. Christophori eine neue Orgel gebaut?

Es ist schwierig diese Frage für jeden gleichermaßen zufriedenstellend zu beantworten. Sie gehört der Gattung an „Warum soll dieser Raum gestrichen werden, wo das doch gerade „erst“ vor 20 Jahren gemacht wurde? Warum neue Bücher schreiben, obwohl es schon so viele gibt? Warum Konzerte organisieren – man kann doch CDs hören?” usw.

Ist die neue Orgel nicht zu groß/laut für eine solch kleine Kirche wie St. Christophori?

Es gibt nicht so etwas wie „zu große oder zu laute Orgeln”. Orgeln werden mit dem Ziel vielfältigen Klangreichtums und mannigfaltigen Zusammenspiels der einzelnen Stimmen entworfen und nicht, um eine bestimmte Lautstärke zu erreichen. Natürlich hat die Anzahl der Register Einfluss auf die potenziell mögliche Lautstärke des Instruments, aber diese resultiert v.a. aus der sog. Intonation und dem Druck der zugeführten Luft. Ein Orgelbaumeister kann eine Orgel mit 10 Stimmen bauen, die viel lauter sein kann als eine andere mit 50 Stimmen. Das alles hängt von den o.g. Faktoren ab: der Intonation und der Druckluft. Als ich bei Prof. Klemens Kaminski lernte fand der Unterricht in einer Schule an einer Orgel mit 48 Registern statt – in einem Saal, der bedeutend kleiner war als unsere Kirche. Dieses Instrument klang ausgezeichnet und sein Klangvolumen war dem Raum, den es ausfüllen sollte, angemessen.

Ist die Orgel von Schlag oder eine kleinere nicht ausreichend für den Gottesdienst? Warum brauchen wir eine Orgel für Konzerte?

Diese Frage überrascht mich. Ist für die Liturgie eine andere Orgel notwendig als für Konzerte? Eine schlechtere? Mein diesbezügliches Verständnis ist genau anders herum: Ich denke zuerst an die Liturgie und erst danach an Konzerte und Kurse für Studenten.

Um auf die Frage zurückzukommen, ob nicht die Schlag- oder eine kleinere Orgel ausreichten: Um darauf zu antworten müsste der Fragende zunächst nach seinen Wünschen befragt werden, um anschließend dazu Stellung nehmen zu können. Wir wissen jedoch, dass unter uns Menschen sind, denen die Qualität der Kirchenmusik (oder auch der Musik überhaupt) vollkommen gleichgültig ist. Wir können die Maßstäbe letzterer heranziehen bis hin zu denen derer, denen die Qualität der Musik sehr wichtig ist. Welches Maß an „ausreichenden” Untersuchungen hätten wir also hinsichtlich bestimmter Entscheidungen durchführen sollen?

TECHNISCHE INFORMATIONEN

Allgemeine Grundsätze

Die Orgel wird sowohl als liturgisches Instrument, Solo- und Begleitinstrument von Vokal- und Instrumentalensembles in Konzerten  – disponiert v.a. zum Spiel von Musik ab der Romantik (besonders der Deutschen) bis zur Gegenwart  – und gleichzeitig als didaktisches Instrument dienen.

Klangästhetik

Die grundlegende Struktur des Instruments hat seine Genese in der Gedankenwelt des Orgelbaumeisters Eberhard Friedrich Walcker zur Hälfte des XIX. Jh. unter besonderer Berücksichtigung seiner Instrumente in Schramberg (op. 46, Bj. 1844), Hoffenheim (op. 62, Bj. 1846) und Neuhausen (op. 120, Bj. 1854). Die stilistische Klangidee wurde dezent um Lösungen erweitert, die von angelsächsischen Orgelbaumeistern inspiriert sind: ein Solo-Werk, Extension und Transmission.

Gestimmt wird a1 auf 432 Hz oder 435 Hz bei 18°C und gleichmässig temperierter Stimmung.

Konstruktion und Mensur der Orgelpfeifen

Die Mensur und Geometrie der Orgelpfeifen sowie deren spätere Intonation werden ihre Genese im oben beschriebenen Referenzbereich haben, wobei sowohl hinsichtlich deren Berechnung als auch deren Funktion die Orgelbaumeister den Messergebnissen unterliegen, die zuvor der Ausführende in Messungen der Akustik in der Kirche ermittelt hat. Die Orgelpfeifen müssen einen massiven Klang, warm und ohne Schärfe, bei gleichzeitiger Angepassung des Volumens des grossen Klangapparates an den sehr kleinen Rauminhalt der Kirche gewährleisten.
Der Ausführende erarbeitet einen Druck-Blasebalg, der sowohl differenziert im Hinblick auf die gesamte Orgel (einzelne Werke) als auch im Hinblick auf die Sektionen (einzelne Stimmgruppen).
Die Baustoffe für die Orgelpfeifen einzelner Register werden entsprechend der in den Referenzinstrumenten verwendeten ausgewählt und müssen den charakteristischen Klang, der dem bevorzugten Stil der Orgel angemessen ist, gewährleisten.

Spieltisch

Die Orgel wird über einen stationären Spieltisch verfügen, der in der Weise vor dem Orgelgehäuse aufzustellen ist, dass der Spieler zum Altar gerichtet sitzt. Die Architektonik des Spieltisches hat in höchstem Maße die in den Referenzen genannten originalen Spieltische der Firma Walcker widerzuspiegeln.
Die Ganzton-Tasten der Klaviaturen der Manuale erhalten ein Knochen-Furnier und die Halbtontasten eines aus Ebenholz. Die Pedal-Klaviatur wird flach mit gleichmässiger Anordnung der Tasten aus Eiche angefertigt; cis0 des Pedals ist unter dem cis 1 der Manual-Tastatur anzuordnen; die Klaviatur der Manuale umfasst C-c4, die Pedal-Klaviatur: C-g1.
Die Manubrien werden als Züge in terrassenartiger Anordnung auf beiden Seiten des Manuals ausgeführt und mit einer Porzellan-Verblendung unter Aufschrift ihrer Ordnungsnummer, des Namens der Stimme, der Angabe der Fußtonzahl und – in den dies betreffenden Fällen – mit der Chorzahl beschriftet.

Elektronik

Das Instrument muss mit Setzern ausgestattet sein, die mind. 100.000 Kombinationen erlauben und über die Lese-, Schreib-, Lösch- und Kopierfunktion der Kombination von Registern verfügen. Diese Funktionen werden auf mobilen Datenträgern in Form von Disketten (USB-Stick) abgelegt. Die Software wird in einer ausziehbaren Schublade verdeckt. Die Orgelbaufirma verpflichtet sich zur kostenlosen Bereitstellung von Aktualisierungen hinsichtlich der Programmierung. Der Spieltisch wird mit eingebauter MIDI-Technik ausgestattet, die die Speicherung des Spiels und deren Abspielen sowie anderer im Format .mid oder .midi gespeicherter Daten erlaubt. Es sind auch klassische MIDI Ein- und Ausgänge erforderlich sowie eine USB-Schnittstelle, die neben der Speicherung auf externen Festplatten ebenso das Abspielen von denselben ermöglicht.

Spielhilfen

Die Pedal-Klaviatur ist im Bereich G-g programmierbar und ebenso ein Teil der die Bässe bedienenden Stimmen des Pedalwerks und ein Teil der den Diskant bedienenden Paarungen [beim Anschalten des jeweiligen Bereiches erfolgt eine automatische Kopplung zur elektrischen Traktur des Pedals].
Alle Manuale sind mit Sostenuto ausgestattet.
Crescendo mit vier programmierbaren, walzengesteuerten Verläufen.
Kippbare Fußschalter für die Jalousien des II. und III. Manuals sowie den Windschweller und die Klarinetten-Stimme. Die Crescendo-Walze ist zentral angeordnet und rechts davon die oben erwähnten Fuß-Kippschalter.

Zusätzliche Informationen

Notenständer aus Holz, stilistisch an den Orgelschrank angepasst oder aus Plexiglas.

Es ist eine angemessene Beleuchtung sowie eine höhenverstellbare Orgelbank mit einer Anzeige der eingestellten Höhe erforderlich.
Die An-Aus-Kippschalter müssen in der “An”-Stellung leuchten.
Schalter, die die gleichen Funktionen bedienen, haben miteinander gekoppelt zu sein.
Alle Beschriftungen des Kontuars sind auf Deutsch zu verfassen.

Traktur

In der Orgel wird eine mechanische Traktur für die Werke des I. und II. Manuals und des Pedalwerks und außerdem eine elektrische für das Werk des III. Manuals verwendet. Die mechanische Traktur wird mittels der elektrischen in hierfür notwendigen Fällen verdoppelt.
Die Orgel wird mit elektrisch angetriebenen Gebläsen ausgestattet, die die Faltblasebälge versorgen.

Windlade

In dem Instrument werden mechanische Kegelladen montiert. Die Anordnung und Anzahl der Windladen wird von der Orgelbau-Firma in einer Weise vorgeschlagen, die eine optimale Projektion der Töne der einzelnen Orgelwerke erreicht wobei gleichzeitig vorausgesetzt wird, dass das III. Werk des Manuals im alten Kantorasraum untergebracht ist.
Windladen, auf denen Lingualpfeifen stehen, werden mit “An”-Schaltknöpfen ausgestattet, sodass sie von nur einer Person gestimmt werden können.

Schwellwerke

Die Konstruktion der Schwellwerke muss ein optimales Abdämpfen der Lautstärke des Werkes bei geschlossenen Jalousien gewährleisten. Die Jalousien der Schwellwerke werden mechanisch gesteuert und mit horizontalen, kollektiv kippbaren Lamellen versehen.
Das im ehemaligen Kantorat untergebrachte III. Manual wird mit zwei Jalousie-Wänden verkleidet.

ARBEITSABSCHNITTE

  1. Technische Planung und Auszeichnung
  2. Bau und Installation des Gehäuses bzw. der Prospektfront ohne Prospektpfeifen
  3. Bau und Installation – von Windlade, Pfeifenwerk und Windversorgung Manual III / – der Schwellwand Manual III
  4. Bau und Installation – von Spieltisch und mechanischer Trakturabgang / – der Windanlage für I/II/P / – der Traktur inkl. Wellenbrett Manual I
  5. Bau und Installation von Windlade und Pfeifenwerk Manual I
  6. Bau und Installation – von Windlade und Pfeifenwerk Manual II / – der Traktur inkl. Wellenbrett Manual II / – des Schwellkastens zu Manual II
  7. Bau und Installation – von Windlade und Pfeifenwerk Pedal / – der Traktur inkl. Wellenbrett Pedal
  8. Bau und Installation der Prospektpfeifen